Ratgeber · Planung

Was kostet uns ein Drehtag intern an Arbeitszeit?

Der Posten taucht in keiner Kalkulation auf, weil ihn niemand in Rechnung stellt. Er liegt trotzdem zwischen einem Viertel und der Hälfte der Produktionskosten.

Kurz beantwortet

Was kostet uns ein Drehtag an eigener Arbeitszeit?

Realistisch 12 bis 20 Stunden über alle Beteiligten, verteilt auf die Wochen davor, den Tag selbst und die Freigabe danach. Der Drehtag selbst macht davon nur etwa die Hälfte aus. Bei einem internen Stundensatz von 50 Euro sind das 600 bis 1.000 Euro, die auf keiner Rechnung stehen.

Wer wird im Betrieb tatsächlich gebraucht?

Eine feste Ansprechperson mit Entscheidungsvollmacht für den ganzen Tag, dazu die Personen vor der Kamera für je 60 bis 90 Minuten. Alle anderen arbeiten normal weiter. Der größte Posten ist nicht der Dreh, sondern die Ansprechperson, weil sie den Tag nicht parallel verplanen kann.

Lässt sich der interne Aufwand senken?

Deutlich, und zwar an drei Stellen: eine einzige entscheidungsbefugte Person statt einer Abstimmungsrunde, die DSGVO-Einwilligungen vor dem Drehtag unterschrieben statt am Morgen eingesammelt, und Feedback gebündelt mit Zeitcode statt verteilt über mehrere Tage.

Ist der Betrieb an dem Tag lahmgelegt?

Nein. Der Großteil der Belegschaft merkt vom Dreh kaum etwas, außer dass jemand mit Kamera durch den Flur geht. Anders ist es in Betrieben, die streng nach Takt arbeiten, dort kann schon ein kurzes Interview die Tagesstatistik eines Teams beeinflussen.

Welcher Posten wird am häufigsten unterschätzt?

Die Vorbereitung, nicht der Dreh. Räume aufräumen, private Gegenstände und sensible Unterlagen wegräumen, Mitarbeiter informieren, Einwilligungen einholen, Ablauf abstimmen. Das sind vier bis acht Stunden, die im Kalender nirgends auftauchen.

Warum diese Zahl nirgends steht

Auf dem Angebot einer Produktionsfirma steht ein Preis für den Drehtag. Was nicht daraufsteht, ist der zweite Preis, den der Betrieb selbst bezahlt: die eigene Arbeitszeit. Sie taucht in keiner Kalkulation auf, weil sie niemandem in Rechnung gestellt wird, und genau deshalb wird sie bei der Entscheidung regelmäßig vergessen.

Das ist keine Kleinigkeit. Je nach Betrieb liegt dieser zweite Posten zwischen einem Viertel und der Hälfte dessen, was die Produktion kostet. Wer ihn kennt, plant anders, und vor allem plant er ihn so, dass er kleiner wird.

Die Stunden, aufgeschlüsselt

Die folgende Aufstellung beschreibt einen normalen Drehtag in einem Betrieb mit zehn bis fünfzig Leuten, ein Standort, zwei bis drei Personen vor der Kamera. Die Spanne kommt daher, wie gut vorbereitet ein Betrieb in so etwas hineingeht.

PostenStundenWer
Vorgespräch und Abstimmung, was gedreht wird1 bis 2Ansprechperson
Themen und Aussagen intern klären1 bis 3Ansprechperson, ggf. Geschäftsführung
Räume vorbereiten, Unterlagen wegräumen2 bis 4wer vor Ort ist
Mitarbeiter informieren, Einwilligungen einholen1 bis 2Ansprechperson
Der Drehtag selbst, Begleitung6 bis 8Ansprechperson
Interviews, je Person1 bis 1,5die jeweilige Person
Rohschnitt sichten und Feedback formulieren1 bis 3Ansprechperson
Freigabe, ggf. zweite Runde0,5 bis 2Entscheider

Zusammengerechnet sind das 12 bis 20 Stunden über alle Beteiligten. Der Drehtag selbst, also der Teil, den man mit dem Wort Drehtag verbindet, macht davon etwa die Hälfte aus.

Umgerechnet in Geld hängt es davon ab, wen es trifft. Mit einem Vollkostensatz zwischen 40 und 80 Euro je Stunde liegt der interne Anteil bei 500 bis 1.600 Euro. Das ist der Betrag, den niemand bucht und der trotzdem anfällt.

Der teuerste Posten ist nicht der, den man denkt

In dieser Tabelle steckt eine Überraschung. Die Interviews, also der Teil, vor dem sich alle fürchten, sind mit ein bis anderthalb Stunden je Person der kleinste Brocken. Wer vor der Kamera steht, ist danach wieder im Tagesgeschäft.

Der große Posten ist die Ansprechperson. Sie ist den ganzen Tag gebunden, und zwar nicht dauerhaft beschäftigt, sondern dauerhaft abrufbar. Das ist der Unterschied, der in der Planung meistens übersehen wird: Man kann den Tag nicht parallel mit anderen Terminen füllen, weil alle zehn Minuten eine Frage kommt. Wo ist der Sicherungskasten, dürfen wir das Schild da wegnehmen, kann jemand kurz den Stapler wegfahren.

Betriebe, die diesen Tag als halb verfügbar einplanen, haben anschließend zwei Probleme statt einem: den Dreh und die liegengebliebene Arbeit. Der Tag gehört freigehalten wie ein Außentermin.

Die Vorbereitung, die niemand einplant

Der zweitgrößte Posten ist die Vorbereitung der Räume, und der wird fast immer vergessen, weil er sich nicht nach Arbeit anfühlt.

Was dabei tatsächlich anfällt: Private Gegenstände weg, denn die sind später im Bild. Sensible Unterlagen weg, also Personalakten, Angebote mit Preisen, Kundenlisten an der Pinnwand. Das Lager so weit aufräumen, dass man hindurchgehen kann. Kabel und Stolperstellen entfernen. Und, der Klassiker: das Firmenschild putzen, weil die Kamera Dinge zeigt, die man selbst seit Jahren nicht mehr sieht.

Das sind zwei bis vier Stunden, und sie fallen nicht bei der Ansprechperson an, sondern bei denen, die vor Ort sind. Wer sie nicht einplant, macht sie am Morgen des Drehtags in Eile, und dann fehlen sie beim Dreh.

Ein Detail dazu, das später Ärger spart: Die DSGVO-Einwilligungen der gefilmten Personen gehören vor den Drehtag, nicht auf den Drehtag. Wer sie morgens im Pausenraum verteilt, bekommt Diskussionen zu einem Zeitpunkt, an dem das Team bereits aufbaut. Was dabei zu beachten ist, steht im Artikel Video-Content und DSGVO.

Drei Eingriffe, die den Aufwand halbieren

Der interne Aufwand ist zu einem erheblichen Teil hausgemacht, und drei Entscheidungen senken ihn deutlich.

Der erste Eingriff betrifft die Entscheidungswege. Wenn vor Projektbeginn feststeht, wer den Film abnimmt, entfällt der Posten mit der größten Streuung. Die zweite Feedbackrunde, die entsteht, weil nachträglich noch jemand gefragt wurde, kostet regelmäßig mehr Stunden als der halbe Drehtag.

Der zweite betrifft die Themen. Ein Betrieb, der mit einer Liste konkreter Fragen in das Vorgespräch geht, ist in einer Stunde durch. Einer, der die Frage „was sollen wir eigentlich zeigen?" erst im Gespräch aufwirft, braucht drei und danach noch eine Nacht zum Nachdenken. Eine Vorlage dafür steht im Artikel Video-Briefing.

Der dritte betrifft die Reihenfolge am Drehtag. Wer vorher festlegt, welche Räume wann gedreht werden, verhindert Wartezeiten, in denen alle beschäftigt aussehen und niemand etwas tut. Werkstätten nachmittags, wenn die laute Arbeit erledigt ist. Büros früh oder in der Mittagspause. Wie so ein Tag konkret abläuft, steht im Artikel Drehtag im Betrieb.

Der Sonderfall Taktbetrieb

Alles bisher Gesagte gilt für Werkstätten, Büros, Läden und Lager, also für Betriebe, in denen der Tag eine gewisse Elastizität hat. In Betrieben, die streng nach Takt arbeiten, gilt eine andere Rechnung, und sie sollte vorher auf den Tisch.

Die Produktionsfirma Spange Media beschreibt in einem Praxisbericht einen Logistikbetrieb, in dem Mitarbeiter nach Takt arbeiten und jede Abweichung messbare Folgen für die Tagesstatistik hat. Dort hätte schon ein kurzes Interview mit einer Fachkraft die Produktionszahlen des Teams beeinflusst.

Für solche Betriebe gibt es zwei brauchbare Wege. Entweder wird außerhalb der Taktzeiten gedreht, also in der Schichtübergabe, vor Schichtbeginn oder an einem Samstag. Oder die Personen vor der Kamera kommen aus Bereichen ohne Taktbindung, also aus Instandhaltung, Qualitätssicherung, Arbeitsvorbereitung oder Verwaltung. Beides funktioniert, beides muss vorher entschieden werden.

Was nicht funktioniert, ist die Annahme, man werde das am Tag schon irgendwie einschieben. Genau daraus entstehen die Drehtage, an denen nachmittags die Hälfte der geplanten Aufnahmen fehlt.

Wer vor die Kamera soll, und wie man das ohne Reibung klärt

Die Auswahl der Personen ist ein eigener Zeitposten, und sie wird meistens falsch angegangen. Der übliche Weg ist, im Team zu fragen, wer möchte. Darauf meldet sich niemand, und danach wird jemand bestimmt, der nicht möchte. Das kostet Stimmung und am Drehtag Zeit.

Besser funktioniert die umgekehrte Reihenfolge: Erst festlegen, welche Aussage gebraucht wird, dann überlegen, wer sie glaubwürdig sagen kann, und diese Person einzeln fragen. Nicht in der Runde, sondern unter vier Augen und mit der Begründung, warum gerade sie.

Zwei Dinge helfen zusätzlich. Erstens: klarstellen, dass nichts auswendig gelernt wird und dass jede Antwort mehrfach gesagt werden darf. Die meiste Kameraangst kommt aus der Vorstellung, man müsse einen Text aufsagen. Zweitens: zusagen, dass die Person das Ergebnis vor der Veröffentlichung sieht. Das kostet nichts und nimmt fast allen die Sorge.

Wenn trotzdem niemand will, ist das kein Sonderfall, sondern ein verbreiteter Zustand mit eigenen Lösungen. Sie stehen im Artikel Niemand will vor die Kamera.

Was passiert, wenn man den internen Teil nicht plant

Die Folgen sind vorhersehbar, weil sie sich wiederholen. Vier Muster tauchen immer wieder auf.

Der Drehtag beginnt mit einer halben Stunde Verzögerung, weil noch aufgeräumt wird. Diese halbe Stunde fehlt am Abend beim letzten geplanten Motiv, und das ist erfahrungsgemäß das mit der besten Aussage.

Die Ansprechperson ist nicht erreichbar, weil sie parallel einen Kundentermin hat. Das Team dreht dann, was es findet, statt was gebraucht wird, und der Unterschied fällt erst im Schnitt auf.

Die Einwilligungen sind nicht unterschrieben. Eine Person zieht am Nachmittag zurück, ihre Szenen sind unbrauchbar, und im fertigen Film fehlt genau die Abteilung, um die es ging.

Das Feedback zieht sich über zwei Wochen, weil es keine benannte Entscheidung gibt. Der Film wird fertig, wenn der Anlass vorbei ist.

Keines dieser Muster ist ein Produktionsfehler. Alle vier entstehen im Betrieb, und alle vier kosten mehr als die Stunden, die man durch das Weglassen der Vorbereitung gespart hat.

Was der Aufwand beim zweiten Mal macht

Die Zahlen oben gelten für den ersten Drehtag. Beim zweiten sieht die Rechnung anders aus, und das ist der Grund, warum wiederkehrende Drehtage sich anders anfühlen als einmalige Projekte.

Weg fallen: die Abstimmung über die Machart, ein guter Teil der Raumvorbereitung, weil man weiß, was gebraucht wird, das Einholen der Einwilligungen bei denselben Personen, und die Unsicherheit vor der Kamera, die beim ersten Mal Zeit kostet.

Übrig bleiben im Wesentlichen der Tag selbst und eine kurze Themenabstimmung. Aus 12 bis 20 Stunden werden 8 bis 10. Wer die Entscheidung zwischen einem einmaligen Film und einem laufenden Rhythmus abwägt, sollte das mit einrechnen: Beim laufenden Modell verteilt sich der teure Teil des internen Aufwands auf einen Tag im Quartal statt auf jedes Projekt.

Was das für die Entscheidung bedeutet

Der interne Aufwand ist kein Argument gegen Video. Er ist ein Argument dafür, ihn zu kennen und einzuplanen, statt ihn zu entdecken.

Praktisch heißt das: Den Drehtag im Kalender blocken wie einen Kundentermin. Zwei halbe Tage davor für Vorbereitung vorsehen. Eine Person benennen, die entscheidet. Und den Betrag, der dabei intern anfällt, in die Kalkulation schreiben, damit später niemand überrascht ist.

Wer das tut, stellt meistens fest, dass die Summe trotzdem im Rahmen liegt. Wer es nicht tut, erlebt den Drehtag als anstrengender, als er sein müsste, und schreibt das der Produktion zu.

Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos pro Monat: kurze Formate für Social Media, längere für die Website, Clips, die in Angeboten und Kundengesprächen funktionieren. Schnitt, Untertitel und alle Formatvarianten sind dabei.

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Quellen: Die Stundenwerte beruhen auf den öffentlichen Ablaufbeschreibungen von Produktionsfirmen zur Vorbereitung und Durchführung von Drehtagen, unter anderem spange.media und pathfinder-studios.de, sowie auf den dort genannten Vorbereitungslisten. Es handelt sich um Erfahrungswerte aus der Branche, nicht um eine Erhebung. Die Umrechnung in Geld verwendet einen Vollkostensatz von 40 bis 80 Euro je Stunde als Modellannahme.