Ratgeber · September 2026 · Lesezeit 11 Minuten

Kameramann Tagessatz: Was ein Drehtag kostet und was drinsteckt

Der Bundesverband der Fernsehkameraleute hat gemeinsam mit fairTV eine Empfehlung für Tagesgagen veröffentlicht: 450 bis 875 Euro für acht bis zehn Stunden. Bemerkenswert ist weniger die Zahl als die Reaktion darauf. fairTV schreibt selbst, dass Sender teilweise die Hälfte oder ein Drittel davon zahlen, und dass die Empfehlung in der Branche als abgehoben und unrealistisch gilt. Ein Berufsverband empfiehlt also Honorare, die sein eigener Markt für utopisch hält. Genau in dieser Lücke bewegen sich die Angebote, die du bekommst.

Kurz beantwortet

Was kostet ein Kameramann pro Tag?

Der Bundesverband der Fernsehkameraleute und fairTV empfehlen 450 bis 875 Euro für einen Drehtag von acht bis zehn Stunden. In der Praxis liegen die tatsächlich gezahlten Honorare oft darunter, laut fairTV teilweise bei der Hälfte oder einem Drittel der Empfehlung. Einzelne Anbieter nennen öffentlich 800 Euro pro Tag.

Ist die Ausrüstung im Tagessatz enthalten?

Das ist die wichtigste Rückfrage und der häufigste Grund für scheinbar unvergleichbare Angebote. Manche Tagessätze bezeichnen nur die Arbeitszeit, Kamera, Objektive, Licht und Ton kommen als Miete obendrauf. Andere Anbieter rechnen alles in einen Satz. fairTV empfiehlt selbst, Technik gesondert vom Honorar zu berechnen, weshalb sich die Verbandsempfehlung von 450 bis 875 Euro auf die reine Gage bezieht. Ein Kamera-Basisset kostet im Verleih je nach Anbieter 110 bis 200 Euro netto am Tag, Objektive und Licht kommen dazu.

Wie lang ist ein Drehtag?

Die Verbandsempfehlung bezieht sich auf acht bis zehn Stunden. Das umfasst nicht nur die Zeit vor der Kamera, sondern auch Aufbau, Umbauten zwischen den Motiven und Abbau. Wer mit acht Stunden reiner Drehzeit plant, plant den Tag zu knapp.

Warum rechnen Videografen nicht nach Stunden ab?

Weil Anfahrt, Auf- und Abbau unabhängig von der reinen Drehzeit anfallen. Ein Einsatz von zwei Stunden bindet mit Fahrt und Aufbau leicht einen halben Tag. Deshalb sind halbe und ganze Tage die übliche Einheit. Umgerechnet ergibt ein Tagessatz von 1.000 Euro auf einen Zehn-Stunden-Tag rund 100 Euro pro Stunde.

Was kostet ein Drehtag mit mehreren Leuten?

Jede weitere Person kostet ihren eigenen Tagessatz. Bei uns kostet ein Drehtag mit einem Kameramann 1.000 Euro, mit zwei Kameraleuten 2.000 Euro und mit zwei Kameraleuten plus Assistenz und Regie rund 3.650 Euro. Diese Sätze stehen offen auf unserer Rechnerseite, weil sich sonst kein Angebot vergleichen lässt.

Woher die Zahl kommt

Die Empfehlung von 450 bis 875 Euro stammt vom Bundesverband der Fernsehkameraleute und von fairTV. Sie ist nicht gegriffen, sondern beruht nach eigener Darstellung auf betriebswirtschaftlichen Rechenmodellen, unter anderem einem sogenannten EqualPay-Modell.

Der Gedanke dahinter ist einfach nachzurechnen. Ein selbstständiger Kameramann verkauft nicht 220 Arbeitstage im Jahr. Er verkauft vielleicht 100 bis 140, der Rest geht für Akquise, Angebote, Buchhaltung, Wartung, Weiterbildung und unbezahlte Vorbereitung drauf. Von dem, was übrig bleibt, gehen Krankenversicherung, Altersvorsorge, Steuern, Versicherung und der Ersatz der Ausrüstung ab. Wer daraus ein Angestelltengehalt zurückrechnet, landet ziemlich schnell in dieser Größenordnung.

Bemerkenswert ist, dass fairTV die Kritik an der eigenen Empfehlung offen wiedergibt: Sie werde in der Praxis selten gezahlt, Senderbudgets beruhten auf niedrigeren Kalkulationen, und manche hielten die Empfehlung schlicht für abgehoben. Dass ein Verband die Gegenrede zur eigenen Position mitliefert, ist selten genug, um es zu erwähnen.

Die Frage, die jedes Angebot vergleichbar macht

Wenn du drei Angebote nebeneinanderlegst und die Tagessätze weit auseinanderliegen, ist die Ursache meistens nicht Qualität, sondern Umfang. Diese eine Frage klärt das:

Ist die Ausrüstung im Tagessatz enthalten?

In der Branche ist beides üblich. Manche kalkulieren einen Personentagessatz und stellen Kamera, Objektive, Licht, Ton und Stative getrennt als Miete in Rechnung. Andere nennen einen Satz, in dem alles steckt. Ein Tagessatz von 500 Euro ohne Technik kann am Ende teurer sein als einer von 900 Euro mit.

Für die Verbandszahl oben ist die Antwort eindeutig, und sie wird beim Vergleichen fast immer übersehen: fairTV empfiehlt ausdrücklich, Technik gesondert vom Honorar zu berechnen. Mischkalkulationen, so die Begründung, verschleierten die eigentliche Honorarhöhe. Die 450 bis 875 Euro sind damit die Gage für den Menschen hinter der Kamera. Die Kamera selbst ist nicht mitgemeint.

Was sie kostet, lässt sich bei jedem Verleih nachschlagen. Ein Body-Set einer gängigen Cinema-Kamera wie der Sony FX6 liegt je nach Anbieter zwischen 110 und 200 Euro netto am Tag. Objektive sind darin nicht enthalten und kommen mit etwa 15 bis 45 Euro je Optik dazu, Licht, Ton, Stative und Funkstrecken ebenfalls nicht. Wer ein arbeitsfähiges Set zusammenrechnet, landet schnell bei einem mittleren dreistelligen Betrag, der pro Drehtag zur Gage addiert wird.

Das verschiebt jeden Vergleich. Ein Angebot über 875 Euro plus Technik und eines über 1.100 Euro inklusive sind nicht 225 Euro auseinander, sondern das zweite ist wahrscheinlich günstiger. Wer nur die Tagessätze nebeneinanderlegt, vergleicht zwei verschiedene Dinge.

Danach lohnen sich drei weitere Fragen:

Warum nach Tagen und nicht nach Stunden

Die Frage kommt oft, und sie ist berechtigt. Wenn ein Dreh nur zwei Stunden dauert, warum zahlt man dann einen halben oder ganzen Tag?

Weil die zwei Stunden nicht das Problem sind. Anfahrt, Ausladen, Aufbau, Lichtsetzung, Tonprobe, danach Abbau und Rückfahrt fallen unabhängig davon an, wie lange die Kamera läuft. Ein Termin von zwei Stunden bindet damit schnell einen halben Tag, und einen zweiten Kunden bekommt man an diesem Tag realistisch nicht mehr unter.

Deshalb sind halbe und ganze Tage die übliche Einheit. Umgerechnet ist das trotzdem nachvollziehbar: Ein Tagessatz von 1.000 Euro entspricht bei einem Zehn-Stunden-Tag rund 100 Euro pro Stunde. Das klingt nach viel, bis man die unbezahlten Anteile aus der Rechnung oben dazunimmt.

Was ein Team kostet

Ab einer gewissen Größe reicht eine Person nicht mehr. Zwei Interviewpartner gleichzeitig, eine laufende Produktion, ein Ablauf, der sich nicht wiederholen lässt: Dann braucht es eine zweite Kamera, oft auch jemanden für Ton und Licht.

Die Rechnung ist dann simpel, aber sie überrascht viele: Jede weitere Person kostet ihren eigenen Tagessatz. Aus einem Drehtag mit einer Person wird bei drei Leuten der dreifache Betrag, plus gegebenenfalls mehr Technik.

Wir machen unsere eigenen Sätze deshalb öffentlich, weil sich sonst nichts vergleichen lässt: Ein Drehtag mit einem Kameramann kostet 1.000 Euro, mit zwei Kameraleuten 2.000 Euro, und mit zwei Kameraleuten plus Assistenz und Regie rund 3.650 Euro. Dazu kommt der Redakteur an Interviewtagen mit 500 Euro und der Schnitt mit 1.000 Euro pro Tag.

Das sind Komplettpreise. Kamera, Objektive, Licht, Ton und Stative stecken drin, eine Technikmiete kommt nicht obendrauf. Genau darin liegt der Unterschied zur Verbandsempfehlung: Wer 875 Euro Gage zahlt und die Technik dazumietet, liegt am Ende nicht unter unserem Satz für den Drehtag mit einem Kameramann.

Die Posten neben dem Tagessatz

Der Tagessatz ist der größte, aber nicht der einzige Posten. Diese Positionen tauchen regelmäßig auf und gehören in jedes Angebot, damit hinterher keine Diskussion entsteht:

Keiner dieser Posten ist unseriös. Unseriös ist nur, sie erst auf der Rechnung zu nennen. Ein gutes Angebot listet sie vorher auf, auch wenn sie am Ende vielleicht gar nicht anfallen.

Was das für dein Budget heißt

Ein Tagessatz allein sagt wenig über den Preis eines fertigen Films. Zu jedem Drehtag gehören Schnitttage, und die richten sich nach der Länge des Ergebnisses, nicht nach der Drehzeit.

Wenn du deinen konkreten Fall durchrechnen willst, geht das im Kostenrechner in fünf Fragen: Länge, Interviewpartner, Drehorte, Entfernung und Qualitätsstufe. Ohne Anmeldung und ohne dass du etwas abschicken musst. Gerechnet wird mit genau den Tagessätzen, die oben stehen.

Für kleine Produktionen gibt es einen Festpreis von 990 Euro für einen fertigen Film bis zu einer Minute, inklusive Drehtag, Schnitt und aller Social-Media-Formate. Wer regelmäßig Material braucht, fährt mit einem Drehtag pro Quartal und laufender Auslieferung günstiger als mit Einzelbuchungen.

Ein Wort zum Sparen an der falschen Stelle

Die Versuchung, den günstigsten Tagessatz zu nehmen, ist verständlich. Sie geht in einem Fall regelmäßig schief: wenn der Preisunterschied daher kommt, dass jemand weniger Zeit einplant.

Ein Drehtag, der auf vier Stunden gedrückt wird, liefert weniger Material. Weniger Material heißt weniger fertige Videos, und der Preis pro Video steigt, obwohl der Tagessatz gesunken ist. Wer vergleichen will, sollte deshalb nicht Tagessätze vergleichen, sondern Ergebnisse: Wie viele fertige Videos kommen am Ende heraus, in welchen Formaten, mit welchen Rechten.

Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos: kurze Formate für Social Media, längere für die Website, Clips, die in Angeboten und Kundengesprächen funktionieren. Schnitt, Untertitel, alle Formatvarianten: alles dabei.

499 Euro pro Monat. Keine Vertragslaufzeit, kein Setup-Aufwand.

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Quellen: fairTV e.V., "Tagesgage für selbstständige Kameraleute: 450 bis 875 Euro unrealistisch?" (fairtv.net/vlog, abgerufen September 2026), Empfehlung des Bundesverbands der Fernsehkameraleute und von fairTV über 450 bis 875 Euro für acht bis zehn Stunden auf Basis betriebswirtschaftlicher Rechenmodelle einschließlich des EqualPay-Modells, dazu die Angabe, dass Sender teilweise die Hälfte oder ein Drittel zahlen, und die wiedergegebene Kritik an der Empfehlung; kameramann-bodensee.com, "Kameramann buchen, Preise und Infos" (abgerufen September 2026), öffentlich genannter Tagessatz von 800 Euro und Stundensatz von 125 Euro; Film + TV Kamera, "So müsste ich eigentlich mein Honorar kalkulieren" (filmundtvkamera.de, abgerufen September 2026), zur Kalkulationslogik selbstständiger Kameraleute; fairTV e.V., Honorarempfehlungen (fairtv.net/empfehlungen, abgerufen September 2026), mit der Empfehlung, Technik gesondert vom Honorar zu berechnen, da Mischkalkulationen die eigentliche Honorarhöhe verschleiern; Finder Media Kameraverleih Köln (findermedia-kameraverleih.de, abgerufen September 2026), Sony PXW-FX6 Basisset 110 Euro netto pro Tag ohne Objektive, Optiken ab etwa 15 Euro pro Tag; ufo Filmgerät München (ufo-filmgeraet.de, abgerufen September 2026), Sony FX6 Basic Kit 200 Euro netto pro Tag. Die Tagessätze von Starke Filme stehen öffentlich auf der Seite zum Kostenrechner.