Ratgeber · Nachwuchs

Azubis finden: warum eure Stellenanzeige niemanden erreicht

Es gibt gleichzeitig zu wenige Lehrlinge in den Betrieben und zu viele junge Menschen ohne Platz. Diese Unterscheidung entscheidet darüber, ob sich Anstrengung lohnt.

Kurz beantwortet

Warum bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt, obwohl es Bewerber gibt?

Weil Angebot und Suche sich nicht treffen. Der Berufsbildungsbericht 2026 weist im Handwerk über 16.000 unbesetzte Ausbildungsstellen aus, bundesweit blieben 54.400 Stellen leer. Gleichzeitig bleiben Zehntausende Bewerber unversorgt. Das ist kein reines Mengenproblem, sondern ein Zuordnungsproblem.

Suchen Jugendliche wirklich auf anderen Kanälen als Betriebe posten?

Ja, und der Abstand ist erheblich. Laut einer Bitkom-Erhebung informieren 71 Prozent der Betriebe über Facebook über ihre Ausbildungsplätze, während nur rund 25 Prozent der Jugendlichen dort nach einer Ausbildung suchen. In der täglichen Nutzung führen bei Jugendlichen WhatsApp und Instagram, gefolgt von YouTube und TikTok.

Was bringt ein Video, was eine Stellenanzeige nicht kann?

Es beantwortet die Fragen, die niemand stellt. Aus den Azubi-Recruiting-Trends 2026 geht hervor, dass sich 37 Prozent der Bewerber nur bewerben, wenn sie vier oder fünf von fünf genannten Anforderungen erfüllen, während 65 Prozent der Betriebe ihre eigenen Anforderungen gar nicht wörtlich meinen. Ein Video kann diese Selbstaussortierung auflösen, ein Anforderungsprofil nicht.

Wer sollte im Video sprechen?

Der Azubi im zweiten Lehrjahr, nicht der Chef. Er ist die einzige Person im Betrieb, die glaubwürdig beschreiben kann, wie der erste Tag war und was er vorher falsch erwartet hat. Der Chef darf am Ende 15 Sekunden sagen, was er vom Betrieb erwartet, mehr nicht.

Wie wichtig ist der Ton bei so einem Video?

Wichtiger als das Bild. Ein Video aus der Werkstatt mit hallendem oder verrauschtem Ton wirkt nicht handfest, sondern nachlässig, und diese Zuschreibung trifft dann den Betrieb. Ein Ansteckmikrofon löst das Problem, ein besseres Kameramodell nicht.

Die Lage in Zahlen, und warum sie anders aussieht als erwartet

Das Handwerk hat im Ausbildungsjahr 2025 entgegen dem Bundestrend zugelegt: 135.540 neue Ausbildungsverträge, 488 mehr als im Jahr davor, ein Plus von 0,4 Prozent. Trotzdem blieben über 16.000 Ausbildungsstellen unbesetzt, die Betriebe im Handwerk tatsächlich angeboten hatten. Bundesweit über alle Branchen blieben 54.400 Stellen leer, das entspricht 10,6 Prozent des betrieblichen Gesamtangebots, nach 12,8 Prozent im Vorjahr (Berufsbildungsbericht 2026, BMBF und BIBB).

Die entscheidende Zahl steht daneben und wird selten mitzitiert: Zehntausende Bewerberinnen und Bewerber bleiben im selben Jahr unversorgt. Es gibt also gleichzeitig zu wenige Azubis in den Betrieben und zu viele junge Menschen ohne Platz. Das ist kein Mangel, das ist ein Zuordnungsproblem. Die beiden Seiten finden einander nicht.

Für einen Betrieb, der gerade zum dritten Jahr in Folge keinen Lehrling bekommt, ist das eine wichtige Unterscheidung. Wenn es tatsächlich keine Interessenten gäbe, wäre jede Anstrengung sinnlos. Wenn sie existieren und nur woanders schauen, ist das ein lösbares Problem.

Der Kanalfehler, der die meisten Betriebe unsichtbar macht

Die Bitkom erhob 2025, dass rund 80 Prozent der Handwerksbetriebe soziale Medien fürs Recruiting nutzen. Das klingt nach einer Branche, die angekommen ist. Der zweite Teil der Zahl macht die Sache interessanter: 71 Prozent der Betriebe informieren über Facebook über ihre Ausbildungsplätze, aber nur rund ein Viertel der Jugendlichen sucht dort nach einer Ausbildung.

Aus den Azubi-Recruiting-Trends lässt sich ergänzen, wo sie stattdessen sind. In der täglichen Nutzung liegen Messenger wie WhatsApp mit rund 80 Prozent und Instagram mit 78 Prozent vorn, dahinter YouTube mit 68 Prozent und TikTok mit rund 52 Prozent. Facebook taucht in dieser Aufzählung nicht auf, und zwar nicht, weil es niemand mehr hat, sondern weil es für diese Altersgruppe kein Suchort ist.

Der typische Handwerksbetrieb macht also nicht zu wenig. Er macht es an einem Ort, an dem die Zielgruppe nicht nachschaut. Das ist ein teurer Fehler, weil er sich wie Aktivität anfühlt.

Warum sich junge Leute selbst aussortieren

Die Azubi-Recruiting-Trends 2026 von u-form Testsysteme sind die größte Erhebung ihrer Art in Deutschland, weil sie beide Seiten gleichzeitig fragt. In der aktuellen Runde antworteten über 9.500 Schülerinnen, Schüler und Auszubildende sowie mehr als 2.000 Ausbildungsverantwortliche. Zwei Befunde aus dieser Studie erklären mehr über leere Lehrstellen als jede Diskussion über Arbeitsmoral.

Erstens: 37 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber bewerben sich nur dann, wenn sie vier oder fünf von fünf in der Anzeige genannten Anforderungen erfüllen. Gleichzeitig nehmen 65 Prozent der Betriebe ihre eigenen Anforderungen nicht wörtlich und entscheiden nach Gesamteindruck. Das heißt im Klartext: Betriebe schreiben Wunschlisten, Jugendliche lesen sie als Ausschlusskriterien, und ein erheblicher Teil der passenden Leute bewirbt sich nie.

Zweitens: Nur 46 Prozent der Stellenanzeigen nennen die Ausbildungsvergütung mit einer konkreten Zahl. In einer Situation, in der laut derselben Studie nur noch drei von zehn Befragten überhaupt zwei oder mehr Angebote haben, dem niedrigsten Wert seit Beginn der Messung 2014, ist jede Unklarheit ein Grund, weiterzuscrollen.

Beide Befunde beschreiben dasselbe Muster. Der Text der Anzeige erzeugt Distanz, und die Distanz wird nicht überbrückt.

Was ein Video daran ändern kann und was nicht

Ein Video ersetzt keine Anzeige und löst kein Lohnproblem. Was es kann, ist genau die Lücke schließen, die der Text aufreißt: Es zeigt Menschen statt Anforderungen.

Ein Fünfzehnjähriger, der überlegt, ob Anlagenmechaniker etwas für ihn ist, hat keine Vorstellung davon, wie so ein Tag aussieht. Er kennt den Beruf aus zwei Quellen: was seine Eltern sagen und was er im Internet findet. Findet er dort nichts als ein PDF mit Anforderungsprofil, entscheidet er nach dem Gefühl. Findet er zwei Minuten, in denen jemand, der zwei Jahre älter ist als er, in einer erkennbaren Werkstatt erzählt, was er morgens macht, hat er eine Grundlage.

Das ist die eigentliche Funktion. Nicht Werbung, sondern Anschauung. Und es erklärt, warum das gängige Recruiting-Video mit Drohnenflug über den Firmenparkplatz und Streichmusik nichts bringt. Es beantwortet keine einzige Frage.

Wer sprechen sollte, und wer besser nicht

Die wichtigste Besetzungsentscheidung ist gleichzeitig die, die im Betrieb am meisten Widerstand erzeugt: Der Chef sollte nicht die Hauptrolle spielen.

Der Azubi im zweiten Lehrjahr ist die glaubwürdigste Person im Haus, und zwar aus einem einfachen Grund: Er ist die einzige, die sich noch an den ersten Tag erinnert. Er kann sagen, was er vorher falsch erwartet hat. Er kann sagen, was er im ersten halben Jahr nicht verstanden hat und wer ihm dabei geholfen hat. Er kann auch sagen, was nervt, und genau diese Stelle macht das Video glaubwürdig. Ein Video, in dem alles großartig ist, wird von dieser Altersgruppe zuverlässig durchschaut.

Der Ausbilder darf danach kurz auftreten. Nicht als Werbeträger, sondern als die Person, die sagt, was sie tatsächlich erwartet: pünktlich sein, nachfragen, wenn man etwas nicht versteht, nicht heimlich weitermachen, wenn etwas schiefgeht. Das sind Sätze, die ein Sechzehnjähriger einordnen kann. "Teamfähigkeit und Eigeninitiative" ist keiner.

Es gibt einen zweiten Adressaten, der fast immer vergessen wird: die Eltern. Bei der Berufswahl im Handwerk reden sie mit, oft mehr, als ihnen selbst bewusst ist. Ein Video, das zeigt, dass der Betrieb geordnet arbeitet, dass jemand für die Ausbildung zuständig ist und dass der Beruf eine Perspektive hat, wirkt auf sie anders als auf den Jugendlichen. Beide Zielgruppen lassen sich in demselben Zweiminüter bedienen, wenn man es weiß. Wer das Thema breiter aufziehen will, findet die Systematik im Artikel Employer Branding mit Video, die Ablauf- und Kostenseite steht im Artikel Recruiting-Video erstellen.

Die fünf Fragen, die im Video vorkommen müssen

Wer sich vor der Kamera überlegt, was er sagen soll, sagt nichts. Deshalb lohnt sich eine feste Fragenliste, und sie ist kürzer, als man denkt. Fünf Fragen genügen, und sie stammen nicht aus dem Marketing, sondern aus dem, was Fünfzehn- und Sechzehnjährige tatsächlich wissen wollen.

Wie sieht der erste Tag aus? Nicht das erste Jahr, nicht die Ausbildungsordnung. Der erste Tag. Wann muss man da sein, wer holt einen ab, was macht man bis mittags.

Was musste ich lernen, das mir vorher niemand gesagt hat? Diese Frage bringt die einzige Antwort im ganzen Video, die nicht in einer Broschüre stehen kann.

Was ist anstrengend? Ein Azubi, der sagt, im Winter auf dem Dach sei es tatsächlich kalt, macht das gesamte übrige Video glaubwürdig. Wer diese Frage weglässt, verliert mehr, als er schützt.

Was kann ich nach drei Jahren, das ich vorher nicht konnte? Das ist die Perspektivfrage, und sie richtet sich mindestens so sehr an die Eltern wie an den Jugendlichen.

Wer ist mein Ansprechpartner, wenn etwas nicht klappt? Der Punkt, an dem der Ausbilder ins Bild kommt und selbst antwortet. Nicht mit einem Versprechen, sondern mit einem Namen und einer Handynummer, die tatsächlich existiert.

Mehr braucht es nicht. Aus diesen fünf Antworten entstehen eine Langfassung für die Karriereseite und drei bis vier kurze Clips für Instagram, jeder mit genau einer Antwort. Die Aufteilung ist wichtig: Ein kurzer Clip, der eine einzige Frage beantwortet, funktioniert in diesen Kanälen deutlich besser als ein Zusammenschnitt, der alles streift.

Was eine leere Lehrstelle tatsächlich kostet

Betriebe rechnen Recruiting fast nie durch, und deshalb wirkt jede Investition darin wie Zusatzaufwand. Die Gegenrechnung lohnt sich, und jeder Betrieb kann sie mit seinen eigenen Zahlen in zehn Minuten aufstellen.

Ein Azubi, der im dritten Lehrjahr selbstständig arbeitet, ersetzt einen Teil einer Fachkraftstelle. Eine Fachkraft, die stattdessen extern gesucht wird, kostet je nach Gewerk und Region ein Vielfaches der Ausbildungsvergütung, und in vielen Gewerken ist sie schlicht nicht verfügbar. Wer über Jahre keine Azubis ausbildet, zahlt die Rechnung später auf dem Arbeitsmarkt, zu dessen Preisen.

Dazu kommt der Effekt, den niemand beziffert: Aufträge, die abgelehnt werden, weil die Kapazität fehlt. In vielen Handwerksbetrieben ist das inzwischen der begrenzende Faktor, nicht die Nachfrage. Wer einen Auftrag im Jahr ablehnt, weil zwei Leute fehlen, hat die Kosten einer ordentlichen Recruiting-Maßnahme bereits mehrfach übertroffen.

Vor diesem Hintergrund ist die Frage, ob sich ein Video für 1.000 oder 2.000 Euro lohnt, eine andere als die Frage, ob es etwas kostet. Es lohnt sich in dem Moment, in dem es eine einzige Bewerbung erzeugt, die sonst nicht gekommen wäre. Und es wirkt nicht einmal, sondern über die gesamte Zeit, in der es online steht.

Die Fehler, die sich in fast jedem Azubi-Video wiederholen

Das Video ist zu lang. Zwei Minuten sind die Obergrenze für die Langfassung auf der Karriereseite. Für Instagram und TikTok sind es 20 bis 45 Sekunden, und das ist keine gekürzte Fassung, sondern eine eigene. Wer dieselbe Datei überall hochlädt, verliert auf beiden Seiten.

Der Ton stimmt nicht. Eine Werkstatt ist laut und hallt. Ein Interview, das dort mit dem Kameramikrofon aufgenommen wurde, klingt nach Tiefgarage, und das schlägt auf den Betrieb zurück. Untersuchungen zur Wahrnehmung von Tonqualität zeigen, dass Zuhörer bei schlechterem Ton den Sprecher selbst schlechter bewerten, obwohl der Inhalt identisch ist. Der Betrieb wirkt dann nicht laut, sondern nachlässig.

Es gibt keine Untertitel. Der größte Teil der Videos in sozialen Netzwerken läuft ohne Ton, besonders in dieser Altersgruppe und besonders unterwegs. Ohne Untertitel ist das Video für die Hälfte des Publikums ein Stummfilm.

Das Video hängt im Nirgendwo. Ein Recruiting-Video auf einer Unterseite, die niemand aufruft, arbeitet nicht. Es gehört in die Stellenanzeige selbst, auf die Startseite, in die Google-Unternehmensprofile und in die Antwortmail an jede Bewerbung. Zum Verteilen über die Kanäle gibt es eine eigene Systematik im Artikel Videos richtig ausspielen.

Was konkret zu tun ist

Für einen Betrieb, der im nächsten Sommer einen Azubi haben will, ergibt sich daraus eine recht kurze Liste.

Die Ausbildungsvergütung kommt als Zahl in die Anzeige. Die Anforderungsliste wird auf das reduziert, was tatsächlich gemeint ist, im Zweifel auf zwei Punkte. Ein bis zwei Videos entstehen mit dem Azubi im zweiten Lehrjahr in der eigenen Werkstatt, mit gutem Ton und Untertiteln. Sie landen auf Instagram und in der Anzeige, nicht nur auf Facebook. Und sie bleiben stehen, weil die Suche nach einem Ausbildungsplatz sich über Monate zieht und niemand im November sucht, was im März gepostet wurde.

Keiner dieser Punkte ist neu oder besonders anspruchsvoll. Die 16.000 unbesetzten Stellen im Handwerk entstehen nicht, weil Betriebe etwas Schweres nicht schaffen. Sie entstehen, weil eine Kette einfacher Dinge an drei Stellen reißt.

Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos pro Monat: kurze Formate für Social Media, längere für die Website, Clips, die in Angeboten und Kundengesprächen funktionieren. Schnitt, Untertitel und alle Formatvarianten sind dabei.

499 Euro pro Monat. Keine Vertragslaufzeit, kein Setup-Aufwand.

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Quellen: Berufsbildungsbericht 2026 (BMBF/BIBB), Zahlen zu unbesetzten Ausbildungsstellen, zitiert nach Deutsche Handwerks Zeitung und handwerk.com · Azubi-Recruiting-Trends 2026, u-form Testsysteme GmbH & Co. KG, Befragung von über 9.500 Schülern und Auszubildenden sowie über 2.000 Ausbildungsverantwortlichen, Ergebnisdarstellung bei Haufe und rekrutierungserfolg.de · Bitkom-Erhebung 2025 zur Social-Media-Nutzung im Handwerk, zitiert nach Handwerkskammer des Saarlandes · Newman EJ, Schwarz N, Public Understanding of Science 2018, zur Wirkung von Tonqualität