Ratgeber · Anlass Website

Unsere Website ist in die Jahre gekommen und bringt keine Anfragen. Was tun?

2002 hat das Persuasive Technology Lab der Stanford University 2.684 ganz normale Internetnutzer gebeten, die Glaubwürdigkeit echter Websites zu beurteilen und aufzuschreiben, warum sie so urteilen. Die Forscher um B. J. Fogg hatten erwartet, dass es um Inhalte gehen würde, um Quellen, um Fachwissen. Stattdessen bezog sich der häufigste Kommentar auf etwas anderes: 46,1 Prozent der Teilnehmer nannten das Aussehen der Seite, also Layout, Schrift, Farben. Bei Finanzseiten waren es sogar 54,6 Prozent.

Vier Jahre später hat ein Team um Gitte Lindgaard gemessen, wie schnell dieser Eindruck entsteht. Die Versuchspersonen sahen Webseiten für 50 Millisekunden und bewerteten sie danach. Ihre Urteile hingen eng mit denen zusammen, die sie nach zehnmal so langer Betrachtung, 500 Millisekunden, abgaben. 50 Millisekunden sind kürzer als ein Lidschlag.

Wer eine Website hat, die vor acht Jahren gebaut wurde und seitdem kaum angefasst, verliert einen Teil seiner Interessenten also, bevor die erste Zeile gelesen ist. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Nicht immer muss gleich alles neu.

Kurz beantwortet

Woran liegt es, wenn eine Website keine Anfragen bringt?

Entweder kommen zu wenige Besucher, oder die Besucher fragen nicht an. Das sind zwei verschiedene Probleme mit verschiedenen Lösungen. Welches bei Ihnen vorliegt, zeigen die Besucherzahlen aus der Search Console oder Ihrer Statistik im Vergleich zu den Anfragen.

Spielt das Aussehen der Website wirklich eine Rolle?

Ja, und zwar schneller als gedacht. In einer Stanford-Studie mit 2.684 Teilnehmern bezogen sich 46,1 Prozent bei der Bewertung der Glaubwürdigkeit auf die Gestaltung. Eine Studie von Lindgaard und Kollegen aus dem Jahr 2006 zeigte, dass der optische Eindruck schon nach 50 Millisekunden steht.

Muss eine alte Website komplett neu gebaut werden?

Nicht unbedingt. Oft stimmt die Struktur, und veraltet sind Fotos, Texte und die Darstellung auf dem Handy. Wer zuerst Ladezeit, Kontaktweg, echte Menschen und aktuelle Belege in Ordnung bringt, sieht schnell, ob das reicht.

Was kann ein Video auf der Website bewirken?

Es zeigt, dass echte Menschen hinter dem Betrieb stehen, und genau das nennen die Stanford-Richtlinien als Grund für Vertrauen. Ein kurzes Video mit Inhaber und Team wirkt glaubwürdiger als jedes Stockfoto. Einen versteckten Kontaktweg oder eine langsame Seite repariert es aber nicht.

Erst klären, welches Problem Sie haben

„Die Website bringt keine Anfragen“ kann zwei sehr verschiedene Dinge bedeuten. Entweder kommen zu wenige Menschen auf die Seite. Oder sie kommen, sehen sich um und gehen wieder. Für das erste Problem hilft ein neues Design nichts, für das zweite hilft mehr Werbung nichts.

Den Unterschied sehen Sie in den Zahlen, die Sie wahrscheinlich schon haben. Die Google Search Console zeigt, wie oft Ihre Seite in der Suche erscheint und angeklickt wird. Eine Besucherstatistik zeigt, wie viele Menschen im Monat kommen und ob jemand die Kontaktseite aufruft. Legen Sie daneben die Zahl der Anfragen. Wenn im Monat 40 Besucher kommen, ist die Seite nicht das Hauptproblem, dann fehlt Sichtbarkeit. Ansätze dafür stehen in den Beiträgen zum Google-Unternehmensprofil und zu ChatGPT. Wenn aber mehrere hundert Besucher kommen und sich kaum jemand meldet, verliert die Seite die Leute unterwegs.

Woran Besucher eine alte Website erkennen

Die Stanford-Forscher haben aus ihren Studien zehn Richtlinien abgeleitet. Eine davon lautet sinngemäß: Aktualisieren Sie die Inhalte oft, oder zeigen Sie wenigstens, dass sie kürzlich geprüft wurden. Besucher geben Seiten mehr Glaubwürdigkeit, die erkennbar gepflegt werden.

Nach unserer Beobachtung sind es selten große Dinge, die eine Seite alt wirken lassen, sondern kleine Signale, die jeder Besucher sofort deutet: der letzte Eintrag unter „Aktuelles“ stammt von 2019, im Footer steht ein altes Jahr, auf dem Teamfoto ist der Meister zu sehen, der längst in Rente ist, und auf dem Handy muss man die Seite mit zwei Fingern aufziehen, um die Telefonnummer zu lesen. Jedes dieser Signale erzählt dem Besucher dasselbe: Hier kümmert sich keiner. Und er fragt sich, ob das beim Auftrag anders wäre.

Fünf Stellen, an denen Anfragen verloren gehen

Bevor Sie über einen Neubau nachdenken, lohnt ein ehrlicher Gang durch die eigene Seite, am besten auf dem Handy und mit den Augen eines Fremden.

Neu bauen oder überarbeiten?

Die Antwort hängt davon ab, was die Liste ergibt. Wenn die Seite technisch so alt ist, dass sie auf dem Handy nicht vernünftig funktioniert und sich nicht mehr pflegen lässt, ist ein Neubau meist die ehrlichere Lösung. Wenn die Technik aber trägt und vor allem Fotos, Texte und Belege veraltet sind, lässt sich viel mit einer gründlichen Überarbeitung erreichen. Nach unserer Einschätzung unterschätzen viele Betriebe, wie viel echte Fotos aus dem eigenen Betrieb und eine sichtbare Telefonnummer ausmachen, und überschätzen, was ein neues Design allein bewirkt.

Dieselbe Frage stellt sich übrigens beim Imagefilm, der auf der Startseite läuft. Ob man ihn neu dreht oder überarbeitet, steht im Beitrag Imagefilm veraltet: neu oder überarbeiten?

Was ein Video auf der Website leisten kann

Zwei der zehn Stanford-Richtlinien handeln davon, dass hinter der Website eine echte Organisation und echte Menschen erkennbar sein sollen. Genau das kann ein kurzes Video besser als jedes andere Element: Der Inhaber sagt in einer Minute, was der Betrieb macht und für wen. Man sieht die Werkstatt, die Fahrzeuge, das Team bei der Arbeit. Der Besucher bekommt ein Gesicht und eine Stimme zu dem Namen, den er anrufen soll.

Ein paar Regeln entscheiden, ob das hilft oder schadet. Das Video darf die Seite nicht ausbremsen, es wird also erst geladen, wenn jemand auf Abspielen drückt, und es braucht eine datenschutzkonforme Einbindung. Beides ist im Beitrag Video auf Website einbinden erklärt. Es braucht Untertitel, weil viele Besucher ohne Ton schauen. Und wenn Ton läuft, muss er sauber sein. Ein Inhaber, der vor einer laufenden Maschine in ein Handymikrofon spricht, wirkt nicht authentisch, sondern unvorbereitet. Ein ruhiger Raum und ein Ansteckmikrofon reichen.

Was ein Video nicht kann: einen versteckten Kontaktweg ausgleichen oder eine Seite retten, die acht Sekunden lädt. Erst die Grundlagen, dann das Video.

Woran Sie merken, ob es wirkt

Notieren Sie vor jeder Änderung zwei Zahlen: Besucher pro Monat und Anfragen pro Monat. Daraus ergibt sich, wie viele Anfragen auf hundert Besucher kommen. Nach der Überarbeitung vergleichen Sie über zwei bis drei Monate, denn einzelne Wochen schwanken stark. Und fragen Sie bei jeder neuen Anfrage kurz, wie der Kunde auf Sie gekommen ist und was er sich vorher angesehen hat. Wenn mehrere sagen, sie hätten das Video gesehen, wissen Sie, dass es gelesen wird, auch wenn der Text es nicht wird.

Die kürzeste Fassung

Besucher beurteilen eine Website in Sekundenbruchteilen nach ihrem Aussehen und lesen auf einer Seite meist nur ein Fünftel der Wörter. Bevor Sie neu bauen, klären Sie, ob zu wenige Besucher kommen oder ob die Besucher nicht anfragen. Im zweiten Fall prüfen Sie Ladezeit, Kontaktweg, echte Menschen, Belege und Textmenge. Oft reicht eine Überarbeitung. Ein kurzes Video mit Inhaber und Team zeigt, dass hinter der Seite echte Menschen stehen, ersetzt aber keinen sichtbaren Kontaktweg.

Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos pro Monat: kurze Formate für Social Media, längere für die Website, Clips für genau die Anlässe, die in diesem Artikel vorkommen. Schnitt, Untertitel und alle Formatvarianten sind dabei.

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Quellen: B. J. Fogg u. a., „How Do People Evaluate a Web Site's Credibility? Results from a Large Study“, Stanford Persuasive Technology Lab / Consumer Reports WebWatch, 2002, zusammengefasst in Wikipedia, „Stanford Web Credibility Project“ (abgerufen am 01.10.2026) · B. J. Fogg, „Stanford Guidelines for Web Credibility“, Mai 2002 (credibility.stanford.edu, abgerufen am 01.10.2026) · Gitte Lindgaard u. a., „Attention web designers: You have 50 milliseconds to make a good first impression!“, Behaviour & Information Technology 25(2), 2006, S. 115 bis 126 · Google, „The need for mobile speed“, 08.09.2016 (blog.google, abgerufen am 01.10.2026) · Jakob Nielsen, „How Little Do Users Read?“, Nielsen Norman Group, 2008 (nngroup.com, abgerufen am 01.10.2026)