Ratgeber · Bewerber

Die Bewerber kommen nicht zum Vorstellungsgespräch. Was können wir tun?

Fast jeder Betrieb, der Leute sucht, kennt den Ablauf. Der Termin ist am Telefon ausgemacht, der Meister plant seinen Vormittag darum herum. Zur vereinbarten Zeit kommt niemand, das Handy geht auf die Mailbox, eine Absage kommt nie. Und im Büro fällt dann gern der Satz: Die wollen halt nicht mehr arbeiten.

Diesen Satz sollte man sich verkneifen. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil er falsch ist und eine Lösung verbaut. Wer zu einem Gespräch nicht erscheint, hat sich in den Tagen davor gegen Ihren Betrieb entschieden, und zwar meistens für einen anderen. Das ist ärgerlich, aber es heißt auch: Diese Tage zwischen Einladung und Termin gehören Ihnen. Sie können sie nutzen.

Kurz beantwortet

Wie häufig erscheinen Bewerber nicht zum Vorstellungsgespräch?

Häufig genug, dass fast jeder Betrieb es kennt. In einer Umfrage von Indeed und Appinio unter 400 Personalverantwortlichen in Deutschland hatten 90 Prozent schon erlebt, dass Bewerber den Kontakt abbrechen. 36 Prozent erlebten den Abbruch schon vor dem Vorstellungsgespräch.

Warum sagen Bewerber nicht einfach ab?

Weil sie meist mehrere Eisen im Feuer haben und eine Absage unangenehm ist. Tim Verhoeven von Indeed sagt, Bewerber hätten häufig die Wahl zwischen mehreren guten Optionen. Wer sich innerlich für ein anderes Angebot entschieden hat, spart sich den Anruf.

Was können wir tun, damit Bewerber zum Termin kommen?

Schnell einladen und die Tage bis zum Termin nutzen. Laut softgarden erwarten 75,6 Prozent der Bewerber eine Einladung innerhalb von zwei Wochen. Danach hilft alles, was den Termin konkret macht: wer das Gespräch führt, wie der Arbeitsplatz aussieht, wie man hinfindet.

Hilft ein Video in der Einladung?

Eine Studie, die das misst, haben wir nicht gefunden. Belegt ist aber, was Bewerber abschreckt: In der softgarden-Befragung nannten 82 Prozent eine schlechte Erklärung der Aufgaben als K.-o.-Kriterium. Ein kurzes Video vom Arbeitsplatz beantwortet genau diese Frage, bevor jemand den Termin sausen lässt.

Wie oft das passiert

Die Jobbörse Indeed hat 2022 zusammen mit dem Marktforscher Appinio 400 Personalverantwortliche in Deutschland befragt. 90 Prozent von ihnen hatten schon erlebt, dass ein Bewerber mitten im Verfahren einfach verschwindet. Mehr als die Hälfte sagte, das sei in den zwölf Monaten davor häufiger geworden. Rund ein Viertel erlebt es mindestens einmal pro Woche. So berichtete das Handelsblatt im Oktober 2022.

Aufschlussreich ist, wann die Leute abspringen. Laut derselben Umfrage, wie das handwerk magazin sie wiedergibt, erlebten 36 Prozent den Kontaktabbruch schon vor dem Vorstellungsgespräch. 53 Prozent hörten nach einem persönlichen Gespräch nichts mehr. 18 Prozent wurden sogar nach einer Zusage geghostet, und sieben Prozent hatten Neue, die am ersten Arbeitstag nicht erschienen.

Man könnte das für ein Problem großer Firmen mit Hunderten Bewerbungen halten. Für einen kleinen Betrieb ist es eher schlimmer, weil er jeden einzelnen Ausfall spürt. Wenn auf eine Stelle drei Leute kommen und einer nicht erscheint, ist ein Drittel des Verfahrens weg.

Warum der Bewerber nicht absagt

Tim Verhoeven, Recruiting-Experte bei Indeed, erklärt es im handwerk magazin ganz nüchtern: Bewerber hätten häufig die Wahl zwischen mehreren guten Optionen. Das ist die ganze Mechanik. Wer drei Einladungen hat, geht zu der, die sich am besten anfühlt. Die anderen zwei Termine sind dann nur noch lästig, und eine Absage kostet Überwindung. Also schweigt man.

Das Recht hilft Ihnen dabei übrigens nicht. Der Hamburger Arbeitsrechtler Pascal Verma sagt im selben Beitrag, dass Arbeitgeber bei einem geplatzten Vorstellungsgespräch keine Chance auf eine Entschädigung haben. Für die Zeit, die der Meister gewartet hat, zahlt niemand.

Dazu kommt ein Befund, der unangenehm ist, weil er uns Arbeitgeber betrifft. Die Recruiting-Software softgarden hat von Mai bis Juli 2024 5.177 Bewerber befragt. Als K.-o.-Kriterien, also als Gründe, einen Arbeitgeber abzuhaken, nannten 82,0 Prozent eine schlechte Erklärung der tatsächlichen Aufgaben. 77,3 Prozent nannten fehlende oder unklare Antworten, 66,1 Prozent mangelnde Transparenz über den Stand der Bewerbung und 61,2 Prozent sehr langsame Reaktionen. Und das sind keine theoretischen Ängste: 29,5 Prozent hatten schon erlebt, dass ihr Gegenüber im Gespräch nicht richtig erklären konnte, was man in der Stelle eigentlich tut.

Man muss das zusammen lesen. Der Bewerber hat Alternativen, und er sortiert nach Gefühl. Wer ihm zu spät antwortet oder ihm nicht sagt, was ihn erwartet, landet in dem Stapel, bei dem man nicht mehr hingeht.

Die Tage zwischen Einladung und Termin

Zwischen Ihrem Anruf und dem Gespräch liegen meistens ein paar Tage, manchmal zwei Wochen. In dieser Zeit passiert beim Bewerber einiges: Andere Firmen melden sich, ein Bekannter erzählt etwas über die Branche, und er schaut vermutlich nach, wer Sie eigentlich sind. Was er dabei findet, ist oft wenig. Eine Adresse, eine Stellenanzeige, vielleicht ein Foto vom Firmengebäude.

In diesen Tagen hat der Betrieb, der am meisten zeigt, einen Vorsprung. Nicht der mit den schönsten Worten, sondern der, bei dem sich der Bewerber am besten vorstellen kann, zum vereinbarten Termin tatsächlich dort zu stehen. Wer weiß, wo er parken soll, wen er treffen wird und wie die Werkstatt aussieht, hat eine viel kleinere Hürde als jemand, der in ein unbekanntes Gebäude zu einem unbekannten Menschen fahren soll.

Die softgarden-Zahlen sagen dasselbe von der anderen Seite. Wenn 82 Prozent abspringen, weil die Aufgaben nicht klar werden, dann ist das Gegenmittel, die Aufgaben früher klar zu machen. Nicht erst im Gespräch, sondern schon in der Einladung.

Was Sie konkret tun können

Schnell sein. 75,6 Prozent der Bewerber in der softgarden-Befragung erwarten eine Einladung innerhalb von zwei Wochen nach ihrer Bewerbung. Jeder Tag, den eine Bewerbung im Postfach liegt, ist ein Tag, an dem ein anderer Betrieb schneller ist. Wenn möglich, rufen Sie am selben oder nächsten Tag an.

Den Termin nah legen. Ein Gespräch in drei Tagen hat weniger Zeit zu zerfallen als eines in zwei Wochen. Wenn der Meister erst nächste Woche kann, dann ist ein kurzes Telefonat mit ihm vorher besser als gar nichts.

Die Einladung konkret machen. Wer führt das Gespräch, wie lange dauert es, was soll man mitbringen, wo ist der Eingang. Das klingt banal. Es ist aber genau die Information, die einem nervösen Menschen die Anfahrt leichter macht.

Den Arbeitsplatz zeigen, bevor er kommt. Hier kommt Video ins Spiel. Ein kurzer Clip, eine bis zwei Minuten, den Sie mit der Einladung per Mail oder WhatsApp schicken: Der Meister, der das Gespräch führen wird, stellt sich vor. Man sieht die Halle, das Fahrzeug, den Pausenraum. Jemand aus dem Team sagt in zwei Sätzen, wie ein normaler Tag aussieht. Das beantwortet die Frage nach den Aufgaben, bevor der Bewerber sie sich heimlich selbst beantwortet.

Ehrlicherweise: Eine Studie, die misst, um wie viel ein solches Video die Absprungquote senkt, haben wir nicht gefunden. Dass es hilft, ist unsere Einschätzung, begründet mit dem, was Bewerber laut softgarden abschreckt. Messen können Sie es selbst, dazu unten mehr.

Auf den Ton achten. Ein Meister, der in der laufenden Halle spricht, wirkt echt. Wenn man ihn neben der Kreissäge nicht versteht, wirkt er vor allem schlecht vorbereitet. Beim Ton wird bei solchen Videos am häufigsten gespart, dabei ist er der Teil, den ein Bewerber zuerst als unprofessionell wahrnimmt. Ein Ansteckmikrofon und Untertitel für alle, die das Video in der Bahn ohne Ton anschauen, lösen das.

Einen Tag vorher erinnern. Eine kurze Nachricht mit Uhrzeit, Adresse und dem Namen des Ansprechpartners. Wer innerlich schon abgesprungen ist, wird davon nicht zurückgeholt. Aber wer schwankt, bekommt noch einmal einen Grund, zu kommen, und wer absagen will, bekommt eine einfache Gelegenheit dazu. Auch das ist ein Gewinn, weil der Meister dann nicht umsonst wartet.

Was das Video nicht leisten kann

Wenn die Stelle schlecht bezahlt ist oder das Team einen schlechten Ruf hat, dann zeigt ein Video das nur schneller. Das ist kein Nachteil. Die Leute, die nach dem Video nicht kommen, wären vermutlich nach drei Monaten gegangen. softgarden hat 2023 3.811 Personen befragt: 21 Prozent hatten schon einmal in den ersten hundert Tagen wieder gekündigt. Wie man diesem zweiten Problem begegnet, steht in unserem Artikel Neue Mitarbeiter kündigen schnell wieder.

Und ein Video ersetzt keine Antwort auf die Gehaltsfrage. In der softgarden-Befragung von 2024 hatten 29,3 Prozent im Gespräch auf die Frage nach dem Gehalt nur Ausweichen erlebt. Wer die Spanne schon in der Einladung nennt, erspart beiden Seiten einen Termin, der ohnehin nichts geworden wäre.

Was ein längeres Video über den Betrieb bringt, das auch in Stellenanzeigen und auf der Karriereseite läuft, beschreibt der Artikel Recruiting-Video erstellen: Ablauf und Kosten. Der Clip für die Einladung ist die kleine, persönliche Variante davon.

Woran Sie merken, ob es wirkt

Zählen Sie. Die meisten Betriebe wissen gefühlt, dass Leute nicht kommen, aber nicht, wie viele. Führen Sie ab sofort eine einfache Liste: vereinbarte Gespräche, tatsächlich erschienene, abgesagte, einfach weggebliebene. Nach zwei, drei Monaten haben Sie eine Quote.

Dann ändern Sie eine Sache, zum Beispiel das Video in der Einladung, und zählen weiter. Bei kleinen Zahlen ist das keine Statistik, das ist uns klar. Aber wenn von zehn Eingeladenen vorher fünf kamen und jetzt acht, dann merken Sie das, und der Meister merkt es auch.

Und fragen Sie die, die gekommen sind: Haben Sie sich das Video angeschaut? Was hat Sie überzeugt, zu kommen? Die Antworten sind oft überraschend konkret. Einer sagt, er wusste jetzt, wo er parken kann. Ein anderer, dass der Meister sympathisch rüberkam. Beides sind Gründe, die in keiner Stellenanzeige stehen.

Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos pro Monat: kurze Formate für Social Media, längere für die Website, Clips für genau die Anlässe, die in diesem Artikel vorkommen. Schnitt, Untertitel und alle Formatvarianten sind dabei.

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Quellen: Indeed und Appinio, Umfrage unter 400 Personalverantwortlichen in Deutschland, nach Handelsblatt, Ghosting im Job: Jeder zweite Recruiter wird von Bewerbern versetzt, 12.10.2022 · handwerk magazin, Ghosting: Diese rechtlichen Optionen haben Chefs bei Kontaktabbruch nach dem Bewerbungsgespräch (mit Aussagen von Tim Verhoeven, Indeed, und Pascal Verma, nbs partners) · softgarden, Arbeitgeber fallen im Jobinterview durch, Befragung von 5.177 Bewerbenden, Mai bis Juli 2024 · softgarden, Candidate Experience 2023, 3.811 Befragte, nach Personalwirtschaft, Ghosting als Recruiting-Risiko