Ratgeber · Vorbereitung

Bei uns sieht es nicht gut genug aus zum Filmen

Der Einwand kommt in fast jedem Erstgespräch und beruht auf einer Vorstellung davon, wie Kameras arbeiten, die sich in zwei Minuten überprüfen lässt.

Kurz beantwortet

Bei uns sieht es nicht gut genug aus zum Filmen. Müssen wir vorher renovieren?

Nein. Eine Kamera zeigt nie einen Raum, sondern immer nur einen Ausschnitt, und der ist kleiner, als die meisten annehmen. Für ein Interview reichen zwei mal drei Meter, für Arbeitsaufnahmen der Bereich um die Hände. Alles andere ist außerhalb des Bildes und damit nicht vorhanden.

Was muss wirklich aufgeräumt werden?

Nur was im Bild liegt, und das klärt sich in den ersten zehn Minuten des Drehtags. Wichtiger als Aufräumen ist, private Gegenstände und sensible Unterlagen aus dem Bildbereich zu nehmen, also Personalakten, Angebote mit Preisen und Kundenlisten an der Pinnwand.

Wirkt eine aufgeräumte Werkstatt nicht glaubwürdiger?

Bis zu einem Punkt ja, darüber hinaus nicht mehr. Eine Werkstatt ohne jede Gebrauchsspur wirkt auf Zuschauer wie eine Ausstellung und nicht wie ein Betrieb, in dem gearbeitet wird. Benutzt und geordnet ist glaubwürdiger als steril.

Was macht einen Raum tatsächlich unbrauchbar für Aufnahmen?

Drei Dinge, und Schönheit ist keines davon: starkes Gegenlicht, etwa ein geöffnetes Hallentor hinter der sprechenden Person, ein sehr halliger Raum mit Betonwänden, und eine dauerhafte Lärmquelle wie ein Kompressor, die sich nicht abschalten lässt.

Wir haben gar keinen passenden Raum. Was dann?

Dann wird draußen oder im Fahrzeug gedreht, oder es wird ganz auf Arbeitsaufnahmen gesetzt, bei denen gar niemand spricht. Für viele Betriebe ist das ohnehin die stärkere Variante, weil man dabei die Arbeit sieht statt jemanden, der über sie redet.

Der Einwand kommt in fast jedem Erstgespräch

Er klingt in verschiedenen Varianten, meint aber immer dasselbe. Bei uns ist es zu eng. Die Werkstatt ist ein Chaos. Wir haben kein schönes Büro. Das Gebäude ist von 1978. Da müsste man erst mal streichen.

Dahinter steckt eine nachvollziehbare Vorstellung davon, wie Filmen funktioniert: Die Kamera zeigt den Raum, und wenn der Raum nicht vorzeigbar ist, kann man ihn nicht zeigen. Diese Vorstellung ist falsch, und zwar auf eine Weise, die sich in zwei Minuten überprüfen lässt.

Eine Kamera zeigt keinen Raum

Machen Sie den Test mit dem eigenen Telefon. Stellen Sie sich an die Stelle, an der jemand sprechen würde, und lassen Sie einen Kollegen ein Foto machen, so wie man ein Porträt macht. Sehen Sie sich an, was auf dem Bild tatsächlich zu sehen ist.

Es ist wenig. Bei einer üblichen Einstellung für ein Interview sind das etwa zwei Meter Breite hinter der Person und ein bis zwei Meter zu jeder Seite. Was dahinter, daneben und darüber liegt, ist nicht im Bild. Der Rest der Halle, der volle Schreibtisch im Hintergrund, das Regal mit den Kartons: alles außerhalb.

Bei Arbeitsaufnahmen wird der Ausschnitt noch kleiner. Wenn jemand ein Werkstück bearbeitet, füllen Hände und Werkzeug das Bild. Von dem Raum, in dem das passiert, sieht man dann ohnehin fast nichts.

Daraus folgt die praktische Antwort auf den Einwand: Sie brauchen keinen schönen Betrieb. Sie brauchen zwei bis drei Quadratmeter, die in Ordnung sind, und die gibt es in jedem Betrieb.

Was tatsächlich zählt

Wenn es nicht die Schönheit des Raums ist, was ist es dann? Drei Dinge, und alle drei haben nichts mit Renovierung zu tun.

Licht, und zwar die Richtung. Das mit Abstand häufigste Problem ist Gegenlicht. Die Person steht vor einem Fenster oder einem geöffneten Tor, die Kamera belichtet auf den hellen Hintergrund, und übrig bleibt eine Silhouette. Das Auge gleicht diesen Unterschied aus, die Kamera nicht. Die Lösung dauert fünf Sekunden: Person umdrehen, sodass das Fenster hinter der Kamera liegt.

Ton, und zwar der Hall. Eine Halle mit Betonboden und Blechwänden klingt wie eine Tiefgarage. Das lässt sich nachträglich mildern und nicht reparieren, und es wirkt stärker auf die Wahrnehmung, als die meisten annehmen. Untersuchungen zur Tonqualität zeigen, dass Zuhörer bei schlechterem Ton denselben Sprecher für weniger kompetent halten, obwohl der Inhalt identisch ist. Abhilfe schafft ein Ansteckmikrofon, nicht ein anderer Raum.

Tiefe im Bild. Eine Person direkt vor einer weißen Wand sieht aus wie ein Passfoto. Zwei Meter Abstand zur Wand, sodass der Hintergrund unscharf wird, verändern die Wirkung erheblich. Das kostet nichts, es kostet nur, dass jemand daran denkt.

Der Punkt, an dem zu ordentlich schadet

Es gibt eine Gegenbewegung, die seltener besprochen wird und die genauso Ärger macht. Betriebe, die vor dem Drehtag zu gründlich aufräumen.

Eine Werkstatt ohne eine einzige Gebrauchsspur wirkt nicht professionell, sondern unbenutzt. Ein Schreibtisch, auf dem nichts liegt, sieht nach Leerstand aus. Zuschauer merken den Unterschied, auch wenn sie ihn nicht benennen können, und sie ziehen daraus einen Schluss über die Aufnahme: Das ist gestellt.

Die Mitte ist benutzt und geordnet. Werkzeug am Platz, aber sichtbar, dass damit gearbeitet wird. Material im Regal, aber nicht dekoriert. Genau dieser Zustand erzeugt das, weswegen ein Kunde überhaupt einen Film ansieht: den Eindruck, dass es diesen Betrieb wirklich gibt.

Was vor dem Drehtag tatsächlich weg muss, ist deshalb eine kurze Liste, und sie hat mit Ästhetik nichts zu tun: private Gegenstände, sensible Unterlagen, Angebote mit Preisen, Kundenlisten an der Pinnwand, Personalunterlagen. Alles davon aus dem Bildbereich, nicht aus dem Raum.

Die drei Quadratmeter finden

Weil die Antwort auf den Einwand am Ende praktisch ist, hier die Suche nach dem brauchbaren Ausschnitt. Sie dauert einen Rundgang und lässt sich vor dem Drehtag selbst erledigen.

Gehen Sie mit dem Telefon durch den Betrieb und fotografieren Sie an jeder Stelle, die infrage kommt, ein Porträt im Hochformat und eines im Querformat. Nicht den Raum fotografieren, sondern das, was hinter einer sprechenden Person zu sehen wäre.

Brauchbar ist ein Ausschnitt, wenn drei Bedingungen zutreffen: Das Licht kommt von vorn oder von der Seite, nicht von hinten. Hinter der Person ist etwas erkennbar, das mit Ihrer Arbeit zu tun hat, also Material, Werkzeug, eine Maschine, ein Regal mit Teilen. Und es ist ruhig genug, dass man sich in normaler Lautstärke unterhalten kann.

Erfahrungsgemäß findet jeder Betrieb dabei drei bis fünf solcher Stellen, und fast immer sind es andere als die, die man vorher im Kopf hatte. Der Konferenzraum fällt meistens durch, weil er hallt und nichts über die Arbeit erzählt. Die Ecke am Materiallager gewinnt, weil dort beides stimmt.

Was das Videoteam mitbringt und was nicht

Ein Teil der Sorge entsteht aus einer falschen Annahme darüber, wer was besorgt. Zur Klarstellung, damit niemand unnötig einkauft.

Mitgebracht werden Licht, Ton, Kamera, Stative und in der Regel auch ein neutraler Hintergrund für den Fall, dass gar nichts passt. Licht ist dabei der entscheidende Punkt: Ein dunkler Raum ist kein Ausschlusskriterium, weil Licht ohnehin gesetzt wird. Ein Raum mit schwierigem Licht ist einer, in dem das Sonnenlicht sich während des Drehs stark ändert, nicht einer, der dunkel ist.

Nicht mitgebracht wird alles, was mit Ihrem Betrieb zu tun hat: Produkte, die gezeigt werden sollen, Arbeitskleidung in ordentlichem Zustand, die Person, die sprechen soll, und die Erlaubnis, bestimmte Bereiche zu betreten. Das ist die eigentliche Vorbereitungsliste, und sie hat mit dem Zustand der Räume nichts zu tun.

Was einen Raum wirklich ausschließt

Damit die Antwort nicht zu leicht klingt: Es gibt Situationen, in denen ein Ort tatsächlich nicht funktioniert. Drei davon kommen regelmäßig vor.

Ein Raum mit einer dauerhaften Lärmquelle, die sich nicht abschalten lässt. Ein Kompressor, eine Absauganlage, eine Lüftung. Dort kann man arbeiten, aber nicht sprechen. Die Lösung ist, das Gespräch woanders zu führen und die Arbeit dort zu zeigen.

Ein Raum, in dem man aus Sicherheitsgründen nicht stehen darf. Das ist in Produktionsbetrieben häufiger, als Außenstehende denken, und es wird am besten vorher geklärt statt am Drehtag.

Und Räume, in denen Dinge zu sehen sind, die nicht gezeigt werden dürfen: Konstruktionen unter Geheimhaltung, Kundenaufträge, fremde Marken. Das ist keine Frage der Optik, sondern eine der Absprache, und sie gehört ins Vorgespräch. Was dabei sonst noch zu klären ist, steht im Artikel Drehtag im Betrieb.

Wenn es wirklich keinen Raum gibt

Manche Betriebe haben tatsächlich keinen Ort, an dem sich vernünftig sprechen lässt. Ein Dachdecker hat kein Büro, ein Montagebetrieb ist ständig unterwegs, ein Einzelkämpfer arbeitet vom Fahrzeug aus.

Dafür gibt es zwei Wege, und beide funktionieren besser als ihr Ruf.

Der erste ist, draußen zu drehen. Eine Baustelle, ein Firmenhof, die Ladefläche eines Transporters. Draußen ist das Licht meistens besser als drinnen, und der Hall fällt ganz weg. Zu bedenken sind nur Wind, für den es Mikrofonschutz gibt, und Verkehrslärm.

Der zweite ist, ganz auf gesprochene Passagen zu verzichten. Videos, in denen niemand spricht und die stattdessen die Arbeit zeigen, mit Texteinblendungen statt Sprache, funktionieren in sozialen Netzwerken oft besser als Interviews. Sie lösen nebenbei zwei andere Probleme: Es muss niemand vor die Kamera, und der Ton spielt keine Rolle mehr. Für alle, bei denen der erste Punkt der eigentliche Grund für das Zögern ist, gibt es dazu den Artikel Niemand will vor die Kamera.

Die kurze Fassung

Der Zustand Ihrer Räume ist fast nie der Grund, warum ein Video nicht funktioniert. Gegenlicht ist es, Hall ist es, ein fehlender Grund zum Zusehen ist es.

Und der Betrieb, der aussieht wie ein Betrieb, hat gegenüber dem aufgeräumten Studio einen Vorteil, der sich nicht kaufen lässt: Man glaubt ihm.

Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos pro Monat: kurze Formate für Social Media, längere für die Website, Clips, die in Angeboten und Kundengesprächen funktionieren. Schnitt, Untertitel und alle Formatvarianten sind dabei.

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Quellen: Newman EJ, Schwarz N, "Good Sound, Good Research: How Audio Quality Influences Perceptions of the Research and Researcher", Public Understanding of Science 2018, zur Wirkung von Tonqualität auf die Bewertung des Sprechers · Die Angaben zu Bildausschnitt, Vorbereitung und Ausschlussgründen beruhen auf den öffentlichen Ablauf- und Vorbereitungsbeschreibungen von Produktionsfirmen, unter anderem spange.media und pathfinder-studios.de.