Ratgeber · Fachkräfte

Wir suchen Fachkräfte im Ausland. Was müssen die Bewerber vorher sehen?

Ein Bewerber aus Kerala oder Quito kann nicht am Samstag vorbeikommen, sich die Werkstatt anschauen und mit dem Meister einen Kaffee trinken. Er soll trotzdem ein Visum beantragen, Deutsch lernen, seine Familie zurücklassen und in einen Ort ziehen, den er nur von Google Maps kennt. Die Frage ist, woraufhin er das tun soll.

Die meisten Betriebe, die im Ausland suchen, kümmern sich zuerst um die Papiere: Anerkennung, Visum, Vermittler. Das muss auch sein. Nur entscheidet der Bewerber nicht über Papiere, sondern über einen Arbeitsplatz, ein paar Kollegen und einen Ort, den er nie gesehen hat. Und nach der Ankunft zeigt sich, ob das Bild, das er sich gemacht hat, gestimmt hat.

Kurz beantwortet

Lohnt es sich für einen Betrieb, Fachkräfte im Ausland zu suchen?

Für viele Betriebe ja, und bisher tun es wenige. Laut Fachkräftemigrationsmonitor 2024 der Bertelsmann Stiftung melden 68 Prozent der Unternehmen Engpässe, aber nur 18 Prozent rekrutieren im Ausland. Wer sucht, konkurriert also mit weniger Betrieben, als man denkt.

Was schreckt Fachkräfte aus dem Ausland ab?

Vor allem Bürokratie, Wohnungssuche und Sprache. In der Befragung Expat Insider 2025 von InterNations bewerten 65 Prozent der Zugewanderten in Deutschland die Bürokratie negativ, 63 Prozent finden die Wohnungssuche schwierig. Einen Teil davon kann ein Betrieb nicht ändern, aber er kann zeigen, wie er dabei hilft.

Was will ein Bewerber aus dem Ausland vom Betrieb sehen?

Den Arbeitsplatz, die Leute, mit denen er arbeiten wird, und den Ort, an dem er leben soll. Dazu, wer ihm bei Wohnung, Sprache und Behörden hilft. Das lässt sich in einer Stellenanzeige kaum beschreiben, in einem kurzen Video mit Untertiteln aber zeigen.

Warum gehen Fachkräfte aus dem Ausland wieder?

Laut einer IAB-Befragung von 2025 denkt gut ein Viertel der Eingewanderten darüber nach, Deutschland wieder zu verlassen. Genannt werden unter anderem Bürokratie, Steuerlast und persönliche Gründe. Wer vorher ehrlich zeigt, was ihn erwartet, senkt das Risiko, dass jemand mit falschen Erwartungen ankommt.

Viele suchen Leute, wenige suchen im Ausland

Die Fachkräftelücke ist 2025 kleiner geworden, weil die Konjunktur schwach war. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des Instituts der deutschen Wirtschaft zählte im Jahresdurchschnitt 369.516 offene Stellen, für die es rechnerisch keine passend qualifizierten Arbeitslosen gab. Das waren 24,1 Prozent weniger als im Jahr davor. Trotzdem ließ sich rechnerisch jede dritte offene Stelle für Qualifizierte nicht besetzen. Am engsten war es laut KOFA in der Alten- und Krankenpflege, in Therapieberufen und im Straßen- und Tiefbau, und kleine und mittlere Unternehmen traf es härter als große.

Die Bertelsmann Stiftung lässt jedes Jahr Unternehmen befragen, wie sie mit dem Mangel umgehen. Im Fachkräftemigrationsmonitor 2024 gaben 68 Prozent der Entscheider an, Engpässe zu haben. Im Ausland rekrutierten 18 Prozent. Azubis aus dem Ausland holten sich 5 Prozent. Als größte Hürden nannten Unternehmen in früheren Ausgaben der Befragung die Sprache und die Schwierigkeit, im Ausland erworbene Abschlüsse einzuschätzen.

Gleichzeitig ist der Weg leichter geworden. Im ersten Jahr nach der Reform des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes erteilten die deutschen Auslandsvertretungen nach vorläufigen Zahlen rund 200.000 Visa zu Erwerbszwecken, gut zehn Prozent mehr als im Jahr davor. Visa für Auszubildende stiegen um 66 Prozent. Das meldeten Auswärtiges Amt, Arbeits- und Innenministerium im November 2024 gemeinsam.

Was drei Handwerksbetriebe erlebt haben

Die Deutsche Handwerks-Zeitung hat im Mai 2026 über Betriebe berichtet, die Azubis aus Indien, Ecuador und Pakistan ausbilden. Dieter Baier führt einen Metallbaubetrieb in Renchen-Ulm und hat fünf Azubis aus Indien und Tadschikistan, vermittelt über eine Initiative der Handwerkskammer Freiburg. Der Betrieb kümmert sich um Sprachunterricht und Wohnung. Baiers Rechnung ist nüchtern: Bei deutschen Lehrlingen blieben vielleicht zwei von zehn im Betrieb, bei den ausländischen Azubis rechne er mit 30 bis 40 Prozent.

Siegfried Janner hat über die Arbeitsagentur sechs Azubis aus Ecuador geholt. Zum Paket gehörten Sprachkurse, der Führerschein und Hilfe dabei, dass die Familien ankommen. Die Landbäckerei Roden in Gerolstein ging über eine private Agentur und bekam Azubis aus Pakistan. Der Weg dorthin sei, so wird der Betrieb zitiert, bei einem steuer- und sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter „der absolute Albtraum“.

In allen drei Geschichten bietet der Betrieb mehr als eine Stelle. Er kümmert sich um Sprache, bei Baier um die Wohnung, bei Janner um Führerschein und Familie. Für einen Bewerber, der Tausende Kilometer entfernt sitzt, ist das vermutlich das stärkste Argument überhaupt. In Stellenanzeigen liest man davon trotzdem selten.

Was Bewerber abschreckt, bevor sie überhaupt kommen

InterNations befragt jedes Jahr Menschen, die im Ausland leben und arbeiten. Für den Expat Insider 2025 antworteten 10.085 Personen aus 172 Nationalitäten. Deutschland landete auf Platz 42 von 46 Ländern. In der Kategorie, die Wohnen, Verwaltung, Sprache und digitale Dienste zusammenfasst, lag es auf dem letzten Platz. 65 Prozent der Befragten in Deutschland bewerteten die Bürokratie negativ, 63 Prozent fanden die Wohnungssuche schwierig, 67 Prozent hielten Deutsch für schwer zu lernen. Weltweit sagten das über die jeweilige Landessprache nur 41 Prozent. Und 58 Prozent hatten sich schon vor der Ankunft Sorgen wegen der Sprache gemacht.

Diese Zahlen beschreiben das Land, nicht Ihren Betrieb. Aber genau darin liegt die Chance. Wenn ein Bewerber mit der Sorge an Wohnung und Behörden denkt, wird ein Betrieb interessant, der zeigen kann: Hier ist die Wohnung, die wir für Azubis angemietet haben. Das ist die Kollegin, die mit zur Ausländerbehörde geht. Das ist der Sprachkurs, der dienstags nach Feierabend in unserem Besprechungsraum stattfindet.

Das zweite Problem kommt nach der Ankunft

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat zwischen Dezember 2024 und April 2025 rund 50.000 Eingewanderte befragt. 26 Prozent dachten darüber nach, Deutschland wieder zu verlassen, hochgerechnet etwa 2,6 Millionen Menschen. Drei Prozent hatten konkrete Pläne. Unter den Gründen nennt das IAB politische Unzufriedenheit, persönliche Gründe, die Steuerlast und die Bürokratie. In Gesundheit und Sozialem, im verarbeitenden Gewerbe und im Handel lag der Anteil bei 24 bis 28 Prozent. Die Studienleiterin Yuliya Kosyakova zieht daraus den Schluss, dass es nicht reiche, den Zuzug zu fördern.

Für einen Betrieb ist das die teurere Hälfte des Problems. Wer ein Jahr in Visum, Sprachkurs und Einarbeitung gesteckt hat, verliert mit jedem Abgang deutlich mehr als bei einer normalen Kündigung. Ein Teil dieser Abgänge hat mit Erwartungen zu tun, die vor der Ankunft entstanden sind. Wer sich den Ort größer, die Arbeit anders oder das Team offener vorgestellt hat, wird enttäuscht, auch wenn am Betrieb gar nichts falsch ist. Mehr dazu, warum neue Leute gehen, wenn der Job anders ist als gedacht, steht in unserem Artikel Neue Mitarbeiter kündigen, weil der Job anders ist als gedacht.

Was ein Bewerber am anderen Ende der Welt sehen will

Belastbare Befragungen dazu, wie Fachkräfte im Ausland einen deutschen Arbeitgeber prüfen, haben wir nicht gefunden. Was jetzt folgt, ist deshalb unsere Einschätzung. Sie ergibt sich aus den Sorgen, die in den Befragungen oben auftauchen.

Der Arbeitsplatz, so wie er ist. Nicht die Maschinenhalle aus der Drohne, sondern der Platz, an dem er morgens anfängt. Wie laut es ist, wie die Pausen laufen, was er am ersten Tag in der Hand hat.

Die Leute. Wer ist sein Ausbilder, wer sein Vorarbeiter? Wenn im Betrieb schon jemand aus demselben Land oder derselben Region arbeitet, ist das die wichtigste Person im ganzen Video. Ein Kollege, der in der eigenen Sprache erzählt, wie sein erstes Jahr war, beantwortet Fragen, die sich ein Bewerber dem Chef gegenüber nie zu stellen traut.

Der Ort. Wo ist der nächste Supermarkt, wie kommt man ohne Auto zur Arbeit, wie weit ist die nächste Stadt? Für jemanden aus einer Millionenstadt ist ein Gewerbegebiet am Ortsrand eine größere Umstellung als der Beruf.

Die Hilfe. Wohnung, Sprachkurs, Behörden, Führerschein. Die Betriebe aus der Handwerks-Zeitung machen vieles davon. Es zu zeigen, kostet nichts extra, und es ist genau das, was im Expat Insider als Sorge auftaucht.

Warum hier der Ton mehr zählt als sonst

Ein Video für Bewerber im Ausland wird von Menschen angeschaut, die Deutsch gerade erst lernen. In der Sprachforschung ist gut belegt, dass Nicht-Muttersprachler gesprochene Sprache bei Störgeräuschen deutlich schlechter verstehen als Muttersprachler. Eine viel zitierte Übersichtsarbeit von María Luisa García Lecumberri, Martin Cooke und Anne Cutler hat das 2010 zusammengetragen. Ein Interview neben der laufenden Presse, bei dem ein deutscher Zuschauer gerade noch folgen kann, ist für einen Bewerber mit A2-Kenntnissen verloren.

Deshalb gehört in so ein Video ein sauberer Ton, bei dem die Stimme klar über dem Hintergrund liegt, Leute, die ruhig und in ganzen Sätzen sprechen, und Untertitel. Deutsch plus Englisch ist fast immer sinnvoll, bei einem klaren Herkunftsland auch dessen Sprache. Wie man mehrsprachige Fassungen sinnvoll plant, steht im Artikel Wir exportieren. Brauchen wir den Film auf Englisch?.

Wo das Video eingesetzt wird

An der Stellenanzeige allein nützt es wenig. Die meisten Wege ins Ausland laufen über Dritte: die Handwerkskammer, die Arbeitsagentur, private Vermittler, Sprachschulen im Herkunftsland. Diese Stellen haben Dutzende Betriebe im Angebot und wenig Material. Ein Betrieb, der ein kurzes, untertiteltes Video mitliefert, das der Vermittler weitergeben kann, fällt dort auf.

Der zweite Einsatz ist die Wartezeit. Zwischen Zusage und Einreise vergehen oft Monate mit Anerkennung, Visum und Sprachkurs. In dieser Zeit meldet sich der Betrieb selten, und der Bewerber hat viel Zeit zum Zweifeln. Ein paar kurze Clips per WhatsApp, zum Beispiel wie die Wohnung eingerichtet wird oder dass sich das Team auf ihn freut, halten den Kontakt, ohne dass jemand lange Mails schreiben muss. Das ist ebenfalls unsere Einschätzung, keine gemessene Zahl.

Was ein Video nicht löst

Die Bürokratie bleibt. Die Anerkennung eines Abschlusses dauert, so lange sie dauert, und ein Visumstermin ist nicht schneller zu bekommen, weil der Betrieb schöne Bilder hat. Auch die Wohnung muss es wirklich geben, bevor man sie zeigt. Ein Video, das mehr verspricht, als der Betrieb hält, verschiebt die Enttäuschung nur nach hinten und macht sie größer.

Und es ersetzt nicht die Hilfe selbst. Baier, Janner und die Bäckerei in Gerolstein haben Erfolg, weil sie sich um Sprache, Wohnung und Familie kümmern. Ein Video macht das sichtbar. Wer diese Arbeit nicht leisten will, sollte auch nicht damit werben.

Woran Sie merken, ob es wirkt

Drei Zahlen reichen. Erstens, wie viele Bewerber aus dem Ausland nach dem ersten Gespräch noch dabei sind. Zweitens, wie viele zwischen Zusage und Einreise abspringen. Drittens, wie viele nach einem Jahr noch im Betrieb arbeiten. Wenn Sie schon aus dem Ausland rekrutiert haben, notieren Sie diese Zahlen für die bisherigen Fälle. Beim nächsten Durchgang mit Video vergleichen Sie. Bei kleinen Zahlen hilft zusätzlich eine direkte Frage an die, die gekommen sind: Was hat Sie überzeugt, und was hätten Sie vorher gern gewusst?

Wer auch im Inland um Auszubildende wirbt, findet im Artikel Azubis finden mit Video die Seite desselben Problems, die näher liegt.

Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos pro Monat: kurze Formate für Social Media, längere für die Website, Clips für Bewerber und Vermittler. Schnitt, Untertitel und alle Formatvarianten sind dabei.

499 Euro pro Monat. Keine Vertragslaufzeit, kein Setup-Aufwand.

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Quellen: KOFA/Institut der deutschen Wirtschaft, Jahresrückblick 2025: Schwacher Arbeitsmarkt, März 2026 · Bertelsmann Stiftung, Fachkräftemigrationsmonitor 2024, Pressemitteilung vom 16.12.2024 (Civey-Befragung, Juni bis September 2024) · Anerkennung in Deutschland, Bericht zum Fachkräftemigrationsmonitor 2021 · Auswärtiges Amt, BMAS und BMI, gemeinsame Pressemitteilung zum ersten Jahr des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes, 17.11.2024 · Deutsche Handwerks-Zeitung, Indien, Ecuador, Pakistan: Was Handwerker mit ihren Azubis erleben, 05.05.2026 · InterNations, Expat Insider 2025, nach IamExpat, 02.09.2025 · IAB, Ein Viertel der Eingewanderten in Deutschland zieht Auswanderung in Betracht, Presseinformation vom 11.06.2025 · María Luisa García Lecumberri, Martin Cooke, Anne Cutler, Non-native speech perception in adverse conditions: A review, Speech Communication 52 (2010)