Ratgeber · September 2026 · Lesezeit 12 Minuten

Onboarding-Videos: Warum 18 von 100 Neuen in den ersten 100 Tagen wieder gehen

2018 kündigten 12 von 100 Beschäftigten innerhalb der ersten hundert Tage im neuen Job. Inzwischen sind es 18. Das ist eine Verschlechterung um die Hälfte in einer Zeit, in der jeder Betrieb über Fachkräftemangel klagt. Man stellt also mühsam jemanden ein, und dann geht fast jeder Fünfte wieder, bevor er richtig angefangen hat. Dieser Artikel schaut sich an, woran das liegt, was Video daran ändern kann und welches Onboarding-Video das am meisten überschätzte ist.

Kurz beantwortet

Wie viele Beschäftigte kündigen in den ersten 100 Tagen?

Nach einer Befragung von 2.160 Bewerbenden im Auftrag von softgarden, über die Haufe im Juni 2022 berichtete, hatten 18 von 100 Personen schon einmal in den ersten 100 Tagen eines neuen Jobs gekündigt. 2018 waren es noch 12 von 100. Weitere 17 Prozent gaben an, zumindest einmal kurz davor gestanden zu haben.

Was ist der häufigste Grund für Kündigungen im Onboarding?

Die Lücke zwischen Erwartung und Realität. In der softgarden-Studie Erfolgreiches Onboarding 2026 gaben 67,8 Prozent an, dass Erwartung und Jobrealität so stark auseinanderklafften, dass sie das Unternehmen verließen. 60,6 Prozent erlebten überhaupt kein strukturiertes Onboarding, und 58,3 Prozent vermissten die Unterstützung durch ihre Vorgesetzten.

Welches Onboarding-Video lohnt sich am meisten?

Nicht das Willkommensvideo, sondern das Ablaufvideo. Also die Aufnahme, die zeigt, wie eine wiederkehrende Aufgabe im Betrieb tatsächlich gemacht wird. Diese Videos sparen Zeit bei jeder neuen Person und beantworten genau die Fragen, die sonst dreimal am Tag an erfahrene Kollegen gehen. Ein Willkommensvideo wirkt einmal, ein Ablaufvideo bei jedem Neuzugang wieder.

Beeinflusst Onboarding schon die Bewerbungsentscheidung?

Ja, und stärker als viele Betriebe annehmen. Nach den bei Haufe veröffentlichten Zahlen berücksichtigen 49 Prozent der Bewerbenden das Onboarding in ihrer Entscheidung, 64 Prozent erwarten Angaben dazu bereits in der Stellenanzeige und 16 Prozent haben sich schon einmal gegen einen Arbeitgeber entschieden, weil der Onboarding-Prozess unklar kommuniziert war.

Wie lang sollte ein Onboarding-Video sein?

So lang wie der Handgriff, den es zeigt, und keine Sekunde länger. Für einen einzelnen Arbeitsschritt reichen ein bis drei Minuten. Wer eine ganze Anlage erklären will, macht besser fünf kurze Videos als eines von fünfzehn Minuten, weil sich einzelne Schritte dann gezielt wiederfinden lassen, wenn jemand sie im Alltag nachschlagen muss.

Die Zahlen, und warum sie so unangenehm sind

Fangen wir mit der Erhebung an, die dem Thema seine Dringlichkeit gibt. Softgarden hat 2.160 Bewerbende befragt, Haufe berichtete darüber im Juni 2022. Das Ergebnis: 18 von 100 Personen hatten schon einmal innerhalb der ersten hundert Tage in einem neuen Job gekündigt. 2018 waren es 12 von 100. Weitere 17 Prozent standen zumindest einmal kurz davor.

Die neuere softgarden-Studie "Erfolgreiches Onboarding 2026" liefert die Gründe dazu, und sie sind erstaunlich eindeutig:

Der erste Wert ist der interessanteste, weil er nichts mit dem Onboarding selbst zu tun hat, sondern mit allem, was davor passiert ist. Wer in einem Bewerbungsgespräch ein Bild vom Betrieb bekommt, das mit dem ersten Arbeitstag nicht zusammenpasst, ist enttäuscht, bevor die Einarbeitung überhaupt anfängt. Das ist keine Onboarding-Lücke. Das ist eine Ehrlichkeitslücke.

Onboarding entscheidet, bevor jemand da ist

Ein weiterer Befund aus derselben Berichterstattung wird gern überlesen: Onboarding wirkt schon in der Bewerbungsphase. 49 Prozent der Bewerbenden berücksichtigen es bei ihrer Entscheidung. 64 Prozent erwarten Angaben dazu bereits in der Stellenanzeige. Und 16 Prozent haben sich schon einmal aktiv gegen einen Arbeitgeber entschieden, weil der Onboarding-Prozess unklar kommuniziert war.

Das dreht die übliche Reihenfolge um. Onboarding gilt intern meist als etwas, das nach der Unterschrift beginnt. Aus Sicht der Bewerbenden ist es ein Auswahlkriterium wie Gehalt und Arbeitsweg. Ein Betrieb, der in der Stellenanzeige konkret beschreibt, wie die ersten vier Wochen aussehen, hat damit einen Vorteil gegenüber dem Wettbewerber, der "ein motiviertes Team" verspricht.

Und hier wird Video zum ersten Mal relevant, allerdings nicht als Willkommensfilm. Sondern als das, was die 67,8 Prozent verhindert hätte: eine realistische Vorschau auf den Alltag.

Das überschätzte Format

Wenn Betriebe an Onboarding-Video denken, denken sie fast immer an dasselbe: die Geschäftsführerin sitzt vor einer Bücherwand und sagt, dass sie sich freut. Dahinter eine Musik, davor ein Logo.

Dieses Video ist nicht falsch. Es ist nur das mit dem geringsten Nutzen pro Euro. Es wird einmal geschaut, es erzeugt ein kurzes gutes Gefühl, und danach liegt es im Intranet. Es beantwortet keine einzige Frage, die eine neue Person in Woche zwei tatsächlich hat.

Die Fragen aus Woche zwei sehen anders aus. Wo wird das Material abgeholt. In welcher Reihenfolge fährt man die Anlage hoch. Was macht man, wenn die Kundin am Telefon nach einem Termin fragt, der schon vergeben ist. Wie wird der Wagen abends übergeben. Das sind die Dinge, die eine neue Person dreimal am Tag jemanden fragt, der eigentlich gerade arbeiten müsste.

Das unterschätzte Format

Ein Ablaufvideo zeigt genau einen dieser Vorgänge, in echt, mit den echten Werkzeugen und in der echten Halle. Es dauert zwei Minuten, es hat keine Musik und niemand sagt darin, wie sehr er sich freut.

Der Reiz liegt in der Wiederverwendung. Ein Willkommensvideo wirkt bei jedem Neuzugang einmal. Ein Ablaufvideo spart bei jedem Neuzugang dieselbe halbe Stunde Erklärung, und es steht auch dann zur Verfügung, wenn der Kollege, der es sonst erklärt, im Urlaub ist oder in Rente geht.

Der letzte Punkt wird in Betrieben mit älterer Belegschaft ernst. Wissen, das nur in einem Kopf existiert, verlässt den Betrieb mit diesem Kopf. Ein Video ist die billigste Form der Dokumentation, die es gibt, weil niemand etwas aufschreiben muss. Man filmt jemanden dabei, wie er es macht, und lässt ihn dabei reden.

Die vier Formate, die sich in der Praxis lohnen

Wer das Thema angehen will, ohne gleich eine Mediathek zu bauen, kommt mit vier Sorten weit:

Die dritte Sorte überschneidet sich mit dem, was im Recruiting sowieso gebraucht wird. Wie ein solcher Film wirkt und was er im Bewerbungsprozess leistet, steht ausführlicher im Artikel zu Employer-Branding-Videos und im Artikel zum Recruiting-Video.

Warum kurz besser ist als vollständig

Es gibt eine Versuchung, der fast jeder Betrieb einmal erliegt: das große Video, das alles erklärt. Fünfzehn Minuten, in denen die komplette Anlage vorgestellt wird, sauber gegliedert, mit Kapiteln.

Der Denkfehler daran ist die Nutzungssituation. Onboarding-Videos werden zweimal geschaut. Einmal am Anfang, im Stück. Und danach immer wieder in Ausschnitten, wenn jemand mitten in der Arbeit steht und einen bestimmten Schritt nachschlagen will. Für die zweite Situation ist ein Film mit fünfzehn Minuten unbrauchbar, weil niemand mitten im Arbeitsablauf durch eine Zeitleiste scrubbt.

Fünf Videos von je zwei Minuten sind derselbe Inhalt, aber sie sind auffindbar. Das ist der ganze Unterschied.

Was das kostet und wie man es klein hält

Der Aufwand für solche Videos wird meist überschätzt, weil man an Filmproduktion denkt und an Beleuchtung. Für ein Ablaufvideo braucht es weder das eine noch das andere in großem Umfang. Es braucht jemanden, der die Arbeit macht, jemanden, der filmt, und einen Schnitt, der Pausen und Umwege entfernt.

Wer ohnehin einmal im Quartal einen Drehtag im Betrieb hat, bekommt diese Videos praktisch nebenbei. Die Kamera steht sowieso in der Halle, die Kollegen sind sowieso schon daran gewöhnt, dass gefilmt wird. Aus demselben Tag entstehen dann Material für Social Media, ein Clip für die Stellenanzeige und drei Ablaufvideos für die Einarbeitung.

Der schwierigste Teil ist übrigens keiner der technischen. Es ist die Frage, wer sich filmen lässt. Wie man damit umgeht, wenn niemand vor die Kamera will, steht im Artikel Keiner will vor die Kamera. Und was rechtlich beim Filmen von Mitarbeitern zu beachten ist, insbesondere die Einwilligung, steht im Artikel zu Video-Content und DSGVO.

Was am Ende bleibt

Die Zahl von 18 statt 12 Kündigungen je hundert Neuzugängen ist keine Zahl über Videos. Sie ist eine Zahl über Erwartungsmanagement und über die Frage, ob sich jemand in den ersten Wochen allein gelassen fühlt.

Video löst davon zwei Dinge. Es macht die Erwartung ehrlicher, wenn man vor der Bewerbung zeigt, wie es wirklich aussieht. Und es nimmt der Einarbeitung die Wiederholung, weil die Antworten auf die immer gleichen Fragen abrufbar sind, statt an der Verfügbarkeit eines Kollegen zu hängen.

Was Video nicht löst, ist der dritte Befund aus der Studie, die fehlende Unterstützung durch Vorgesetzte. Dafür gibt es kein Format. Nur Zeit.

Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos: kurze Formate für Social Media, längere für die Website, Clips für Stellenanzeigen und Einarbeitung. Schnitt, Untertitel, alle Formatvarianten: alles dabei.

499 Euro pro Monat. Keine Vertragslaufzeit, kein Setup-Aufwand.

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Quellen: Haufe, "Immer mehr Beschäftigte kündigen in der Onboarding-Phase" (haufe.de, veröffentlicht 01.06.2022), Befragung von 2.160 Bewerbenden im Auftrag von softgarden: 18 von 100 Kündigungen in den ersten 100 Tagen gegenüber 12 von 100 im Jahr 2018, weitere 17 Prozent kurz vor einer Kündigung, 49 Prozent berücksichtigen Onboarding bei der Entscheidung, 64 Prozent erwarten Angaben in der Stellenanzeige, 16 Prozent haben sich wegen unklarem Onboarding gegen einen Arbeitgeber entschieden; softgarden, Studie "Erfolgreiches Onboarding 2026" (softgarden.com/de/ressourcen/studien/erfolgreiches-onboarding-2026, abgerufen September 2026): 67,8 Prozent Abweichung zwischen Erwartung und Jobrealität, 60,6 Prozent ohne strukturiertes Onboarding, 58,3 Prozent ohne ausreichende Unterstützung durch Vorgesetzte; t3n, "Warum Mitarbeiter in den ersten 100 Tagen kündigen" (t3n.de, abgerufen September 2026); marktundmittelstand.de, "Die ersten Wochen: Fachliche Integration und Wissensaufbau" (abgerufen September 2026).