Ratgeber · Planung
Die Sorge beruht auf einem Gefühl, und das Gefühl ist schlimmer als die Zahlen. Acht Stunden Tageslicht sind ein voller Drehtag.
Ja, mit engerer Planung. In Deutschland liegt die Tageslichtdauer am kürzesten Tag je nach Ort zwischen etwa sieben und achteinhalb Stunden. Das reicht für einen vollen Drehtag, wenn die Außenaufnahmen zuerst gemacht werden und alles Weitere nach drinnen wandert.
Früher als im Sommer, aber nicht im Dunkeln. Sinnvoll ist Aufbau ab acht Uhr, Außenaufnahmen zwischen neun und halb drei, danach Innenaufnahmen. Wer um zehn Uhr anfängt, verliert ein Drittel des nutzbaren Tageslichts.
Nicht zwangsläufig. Die Sonne steht tief, das Licht ist weicher und kommt flacher von der Seite, was Gesichtern und Gebäuden schmeichelt. Trist wirkt Winterlicht vor allem bei geschlossener Wolkendecke ohne jeden Kontrast, und dafür gibt es Gegenmittel.
Meistens nichts am Tagessatz, aber Zeit. Draußen dauert alles länger, weil Technik und Menschen bei Kälte langsamer werden und Akkus schneller leer sind. Wer Außenaufnahmen plant, sollte im Winter etwa ein Drittel mehr Zeit dafür ansetzen als im Sommer.
Bei Dauerregen, bei Schneetreiben und wenn die Außenaufnahmen den Kern des Films ausmachen und ein bestimmter Zustand gezeigt werden soll, etwa ein Gebäude ohne Schnee. Für reine Innenaufnahmen gibt es dagegen keinen Grund zu verschieben, im Gegenteil.
Die Sorge beruht auf einem Gefühl, und das Gefühl ist schlimmer als die Zahlen. Am kürzesten Tag des Jahres, um den 21. Dezember, liegt die Tageslichtdauer in Deutschland je nach Ort zwischen etwa sieben Stunden im Norden und rund acht Stunden fünfundzwanzig Minuten im Süden. In Oberstdorf etwa dauert der kürzeste Tag von 8:04 bis 16:30 Uhr.
Acht Stunden sind ein voller Drehtag. Der Unterschied zum Sommer liegt nicht in der Menge, sondern darin, dass sie nicht verschiebbar ist. Im Juni kann man um sieben Uhr abends noch draußen drehen, im Dezember nicht.
Dazu kommt ein Detail, das für die Planung nützlich ist: Die Dämmerung dauert im Dezember etwa 42 Minuten, im Juni dagegen rund 65. Das Licht verschwindet im Winter also schneller, als man es gewohnt ist. Wer um halb vier noch eine Einstellung machen will, hat weniger Puffer als gedacht.
Aus diesen Zahlen folgt die wichtigste Regel für einen Winterdreh, und sie ist die Umkehrung dessen, was im Sommer üblich ist.
Im Sommer beginnt ein Drehtag gern mit Interviews im Büro, weil draußen ohnehin bis abends Licht ist. Im Winter ist das ein Fehler. Draußen zuerst, drinnen danach, weil Innenaufnahmen mit künstlichem Licht um 17 Uhr genauso aussehen wie um 11.
Ein brauchbarer Ablauf für Dezember sieht so aus:
| Zeit | Was |
|---|---|
| ab 8:00 | Ankunft, Aufbau, Absprache, noch bei Dämmerung |
| 9:00 bis 14:30 | alle Außenaufnahmen, Gebäude, Fahrzeuge, Arbeit im Freien |
| ab 14:30 | Innenaufnahmen, Interviews, Detailaufnahmen |
| bis 18:00 | Abbau |
Das ist derselbe Umfang wie ein Sommerdrehtag, nur anders sortiert. Wer dagegen um zehn Uhr anfängt, weil das im Sommer auch reichte, verliert ein gutes Drittel der nutzbaren Außenzeit.
Und jetzt der Teil, den kaum jemand erwartet: Winterlicht ist für viele Aufnahmen besser als Sommerlicht.
Der Grund ist der Sonnenstand. Im Dezember steht die Sonne auch mittags tief, und das Licht kommt flach von der Seite statt steil von oben. Steiles Mittagslicht im Juli erzeugt harte Schatten unter Augen und Nase und lässt Gebäude flach wirken. Flaches Licht modelliert.
Fotografen nennen die Stunde nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang aus genau diesem Grund die goldene Stunde. Im Dezember ist praktisch der halbe Tag eine abgeschwächte Version davon.
Dazu kommt, dass eine geschlossene Wolkendecke wie ein riesiger Diffusor wirkt. Das Licht ist dann weich und gleichmäßig, es gibt keine störenden Schatten, und Menschen sehen darin freundlicher aus als in praller Sonne. Was fehlt, ist Kontrast, und den setzt man mit künstlichem Licht dazu.
Trist wirken Winteraufnahmen vor allem aus einem anderen Grund: wenn kahle Bäume, grauer Himmel und nasser Asphalt zusammenkommen und nichts im Bild Farbe hat. Dagegen hilft nicht mehr Licht, sondern die Bildgestaltung, also näher ran, Farbe ins Bild holen, den grauen Himmel aus dem Ausschnitt nehmen.
Damit die Sache nicht zu schön klingt, hier die realen Nachteile.
Akkus. Bei Kälte fällt die Kapazität deutlich ab, teilweise um die Hälfte. Das betrifft Kamera, Funkmikrofone und vor allem Drohnen. Ersatzakkus gehören im Winter in die Innentasche, nicht in den Koffer.
Kondenswasser. Wer ein kaltes Objektiv in einen warmen Raum bringt, hat für zehn bis zwanzig Minuten eine beschlagene Linse. Das ist der häufigste Zeitverlust bei Winterdrehs und der Grund, warum die Reihenfolge draußen vor drinnen auch technisch sinnvoll ist: einmal wechseln statt fünfmal.
Menschen. Wer zwanzig Minuten in der Kälte auf seinen Einsatz wartet, ist danach steif, spricht undeutlicher und wirkt angespannt. Das ist kein Talentproblem, sondern Physiologie. Entweder kurz halten oder einen warmen Warteplatz organisieren.
Wind. Im Winter häufiger und stärker, und Wind ist im Ton das größere Problem als Kälte. Ein Fellwindschutz gehört dazu, sonst ist die Aufnahme unbrauchbar. Warum der Ton schwerer wiegt als das Bild, steht im Artikel Können wir das nicht selbst machen.
Ein Punkt für die Planung, der nichts mit der Technik zu tun hat: Winteraufnahmen sehen nach Winter aus, und das hat eine Nutzungsdauer zur Folge.
Ein Video mit Schnee im Hintergrund ist im Mai erkennbar alt. Wer Material produziert, das ganzjährig laufen soll, sollte deshalb den Anteil der Außenaufnahmen im Winter begrenzen oder auf jahreszeitlich neutrale Motive achten: Innenräume, Detailaufnahmen, Werkstatt, Gesichter.
Umgekehrt gilt: Wer ohnehin saisonale Inhalte braucht, etwa für Dezember und Januar, dreht sie am besten genau jetzt. Ein Weihnachtsgruß, der im August vor kahlem Hintergrund entstanden ist, sieht man das an. Was dabei rechtlich zu beachten ist, steht im Artikel über den Weihnachtsgruß.
Es gibt eine Planungsentscheidung, die diese ganze Frage entschärft, und sie hat mit dem einzelnen Drehtag nichts zu tun.
Wer regelmäßig Videos veröffentlicht, braucht nicht jedes Mal aktuelles Material. Er braucht einen Vorrat. Ein Drehtag im Oktober, an dem gezielt neutrale Aufnahmen entstehen, trägt bis ins Frühjahr, und dann stellt sich die Frage nach dem Licht im Januar gar nicht.
Neutral heißt in diesem Zusammenhang: ohne Laub, ohne Schnee, ohne Jahreszeitenbezug im Bild, ohne Weihnachtsdekoration im Hintergrund. Innenaufnahmen sind das ohnehin, und bei Außenaufnahmen genügt ein enger Ausschnitt.
Wer dagegen erst im Dezember merkt, dass seit Oktober nichts mehr veröffentlicht wurde, steht vor der schwierigen Variante: kurzfristig drehen bei wenig Licht und schlechtem Wetter.
Zwei Situationen sind im Winter eindeutig im Vorteil, und beide werden übersehen.
Die erste ist alles, was mit Wärme, Heizung, Dämmung oder Energie zu tun hat. Ein Heizungsbauer, der im Juli über Wärmepumpen spricht, kämpft gegen das Gefühl des Zuschauers. Derselbe Inhalt im Januar, mit sichtbarem Atem vor der Haustür, trifft die Situation.
Die zweite ist Innenarbeit mit sichtbarem Kontrast nach draußen. Eine warm beleuchtete Werkstatt vor einem dunklen Fenster wirkt einladend, und dieser Effekt ist im Sommer nicht herstellbar, weil es draußen zu hell ist. Das ist der Grund, warum Aufnahmen aus Backstuben und Schlossereien im Winter besonders gut aussehen.
Wer also ohnehin ein Thema hat, das zur Jahreszeit passt, sollte nicht auf das Frühjahr warten.
Drei Fälle sprechen für einen anderen Termin.
Wenn der Film wesentlich von Außenaufnahmen lebt und ein bestimmter Zustand gezeigt werden soll, etwa ein Gebäude ohne Schnee oder ein begrünter Außenbereich.
Bei angekündigtem Dauerregen oder Schneetreiben. Dafür gehört eine Wetterregel in den Vertrag: wer entscheidet, bis wann, und was die Verschiebung kostet. Die Einzelheiten stehen im Artikel über die Absage eines Drehtags.
Und wenn der Betrieb selbst saisonal ist und im Winter das zeigt, was ihn nicht ausmacht. Ein Garten- und Landschaftsbau im Januar ist nicht derselbe Betrieb wie im Juni.
Für alles andere gilt: Der Winter ist eine gute Drehzeit. Die Terminkalender der Produktionsfirmen sind leerer als im Frühjahr, der Betrieb hat oft mehr Luft, und das Licht ist besser als sein Ruf. Was ein Drehtag intern an Zeit kostet, ändert sich dabei nicht, dazu der Artikel über den internen Aufwand.
Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos pro Monat: kurze Formate für Social Media, längere für die Website, Clips, die in Angeboten und Kundengesprächen funktionieren. Schnitt, Untertitel und alle Formatvarianten sind dabei.
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Unverbindlich kennenlernen →Quellen: Angaben zur Tageslichtdauer am kürzesten Tag in Deutschland und zur Dämmerungsdauer im Dezember nach Darstellungen der Leibniz-Gemeinschaft und wetter.de, mit den Beispielwerten für List auf Sylt, Berchtesgaden und Oberstdorf · Die übrigen Angaben zu Ablauf, Technik und Vorbereitung beruhen auf den öffentlichen Praxisbeschreibungen von Produktionsfirmen und sind Erfahrungswerte, keine Messungen.