Ratgeber · Planung

Wir haben drei Standorte. Müssen wir überall drehen?

Diese Frage wird aus zwei sehr verschiedenen Gründen gestellt, und der häufigere wird selten ausgesprochen.

Kurz beantwortet

Wir haben drei Standorte. Müssen wir überall drehen?

Meistens nicht. Entscheidend ist, ob die Standorte unterschiedliche Dinge tun oder dasselbe an verschiedenen Orten. Im zweiten Fall reicht ein Hauptstandort für die Arbeitsaufnahmen, ergänzt um kurzes Material von den übrigen. Das spart Anfahrten, ohne dass es im fertigen Film auffällt.

Merkt man im Video, dass nicht überall gedreht wurde?

Bei Arbeitsaufnahmen praktisch nie, weil der Bildausschnitt klein ist und eine Werkstatt aussieht wie eine Werkstatt. Auffällig wird es nur, wenn Gebäude, Ortsschilder oder Fahrzeuge mit Standortbezug zu sehen sind, oder wenn eine Aussage im Text einen Standort nennt, der nicht im Bild ist.

Was spricht dafür, doch an mehreren Orten zu drehen?

Drei Dinge: wenn die Standorte tatsächlich verschiedene Leistungen erbringen, wenn jeder Standort eigene Bewerber sucht und dafür eigenes Material braucht, und wenn es intern als Zurücksetzung empfunden würde, dass ein Standort nie vorkommt. Der letzte Punkt wird unterschätzt.

Wie teuer ist ein zusätzlicher Standort?

Selten ein zweiter voller Drehtag, aber mehr als nur die Fahrtzeit. Realistisch sind ein halber Tag Aufnahme plus Anfahrt, dazu auf Ihrer Seite noch einmal die Vorbereitung: Ansprechperson, Räume, Einwilligungen. Dieser interne Teil verdoppelt sich mit jedem Standort und wird meistens vergessen.

Gibt es eine Alternative zum zweiten Drehtag?

Ja, und sie funktioniert gut: Material vom Hauptstandort für alles Allgemeine, dazu kurze Aufnahmen von den anderen Standorten mit dem Telefon, sauber mit Ansteckmikrofon. Für Ortsseiten und regionale Ausspielung reicht das, wenn der professionelle Teil den Rahmen setzt.

Die Frage hinter der Frage

Wer mehrere Standorte hat, stellt diese Frage aus zwei sehr verschiedenen Gründen, und die Antwort hängt davon ab, welcher es ist.

Der eine ist die Kostenfrage: Wir wollen nicht drei Drehtage bezahlen. Der andere ist die interne Frage: Wenn wir nur in der Zentrale drehen, fühlen sich die anderen übergangen.

Der zweite Grund wird seltener ausgesprochen und ist häufiger der eigentliche. Er lässt sich auch anders lösen als durch drei Drehtage.

Die Unterscheidung, die alles entscheidet

Bevor Sie über Drehtage reden, klären Sie eine Frage: Machen Ihre Standorte dasselbe an verschiedenen Orten, oder machen sie verschiedene Dinge?

Dasselbe an verschiedenen Orten. Drei Filialen desselben Handwerksbetriebs, drei Niederlassungen mit identischem Leistungsangebot, mehrere Standorte einer Kette. Hier gibt es inhaltlich nichts zu unterscheiden. Eine Werkstatt sieht aus wie eine Werkstatt, und was dort erklärt wird, gilt überall. Ein Drehort genügt.

Verschiedene Dinge. Am Hauptsitz die Fertigung, am zweiten Standort das Labor, am dritten der Vertrieb. Hier ist jeder Ort ein eigener Inhalt, und wer nur einen zeigt, zeigt ein Drittel des Unternehmens. Dann lohnen sich mehrere Drehorte, und zwar nicht aus Fairness, sondern weil dort tatsächlich etwas anderes zu sehen ist.

Die meisten Betriebe mit mehreren Standorten fallen in die erste Kategorie und planen nach der zweiten.

Woran man es tatsächlich merken würde

Die Sorge, es könnte auffallen, ist berechtigt, betrifft aber nur bestimmte Aufnahmen. Bei Arbeitsaufnahmen ist der Bildausschnitt klein, und es gibt nichts, woran sich ein Ort festmachen ließe.

Verräterisch sind genau vier Dinge, und alle lassen sich steuern:

Gebäudeaufnahmen von außen, besonders mit Drohne. Hier ist der Standort eindeutig, und wer eine Halle zeigt, die es am beworbenen Ort nicht gibt, hat ein Problem.

Fahrzeuge mit Ortsangabe auf der Beschriftung oder erkennbarem Kennzeichen.

Schilder, Aushänge und Ortsbezüge im Hintergrund.

Und, am häufigsten übersehen: Aussagen im Text. Wenn jemand sagt "hier in unserem Werk in X", ist das auf ein anderes Werk nicht übertragbar. Solche Formulierungen entstehen am Drehtag von selbst und lassen sich vorher vermeiden, wenn man daran denkt.

Was das für die Aufnahme bedeutet, steht im Artikel über den Drehtag im Betrieb.

Der Mittelweg, der meistens die richtige Antwort ist

Zwischen einem Drehtag und drei liegt eine Variante, die selten angeboten wird und in der Praxis am besten funktioniert.

Der Hauptstandort bekommt den vollen Drehtag. Dort entstehen die Interviews, die Arbeitsaufnahmen und alles, was inhaltlich trägt. Die übrigen Standorte bekommen jeweils einen kurzen Besuch von zwei bis drei Stunden, an dem nur das aufgenommen wird, was sich unterscheidet: das Gebäude, die Leute, ein bis zwei charakteristische Szenen.

Aus diesem Material lassen sich dann standortbezogene Fassungen schneiden. Der Hauptfilm bleibt für alle gleich, und jeder Standort bekommt eine eigene Version mit den passenden Anfangs- und Schlussbildern.

Das kostet deutlich weniger als drei volle Drehtage und löst beide Ausgangsprobleme gleichzeitig: die Kosten und das Gefühl, übergangen zu werden.

Wie man aus einem Drehtag mehrere Standorte bedient

Damit die Sache praktisch wird, hier die Planung des einen Drehtags, wenn er für mehrere Standorte tragen soll. Sie unterscheidet sich von der üblichen an drei Stellen.

Neutral drehen, wo es geht. Bei Arbeitsaufnahmen den Ausschnitt so wählen, dass keine ortsfesten Merkmale im Bild sind. Das heißt nicht steril, sondern nur: kein Ortsschild, kein Kennzeichen, kein Aushang mit Adresse. Kostet am Drehtag nichts außer Aufmerksamkeit.

Aussagen ohne Ortsbezug formulieren. Statt "hier bei uns in X" einfach "bei uns". Das wirkt im Einzelfilm nicht schlechter und macht das Material für alle Fassungen brauchbar. Wer den Ortsbezug will, bekommt ihn später als Texteinblendung, und die lässt sich pro Fassung austauschen.

Die Unterschiede getrennt aufnehmen. Alles, was standortspezifisch ist, kommt in einen eigenen Block: Gebäude, Team, Besonderheiten. Diese Blöcke sind kurz und werden je Fassung eingesetzt.

Am Ende steht ein Grundfilm, der überall funktioniert, plus je Standort ein bis zwei Minuten eigenes Material. Für die Ortsseiten der Website ist das genau das richtige Format, weil jede Seite dann ein Video hat, das erkennbar zu ihr gehört, ohne dass dreimal produziert wurde.

Der Posten, den niemand rechnet

Bei der Kostenfrage wird üblicherweise nur die Seite der Produktionsfirma betrachtet: ein Drehtag mehr, Anfahrt, eventuell Übernachtung.

Der zweite Posten liegt bei Ihnen, und er verdoppelt sich mit jedem Standort vollständig. Für jeden Ort braucht es eine Ansprechperson, die den Tag freihält. Räume, die vorbereitet werden. Mitarbeiter, die informiert sind. Einwilligungen, die vorliegen. Das sind pro Standort mehrere Stunden, die intern anfallen und nirgends auftauchen. Die Aufstellung dazu steht im Artikel über den internen Aufwand eines Drehtags.

Wer also rechnet, sollte beide Seiten rechnen. Häufig ist der interne Aufwand für den dritten Standort größer als der Aufpreis, den die Produktionsfirma dafür nimmt.

Wenn die Standorte eigene Bewerber suchen

Ein Fall, in dem sich mehrere Drehorte fast immer lohnen, und zwar unabhängig von der obigen Unterscheidung: die Personalsuche.

Ein Bewerber sucht nicht beim Unternehmen, sondern an einem Ort. Er will wissen, wie es dort aussieht, wo er arbeiten würde, und wer dort arbeitet. Ein Recruiting-Video, das durchgehend die Zentrale zeigt, während die Stelle in der Niederlassung ist, wirkt genau so, wie es gemeint ist: austauschbar.

Hier reicht allerdings wenig. Zwei Minuten Material vom jeweiligen Standort, zwei Leute, die etwas sagen, und das Gebäude. Der Rest kann überall herkommen. Mehr dazu im Artikel über Employer Branding mit Video.

Und was mit dem Telefon geht

Für die Standorte, die nicht besucht werden, gibt es eine Ergänzung, die erstaunlich weit trägt: Aufnahmen mit dem Telefon, gemacht von jemandem vor Ort.

Das funktioniert, weil das professionell gedrehte Material den Rahmen setzt. Wenn der Hauptfilm sauber aussieht und klingt, wirken kurze Handyaufnahmen daneben nicht amateurhaft, sondern aktuell. Ohne diesen Kontrast fehlt der Bezugspunkt, und dann wirkt es einfach nur billig.

Zwei Bedingungen gelten trotzdem: ein Ansteckmikrofon, sobald jemand spricht, und Licht von vorn. Alles Weitere dazu steht im Artikel Können wir das nicht selbst machen.

Die kurze Antwort

Wenn Ihre Standorte dasselbe tun: ein Drehtag am größten, dazu kurze Besuche bei den anderen, falls Gebäude oder Personen vorkommen sollen.

Wenn sie verschiedene Dinge tun: mehrere Drehorte, weil dort tatsächlich mehr zu zeigen ist.

Und wenn der eigentliche Grund die Stimmung im Haus ist, lösen Sie das nicht mit Drehtagen, sondern damit, dass aus jedem Standort jemand im Film vorkommt. Das kostet zwanzig Minuten pro Person und wirkt intern mehr als jede zusätzliche Halle im Bild.

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Quellen: Die Angaben zu Ablauf, Aufwand und Vorbereitung eines Drehtags beruhen auf den öffentlichen Ablaufbeschreibungen von Produktionsfirmen, unter anderem spange.media und pathfinder-studios.de, sowie auf den dort genannten Vorbereitungslisten. Es handelt sich um Erfahrungswerte aus der Branche, nicht um eine Erhebung.