Ratgeber · August 2026 · Lesezeit 12 Minuten
Die häufigste Frage vor einem Videodreh ist nicht "Was kostet das?" Sie lautet: "Steht dann alles still?" Dieser Artikel beantwortet das ehrlich, inklusive der Punkte, an denen es tatsächlich unbequem wird.
Spange Media, eine auf Unternehmensfilme spezialisierte Produktionsfirma, beschreibt in einem Praxisbericht, was ihre Teams in vielen Betrieben immer wieder antreffen: Eine Videoproduktion braucht geordnete Bedingungen. Ein Betrieb läuft nach seinem eigenen Takt. Beides gleichzeitig geht, aber es braucht Planung. Als Extremfall nennen sie einen Logistikbetrieb, in dem Mitarbeiter nach Takt arbeiten und jede Abweichung messbar negative Folgen für die Tagesstatistik hat. Dort hätte selbst ein kurzes Interview mit einer Fachkraft die Produktionszahlen des Teams beeinflusst (spange.media, "Imagefilm drehen im laufenden Betrieb").
Das ist der Extremfall. Die meisten Betriebe, die ein Videoteam buchen, sind keine Taktfabriken. In einer Werkstatt, einem Büro, einem Laden lässt sich ein Drehtag so planen, dass er den Alltag zwar berührt, aber nicht lahmlegt. Wie das konkret aussieht und wo es trotzdem hakt, darum geht es hier.
Wer nicht den allgemeinen Drehtag im Blick hat, sondern speziell den Drehtag für ein Recruiting-Video plant, findet dafür eine eigene Anleitung im Artikel Recruiting-Video erstellen: Ablauf, Kosten und was es einem Handwerksbetrieb wirklich bringt.
Ein Videoteam, das für einen kleinen Betrieb dreht, besteht meistens aus einer bis drei Personen: ein Kameramann, manchmal ein zweiter für Ton oder Licht, selten mehr. Das Gepäck ist umfangreicher als erwartet. Kamera, Stative, Lichtkoffer, Tonequipment, Taschen mit Kleinteilen: Alles zusammen kann 25 Kilogramm und mehr wiegen und füllt einen halben Kofferraum (pathfinder-studios.de, Imagefilm-Vorbereitung, 2026). Das Aufbauen zu Beginn dauert je nach Komplexität zwischen 20 Minuten und einer Stunde.
Ein normaler Drehtag dauert sechs bis acht Stunden. In dieser Zeit entstehen keine einzelnen langen Videos, sondern viele kurze Szenen: Interviews, Aufnahmen bei der Arbeit, Außenaufnahmen des Gebäudes, Detailaufnahmen von Produkten oder Werkzeugen. Das Rohmaterial eines solchen Tages reicht für acht bis zehn fertige Videos in unterschiedlichen Formaten. Was aus dem Material gemacht wird, entscheiden Schnitt und Postproduktion in den Wochen danach.
Was den meisten Betrieben nicht klar ist: Die sechs bis acht Stunden verteilen sich nicht gleichmäßig auf alle im Haus. Wer an dem Tag kein Interview gibt und nicht vor die Kamera tritt, bekommt vom Dreh kaum etwas mit, außer dass gelegentlich jemand mit Kamera durch den Flur geht. Der Großteil der Belegschaft arbeitet einfach weiter.
Das Videoteam kommt früh, oft zwischen acht und neun Uhr. Es baut auf, testet Licht und Ton, bespricht mit dem Ansprechpartner im Haus, welche Räume heute genutzt werden und in welcher Reihenfolge. Diese erste halbe Stunde ist rein organisatorisch. Keine Aufnahme läuft.
Dann beginnt die erste Szene, meistens dort, wo am wenigsten Betrieb herrscht oder wo der Lärmpegel am niedrigsten ist. Werkstätten werden nachmittags gefilmt, wenn die lauteste Arbeit erledigt ist. Büros werden gedreht, bevor der Telefonverkehr beginnt oder in der Mittagspause. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern gute Planung, die vor dem Drehtag besprochen sein muss.
Interviews laufen in Blöcken von je 30 bis 60 Minuten pro Person. Dazu kommt ein kurzes Vorgespräch ohne Kamera, in dem die Person erfährt, was sie gleich gefragt wird. Videograf Julius Schade, der auf Recruiting-Videos spezialisiert ist, beschreibt das so: Er plane beim Drehtag bewusst Zeit ein, damit alle "mit der Kamera warm werden". Wer das erste Mal vor einer Kamera sitzt, braucht fünf bis zehn Minuten, um sich zu orientieren. Danach läuft es meistens. Kein auswendig gelernter Text, keine Wiederholungen einer einstudierten Antwort (juliusschade.de, 2026).
Zwischen den Interviews entstehen die sogenannten B-Roll-Aufnahmen: die Kamera folgt einer Fachkraft bei der Arbeit, zeigt die Maschine, die Hände beim Schweißen, den Bildschirm bei der Planung. Das ist der Teil, der ein Unternehmensvideo von einer PowerPoint-Folie unterscheidet. Und er stört am wenigsten: Die Person arbeitet einfach weiter, die Kamera beobachtet.
Am Abend gibt es ein kurzes De-Briefing. Das Videoteam bespricht mit dem Ansprechpartner, was aufgenommen wurde, ob etwas fehlt und wie es weitergeht. Dann wird abgebaut. Die meisten Drehtage sind bis 17 oder 18 Uhr abgeschlossen.
Ein Drehtag stört nicht gar nicht. An drei Stellen wird es regelmäßig unbequem.
Die Wartezeiten. Ein Videoteam dreht nicht am Stück. Es baut auf, nimmt auf, überprüft, baut um, nimmt erneut auf. Dazwischen passiert scheinbar nichts. Für jemanden, der an dem Tag noch zehn andere Dinge auf dem Zettel hat, ist das zermürbend. Videograf Julius Schade sagt das in seinem Praxisbericht ohne Beschönigung: Der Drehtag "ist anstrengender als erwartet", und er rät, an diesem Tag keine weiteren wichtigen Termine zu planen (juliusschade.de, 2026). Die meisten Videofirmen kommunizieren das nicht laut genug.
Die Entscheidungen zwischendurch. Mitten im Dreh tauchen Fragen auf, die der Ansprechpartner beantworten muss. Darf die Kamera in diesen Raum? Wer kommt als nächstes? Ist das Firmenlogo im Hintergrund problematisch? Wer nicht erwartet, solche Dinge spontan klären zu müssen, wird überrumpelt. Wer es weiß, hält sich den Kopf frei.
Die Mitarbeiter, die nicht wollen. Manche sagen nein. Das ist ihr gutes Recht, rechtlich durch die DSGVO abgesichert. Das Problem entsteht, wenn jemand halbherzig mitmacht, weil er sich nicht traut abzulehnen. Wer zögernd vor der Kamera sitzt, liefert Material, das man nicht nutzen will: angespannt, ablenkend, unecht. Vier motivierte Personen sind besser als sechs, von denen zwei lieber woanders wären.
Julius Schade dokumentiert in seinem Bericht einen Dreh bei der Michael Koch GmbH: Die Kamera begleitet die Produktion, während diese weiterläuft. "Ohne die Fertigung auszubremsen", schreibt er. Das klingt nach Versprechen, ist aber schlicht der Normalfall, wenn vorher klar ist, wer wann wo gefilmt wird. Gute Aufnahmen entstehen, wenn Menschen das tun, was sie jeden Tag tun. Nicht wenn sie für die Kamera posieren.
Der Drehtag selbst berührt also meistens nur einen kleinen Teil der Belegschaft direkt. Wer nicht interviewt wird und nicht im Weg steht, arbeitet normal weiter. Das Videoteam bewegt sich durch den Betrieb, aber es blockiert keine Maschinen, kein Telefon und keinen Kundenempfang, solange vorher klar ist, wo was gedreht wird.
Kunden im Laden oder in der Praxis sind meistens kein Problem, wenn das Videoteam nicht gerade im Empfangsbereich aufbaut. Viele Produktionsfirmen empfehlen, in ruhigeren Stunden zu drehen und Hauptbesucherzeiten auszusparen. Ein kurzes Schild an der Tür, das auf Dreharbeiten hinweist, klärt Kundenfragen, bevor sie entstehen.
Spange Media schreibt, dass 80 Prozent des Drehtag-Erfolgs in der Vorbereitung entschieden werden, nicht am Drehtag selbst (spange.media, Imagefilm im laufenden Betrieb). Sechs Dinge, die vor dem Dreh geregelt sein müssen:
Eine feste Ansprechperson. Das Videoteam braucht jemanden im Haus, der Räume kennt, Türen öffnet, Fragen beantworten kann. Nicht unbedingt der Chef, aber jemand mit Entscheidungsvollmacht, der an dem Tag nicht für andere Termine eingespannt ist. Ohne diese Person verliert das Team bei jeder Kleinigkeit Zeit (netzfilm.de).
Mitarbeiter rechtzeitig informieren. Nichts bringt mehr Unruhe als ein Kollege, der zum ersten Mal von der Kamera erfährt, wenn das Videoteam schon im Haus steht. Ein Aushang, eine kurze E-Mail, zwei Sätze im nächsten Teammeeting reichen. Wer das überspringt, bekommt Überraschungsreaktionen statt entspannter Beteiligung (pathfinder-studios.de).
Räume klären, nicht polieren. Die Werkstatt muss nicht auf Hochglanz gebracht werden. Aber es hilft zu wissen, welche Räume gefilmt werden, und dort vorher private Gegenstände, sensible Unterlagen und störende Fremdfirmen-Logos wegzuräumen. Alte Leuchtstoffröhren tauschen, bevor das Team kommt: Sie verursachen grüne Farbstiche im Bild, die auch der beste Schnitt nicht vollständig entfernt (pathfinder-studios.de).
Einwilligungen vor dem Dreh, nicht danach. Wer vor der Kamera erscheint, hinterlässt personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO. Die schriftliche Einwilligung muss vor dem Dreh unterschrieben sein. Ein gutes Videoteam bringt Vorlagen mit. Wer das nicht klärt, kann fertig geschnittenes Material möglicherweise nicht verwenden (filmpuls.info).
Parkplatz und abschließbaren Raum einplanen. Das klingt nach Kleinkram, ist aber einer der häufigsten Reibungspunkte. Das Equipment ist schwer und kostspielig. Das Team braucht einen Platz zum Abladen und einen Raum, wo das Material sicher lagert, das gerade nicht gebraucht wird (filmpuls.info).
Den Tag nicht vollpacken. Wer um 14 Uhr noch einen wichtigen Kundentermin plant, setzt sich selbst unter Druck. Drehtage laufen fast nie exakt nach Zeitplan. Szenen dauern länger, Licht muss umgebaut werden, ein Interview läuft so gut, dass man noch eine Frage stellt. Wer das einkalkuliert, hat am Abend weniger graue Haare (juliusschade.de).
Nach dem Drehtag beginnt die Postproduktion. Das Rohmaterial wird gesichtet, geschnitten, farbkorrigiert, mit Untertiteln versehen und in verschiedene Formate exportiert. Das dauert je nach Umfang ein bis zwei Wochen (juliusschade.de). Bei einem Abo-Modell, bei dem der Drehtag einmal pro Quartal stattfindet, entstehen aus dem Material acht bis zehn fertige Videos, die über den folgenden Monat ausgespielt werden. Die Taktung, wie und wo diese Videos am besten laufen, behandelt der Artikel Acht Videos im Postfach: Welche Kanäle sich lohnen ausführlich.
Dazu kommt eine Feedbackrunde: Das Videoteam schickt einen Rohschnitt, der Betrieb schaut drüber, meistens folgen ein bis zwei Korrekturen. Wer dabei konkret ist ("die dritte Szene raus, der Kollege erwähnt dort, dass wir mittwochs geschlossen haben, was nicht mehr stimmt"), spart beiden Seiten Zeit. Wer schreibt "irgendwie wirkt das nicht so wie ich dachte", verlängert das unnötig.
Es gibt Drehtage, an denen vieles schiefläuft. Der Mitarbeiter, der eigentlich das Hauptinterview geben sollte, ist krank. Die Werkstatt ist lauter als geplant, weil eine Lieferung ankommt. Das Licht in der Halle ist schwieriger als beim Besuch vorher. Das passiert.
Was Betriebe in solchen Momenten unterscheidet, ist eine einzige Sache: ob der Ansprechpartner flexibel umplanen kann. Wer dem Videoteam zeigt, was an dem Tag stattdessen möglich ist, bekommt trotzdem brauchbares Material. KOFA empfiehlt in seinem Leitfaden zur Videoproduktion schlicht: "Bleiben Sie offen und flexibel, wenn etwas nicht klappt" (KOFA, "Eigene Videos erstellen", 2025). Besser lässt sich das nicht sagen.
Was sich nicht retten lässt, ist ein Drehtag ohne Vorbereitung. Kein Ansprechpartner mit Vollmacht, keine Einwilligungen, keine freien Räume, kein Puffer im Zeitplan. In solchen Fällen entstehen Ausfälle, Frust und Material, das am Ende niemand nutzen kann. Die Vorbereitung ist nicht der bürokratische Vorlauf vor dem eigentlichen Drehtag. Sie ist der Drehtag.
Sechs bis acht Stunden Ansprechpartner, 30 bis 60 Minuten pro interviewte Person, zwei bis drei Stunden Vorlauf in den Tagen davor. Für den Rest der Belegschaft läuft der Tag normal.
Was am Abend übrig bleibt, ist Rohmaterial für acht bis zehn fertige Videos. Kein Ergebnis, das in einem Ordner verstaubt, sondern Content, der in den nächsten vier Wochen auf Instagram, TikTok, der Website und in Stellenanzeigen läuft.
Der Drehtag ist das einzige Mal im Quartal, dass der Betrieb selbst aktiv gefragt ist. Den Rest erledigt das Videoteam.
Starkefilme kommt einmal pro Quartal für sechs bis acht Stunden in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Einwilligungsvorlagen, Interviewführung, Formatvarianten für alle Kanäle, Untertitel: alles dabei. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos, die einen Monat lang regelmäßig ausgespielt werden können.
499 Euro pro Monat. Keine Vertragslaufzeit. Kein Setup-Aufwand, keine Konzepte auf Folien.
Unverbindlich kennenlernen →Quellen: spange.media, "Imagefilm drehen im laufenden Betrieb" (Praxisbericht, abgerufen 2026); juliusschade.de, "Recruiting-Video: So läuft der Dreh ab" (2026); pathfinder-studios.de, "Imagefilm Vorbereitung: Die ultimative Checkliste für Unternehmen" (2026); netzfilm.de, "Ablauf der Dreharbeiten" (abgerufen 2026); filmpuls.info, "Checkliste für Dreharbeiten Film und Video" (abgerufen 2026); KOFA, "Eigene Videos erstellen: Tipps für Handwerksbetriebe" (2025).