Ratgeber · Entscheidungshilfe

Agentur oder Freelancer: Wen beauftragen wir?

Nützlicher als die Kategorie sind drei Fragen, die sich an konkreten Eigenschaften festmachen lassen.

Kurz beantwortet

Agentur oder Freelancer, was ist besser?

Keines von beidem grundsätzlich. Die Frage entscheidet sich an drei Punkten: wie oft Sie produzieren, wie viel Ausfallrisiko Sie tragen können und ob Sie eine feste Ansprechperson brauchen oder eine Struktur, die auch ohne sie funktioniert.

Ist ein Freelancer billiger?

Auf dem Tagessatz meistens ja, in der Gesamtrechnung nicht zwangsläufig. Ein niedriger Tagessatz ohne Technik ist etwas anderes als ein höherer Satz, in dem Kamera, Licht, Ton und Schnitt enthalten sind. Vergleichbar wird es erst, wenn beide Angebote denselben Leistungsumfang beschreiben.

Was passiert, wenn der Freelancer ausfällt?

Das ist der wichtigste Unterschied. Bei einer Einzelperson gibt es keinen Ersatz, der Termin verschiebt sich. Bei einem Team wird getauscht. Wenn Sie auf einen festen Termin hinarbeiten, etwa eine Messe, ist das ein ernstzunehmender Punkt.

Wer ist bei einer Agentur eigentlich am Drehtag da?

Das ist die Frage, die man stellen sollte, und die Antwort ist nicht selbstverständlich. Bei größeren Anbietern ist die Person im Angebotsgespräch oft nicht die Person mit der Kamera. Das ist nicht schlimm, sollte aber vorher bekannt sein.

Was ist die dritte Möglichkeit?

Ein kleines Team von zwei bis vier Leuten. Es kombiniert die feste Ansprechperson des Freelancers mit der Vertretbarkeit der Agentur und liegt bei den Kosten dazwischen. Für die meisten mittelständischen Betriebe ist das die passende Größe.

Die Frage ist falsch gestellt

Agentur oder Freelancer klingt nach zwei Kategorien, ist aber eher ein Spektrum. Am einen Ende steht die Einzelperson mit einer Kamera, am anderen eine Firma mit dreißig Leuten und eigenen Studios. Dazwischen liegt das, was die meisten Betriebe tatsächlich beauftragen: kleine Teams von zwei bis fünf Personen.

Nützlicher als die Kategorie sind drei Fragen, die sich an konkreten Eigenschaften festmachen lassen.

Frage eins: Wie oft produzieren Sie?

Bei einem einmaligen Projekt spielt die Struktur des Anbieters kaum eine Rolle. Wer einen Imagefilm braucht und danach zwei Jahre nichts, kann mit einer Einzelperson genauso gut fahren wie mit einer Agentur.

Bei laufender Zusammenarbeit kehrt sich das um. Dann zählt, ob der Anbieter ein System hat: eine wiederkehrende Ansprechperson, eine geordnete Ablage des Materials, verlässliche Termine über Monate. Eine Einzelperson kann das leisten, und viele tun es. Sie ist dabei allerdings die einzige Absicherung, die es gibt.

Frage zwei: Was passiert, wenn jemand ausfällt?

Das ist der Unterschied, der in Vergleichen selten auftaucht und im Ernstfall am meisten kostet.

Ein Freelancer, der am Drehtag krank ist, kann nicht ersetzt werden. Der Termin verschiebt sich, und je nachdem, worauf Sie hinarbeiten, ist das ein Problem oder keines. Bei einem Team wird getauscht, meistens ohne dass der Kunde es merkt.

Dasselbe gilt für den längeren Zeitraum. Wer über zwei Jahre mit einer Einzelperson arbeitet und diese Person gibt das Geschäft auf, wechselt den Beruf oder wird krank, steht ohne Anbieter da. Entscheidend ist dann, ob Sie Ihr Rohmaterial haben, siehe den Artikel über Rohmaterial und Projektdateien. Ohne das fangen Sie beim Nächsten bei null an.

Umgekehrt gibt es bei größeren Anbietern ein eigenes Ausfallrisiko, nur ein anderes: Personalwechsel. Die Person, die Ihren Betrieb kennt, ist nach einem Jahr woanders, und der Nachfolger fragt dieselben Dinge noch einmal.

Frage drei: Brauchen Sie eine Person oder eine Struktur?

Bei kleineren Produktionen ist die Person entscheidend. Jemand muss Ihre Leute vor der Kamera zum Reden bringen, und das ist eine soziale Fähigkeit, keine technische. Wer einmal mit jemandem gedreht hat, bei dem das funktioniert, sollte ihn behalten.

Bei größeren Projekten mit mehreren Standorten, Fremdsprachen, Animation und harten Terminen zählt Struktur mehr: Projektleitung, Ersatzkapazität, Prozesse für Freigaben. Das ist der Bereich, in dem Agenturen ihren Aufpreis rechtfertigen.

Die Preisfrage, fair gerechnet

Der verbreitete Satz, Freelancer seien billiger, stimmt beim Tagessatz und nicht zwangsläufig in der Endsumme. Der Grund ist, dass Tagessätze verschiedene Dinge enthalten.

Eine reine Gage ohne Technik ist etwas anderes als ein Komplettpreis, in dem Kamera, Licht, Ton, Schnitt und Lizenzen stecken. Wer einen Satz von 600 Euro neben einen von 1.400 Euro legt, vergleicht in aller Regel nicht dasselbe.

Vergleichbar werden Angebote erst über den Leistungsumfang. Dieselben sieben Angaben, die auch bei öffentlichen Ausschreibungen nötig sind, helfen hier genauso: Drehtage, Drehorte, Endlängen und Formate, Korrekturschleifen, Nutzungsrechte, Rohmaterial, Liefertermin. Die Einzelheiten dazu stehen im Artikel über Video ausschreiben. Was ein Tagessatz üblicherweise beinhaltet, steht im Artikel über den Kameramann-Tagessatz.

Die Frage, die man immer stellen sollte

Unabhängig von der Größe des Anbieters gibt es eine Frage, die erstaunlich viel klärt: Wer ist am Drehtag tatsächlich da?

Bei einer Einzelperson ist die Antwort klar. Bei größeren Anbietern ist die Person im Angebotsgespräch häufig nicht die Person mit der Kamera. Das ist kein Mangel, es sollte nur vorher bekannt sein, weil die Zusammenarbeit am Drehtag stattfindet und nicht im Verkaufsgespräch.

Eine zweite Frage in derselben Richtung: Wer schneidet? Bei manchen Anbietern geht das Material an freie Cutter, die den Betrieb nie gesehen haben. Auch das ist üblich und funktioniert, verlangt aber ein präzises Briefing, das sonst am Drehtag mündlich entsteht.

Die Zwischenform, die es auch gibt

Eine Variante taucht in der Entweder-oder-Frage nie auf und kommt in der Praxis häufig vor: der Freelancer, der für größere Projekte ein Team zusammenstellt.

Das funktioniert so, dass eine feste Person Ihr Ansprechpartner bleibt und je nach Projekt Ton, Licht oder einen zweiten Kameramann dazuholt. Sie bekommen damit die Kontinuität der Einzelperson und die Kapazität eines Teams, ohne Agenturstruktur zu bezahlen.

Der Haken liegt beim Ausfall genau dieser einen Person, denn das Team hängt an ihr. Wer diese Variante wählt, sollte deshalb besonders darauf achten, dass Rohmaterial und Projektdateien bei ihm liegen und nicht nur beim Dienstleister.

Erkennbar ist die Konstellation an einer einfachen Frage im Erstgespräch: Arbeiten Sie allein oder mit einem festen Kreis? Die Antwort darauf sagt mehr über die Zusammenarbeit als die Bezeichnung auf der Website.

Der Wechsel, der später ansteht

Ein Punkt für die Entscheidung heute, der erst in zwei Jahren wichtig wird: Wie leicht kommen Sie wieder heraus?

Bei einer Einzelperson ist der Wechsel organisatorisch einfach und inhaltlich schwer, weil das gesamte Wissen über Ihren Betrieb bei einem Menschen liegt. Bei einer Agentur ist es umgekehrt: Der Vertrag kann länger laufen, das Wissen liegt aber in Unterlagen und lässt sich übergeben.

Beides lässt sich entschärfen, und zwar mit demselben Mittel. Wer von Anfang an darauf besteht, dass Rohmaterial, Projektdateien und eine Liste der verwendeten Lizenzen bei ihm liegen, kann in beiden Fällen wechseln, ohne bei null anzufangen.

Das ist beim ersten Projekt eine unbequeme Verhandlung und beim Wechsel die einzige Frage, die zählt.

Der Punkt, an dem die Entscheidung kippt

In der Praxis entscheidet selten der Preis und fast nie die Referenzliste. Es entscheidet, wie viel von Ihrer eigenen Zeit gebunden wird.

Rechnen Sie das einmal durch, bevor Sie sich festlegen. Ein Drehtag kostet Sie unabhängig vom Dienstleister ein paar Stunden Vorbereitung, den Tag selbst mit zwei oder drei beteiligten Mitarbeitern und danach eine Korrekturschleife. Diese Stunden fallen an, egal ob eine Agentur oder eine Einzelperson kommt.

Was sich unterscheidet, ist alles davor und danach. Wer selbst Konzepte schreibt, Drehpläne abstimmt und Feedback in drei Runden zusammensammelt, bindet schnell mehr eigene Arbeitszeit, als der Auftrag gekostet hat. Wer einen Dienstleister hat, der mit einem festen Ablauf kommt, gibt diese Arbeit ab.

Für die Entscheidung heißt das: Fragen Sie beide Seiten nicht nur nach dem Preis, sondern danach, was sie an Vorbereitung von Ihnen erwarten. Die Antwort ist oft der eigentliche Kostenunterschied.

Worauf es bei beiden nicht ankommt

Zwei Kriterien werden überbewertet.

Die Größe des Showreels. Ein Anbieter mit Hochglanzreferenzen aus der Automobilwerbung ist für eine Werkstatt nicht automatisch besser. Aussagekräftig sind Arbeitsproben mit vergleichbarer Aufgabe, nicht die eindrucksvollsten. Wie man das bewertet, steht im Artikel über Imagefilm-Beispiele.

Die Ausstattung. Welche Kamera jemand benutzt, ist für Ihr Ergebnis weitgehend gleichgültig. Deutlich wichtiger ist, ob er ein ordentliches Ansteckmikrofon dabei hat und Licht setzen kann.

Was Sie im Erstgespräch fragen sollten

Unabhängig davon, für welche Seite Sie sich entscheiden, entscheidet das erste Gespräch mehr als jede Referenzliste. Vier Fragen bringen darin mehr als alles andere.

Wer sitzt am Drehtag tatsächlich bei uns im Betrieb? Bei Agenturen ist das oft nicht die Person, mit der Sie verhandeln, und das ist kein Problem, solange Sie es vorher wissen.

Wie lange dauert es vom Dreh bis zum fertigen Video? Eine konkrete Zahl in Werktagen ist ein gutes Zeichen. Ein "kommt drauf an" ist eines, bei dem man nachfragen sollte, worauf genau.

Was passiert mit dem Rohmaterial? Die Antwort sollte lauten: Sie bekommen es. Wenn nicht, fragen Sie, was es kostet, es zu bekommen.

Und: Welche Musik und welche Schriften werden verwendet, und wer hält die Lizenz? Das klingt nach einem Detail und ist der häufigste Grund, warum ein Video drei Jahre später nicht mehr verwendet werden darf.

Die Antwort für die meisten Betriebe

Für einen mittelständischen Betrieb mit regelmäßigem Bedarf ist das kleine Team die passende Größe. Es hat eine feste Ansprechperson, die den Betrieb kennt, und es hat Ersatz, wenn diese Person ausfällt.

Für ein einmaliges Projekt ohne harten Termin ist die Einzelperson oft die wirtschaftlichere Wahl, sofern das Rohmaterial vertraglich gesichert ist.

Und für Projekte mit mehreren Standorten, Fremdsprachen oder festen Terminen, bei denen ein Ausfall teuer wäre, rechtfertigt die größere Struktur ihren Aufpreis.

Was in allen drei Fällen gleich bleibt: Die Fragen, die vorher geklärt gehören, sind dieselben. Sie stehen im Artikel über die sieben Fragen an den Videoproduzenten.

Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos pro Monat: kurze Formate für Social Media, längere für die Website, Clips, die in Angeboten und Kundengesprächen funktionieren. Schnitt, Untertitel und alle Formatvarianten sind dabei.

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Quellen: Die Einordnung beruht auf den öffentlichen Leistungs- und Preisdarstellungen von Produktionsfirmen und freien Videografen im deutschsprachigen Raum sowie auf den dort genannten Tagessatzbestandteilen. Es handelt sich um Erfahrungswerte aus der Branche, nicht um eine Erhebung.