Ratgeber · Anlass

Wir feiern Jubiläum. Lohnt sich dafür ein Film?

Die meisten Jubiläumsfilme laufen genau einmal: am Festabend, vor Gästen, die die Geschichte ohnehin kennen. Dabei ist das Firmenalter eines der wenigen Argumente, die kein Wettbewerber nachmachen kann. Man muss es nur so erzählen, dass es nach vorne zeigt.

Kurz beantwortet

Lohnt sich ein Film zum Firmenjubiläum?

Ja, wenn er über den Festabend hinaus genutzt wird. Die Forschung zeigt, dass Kunden bei älteren Anbietern ein geringeres Risiko wahrnehmen, besonders wenn viel auf dem Spiel steht. Ein Film, der nur auf der Feier läuft, verschenkt diesen Effekt. Einer, der danach auf der Website, in Angeboten und in Stellenanzeigen auftaucht, nutzt ihn das ganze Jahr.

Was sollte ein Jubiläumsfilm zeigen?

Weniger Chronik, mehr Gegenwart. Die Geschichte dient als Beleg dafür, dass der Betrieb Veränderungen übersteht, gezeigt werden sollten aber vor allem die Leute, die heute arbeiten, und das, was als Nächstes kommt. Eine Studie im Journal of Marketing Research von 2024 zeigt, dass ältere Marken als weniger innovativ gelten. Ein reiner Rückblick verstärkt genau das.

Wann sollte der Jubiläumsfilm fertig sein?

Vor dem Jubiläumsjahr oder spätestens an seinem Anfang, nicht erst zur Feier. Wer erst zum Festabend fertig wird, hat das halbe Jubiläumsjahr als Anlass verschenkt. Sinnvoll ist ein Dreh einige Monate vorher, damit kurze Clips schon ab Januar laufen können.

Dürfen wir alte Fotos aus dem Firmenarchiv im Film verwenden?

Nicht automatisch. Auch einfache Fotos sind nach Paragraf 72 Urheberrechtsgesetz 50 Jahre lang geschützt, künstlerische Aufnahmen bis 70 Jahre nach dem Tod des Fotografen. Wer damals einen Fotografen für eine Broschüre beauftragt hat, besitzt oft nur ein Nutzungsrecht für diese Broschüre. Die Rechte sollten vor dem Schnitt geklärt sein, nicht danach.

Für wen ist ein Jubiläumsfilm eigentlich gedacht?

Für Kunden, Bewerber und die eigene Belegschaft, und zwar in dieser Reihenfolge. Die Festgäste sind das kleinste Publikum. Kunden suchen Sicherheit, Bewerber wollen wissen, ob der Betrieb in zehn Jahren noch da ist, und die eigenen Leute wollen sich im Film wiederfinden.

Eine Zahl, die man sich vor dem Fest ansehen sollte

Bevor es um Filme geht, eine Statistik, die in keiner Festrede vorkommt, obwohl sie dorthin gehört.

Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn hat auf Basis der Daten des Statistischen Bundesamts verfolgt, was aus den Unternehmen wurde, die 2017 in Deutschland gegründet wurden. Nach einem Jahr waren noch 74,0 Prozent am Markt. Nach fünf Jahren waren es 38,1 Prozent. Von den Gründungen ohne Beschäftigte hielten nach fünf Jahren 33,7 Prozent durch, von denen mit Beschäftigten 49,5 Prozent.

Wer also 25 Jahre feiert, gehört zu einer Minderheit, die schon nach fünf Jahren nur noch gut ein Drittel ihres Jahrgangs ausmacht. Auf die Einladungskarte gehört das vielleicht nicht, in ein Angebot schon. Kunden lesen das Firmenalter als Aussage über Zuverlässigkeit, auch wenn sie es selten aussprechen.

Warum Kunden auf das Firmenalter achten

Dass das Alter eines Anbieters die Kaufentscheidung beeinflusst, ist gut untersucht. Die Marketingforscher Preyas Desai, Ajay Kalra und B. P. S. Murthi haben 2008 im Journal of Marketing eine Studie mit dem schönen Titel "When Old Is Gold" veröffentlicht. Ihr Befund: Menschen nehmen bei einem älteren Dienstleister ein geringeres Risiko wahr, und diese Wahrnehmung beeinflusst die Wahl. Die Autoren führen das auf zwei Signale zurück. Das eine ist Erfahrung, also die Annahme, dass jemand, der etwas lange macht, es auch kann. Das andere ist das Überleben selbst: Wer schlecht arbeitet, verschwindet, also hat, wer bleibt, offenbar etwas richtig gemacht.

Am stärksten wirkt das in riskanten Situationen. Das ist der Punkt, an dem es für einen Betrieb interessant wird. Wer eine Heizungsanlage, eine Produktionslinie oder einen Dienstleister für die nächsten zehn Jahre sucht, trifft genau so eine Entscheidung. Ein Fehler wäre teuer, und das Firmenalter ist eine der wenigen Informationen, die er vorher schon hat.

Und hier liegt das Missverständnis vieler Jubiläen. Das Firmenalter ist ein Verkaufsargument, wird aber als Familienfeier behandelt.

Der Haken, den kaum jemand bedenkt

Es gibt eine Kehrseite, und die ist neuer. Yaeeun Kim und Joydeep Srivastava haben 2024 im Journal of Marketing Research untersucht, wie das Alter einer Marke die Kaufentscheidung beeinflusst. Sie werteten Verkaufsdaten von Amazon aus und führten sieben Experimente mit fast 2.000 Teilnehmern durch, von Überwachungskameras bis zu Hautpflege. Das Ergebnis: Von neueren Marken erwarten Menschen mehr Innovation als von alten. In Produktkategorien, die als innovativ gelten, holen junge Marken deshalb gegenüber den etablierten auf. Die Autoren nennen das die Achillesferse der Etablierten.

Beide Studien zusammen ergeben eine klare Anweisung für den Jubiläumsfilm. Das Alter soll Sicherheit vermitteln, darf aber nicht nach Stillstand aussehen. Genau das passiert, wenn der Film aus alten Schwarz-Weiß-Fotos, dem Gründer vor der ersten Werkstatt und einer Chronik von Umzügen besteht. Er erzählt dann sehr liebevoll, dass der Betrieb alt ist, und sonst nichts.

Wie Stihl das in diesem Jahr löst

Ein Beispiel aus dem laufenden Jahr: Stihl wird 2026 hundert Jahre alt. Das Unternehmen hat dafür am 12. Januar 2026 sein Jubiläumsprogramm vorgestellt. Es gibt eine eigene Seite mit Geschichten aus hundert Jahren, die laut Stihl so noch nicht erzählt wurden und auch langjährige Fans überraschen sollen. Es gibt ein Mitarbeiterfest in Waiblingen im Juli. Und es gibt ein Jubiläumsmodell, die MS 500i Centennial Edition.

Das Detail, auf das es ankommt, steckt in diesem Modell. Stihl hat nicht die erste Säge von 1926 neu aufgelegt, sondern die MS 500i, laut Unternehmen die erste Serien-Benzinmotorsäge der Welt mit elektronisch gesteuerter Einspritzung. Das Jubiläum verweist also auf eine Erfindung und nicht auf die Gründung. Parallel stellte das Unternehmen neue Akkugeräte und einen synthetischen Kraftstoff vor. Nikolas Stihl, Vorsitzender von Aufsichts- und Beirat, sagte dazu sinngemäß, ein hundertjähriges Unternehmen müsse seine Wurzeln kennen und erkennen, wann ein neues Kapitel beginnt.

Ein Betrieb mit 30 Leuten hat nicht das Budget von Stihl. Das Prinzip kostet aber nichts: Die Vergangenheit ist der Beleg, und gezeigt wird die Gegenwart.

Was ein Jubiläumsfilm zeigen sollte

Die schwächste Struktur für einen Jubiläumsfilm ist die Chronologie. Gegründet, gewachsen, umgezogen, erweitert, heute. Sie ist naheliegend, weil die Festschrift genauso aufgebaut ist, und sie ist langweilig, weil jeder Kunde das Ende schon kennt.

Besser funktioniert ein Film, der drei Fragen beantwortet, die ein Kunde tatsächlich hat.

Was hat sich in all den Jahren bewährt? Nicht die Firmengeschichte, sondern das, worauf sich Kunden verlassen. Die Art, wie ein Auftrag abläuft. Die Tatsache, dass derselbe Ansprechpartner seit zwölf Jahren ans Telefon geht. Die Ersatzteile, die es auch für Maschinen von 1998 noch gibt. Das sind die Dinge, für die das Firmenalter steht.

Wer macht das heute? Der Gründer darf vorkommen, aber die Hauptrolle gehört den Leuten, mit denen Kunden morgen zu tun haben. Ein Kunde kauft nicht bei der Geschichte ein, sondern beim Meister, der nächste Woche vor der Tür steht.

Was kommt als Nächstes? Eine neue Halle, ein neues Verfahren, der Nachfolger, der gerade einsteigt. Hier entkräftet der Film den Verdacht, den die Studie von Kim und Srivastava beschreibt. Wer seit 40 Jahren da ist und gerade etwas Neues anfängt, ist nicht alt. Er ist erfahren und in Bewegung.

Für wen der Film eigentlich gemacht wird

Die meisten Jubiläumsfilme werden für den Festabend geplant. Das ist das kleinste Publikum, und es ist das einzige, das keine Überzeugung mehr braucht.

Die wichtigeren Zuschauer sitzen woanders. Kunden, die gerade ein Angebot prüfen und wissen wollen, mit wem sie es zu tun haben. Bewerber, die sich fragen, ob der Betrieb in zehn Jahren noch existiert, was bei einer Nachfolgefrage oder einer schwierigen Branchenlage keine abwegige Sorge ist. Und die eigenen Leute, die sich im Film wiedersehen wollen und ihn dann eher an Bekannte weiterschicken als jede Stellenanzeige.

Daraus folgt eine praktische Konsequenz für den Dreh. Aus demselben Material sollten mehrere Fassungen entstehen: eine längere für die Feier, in der Rührung erlaubt ist, und mehrere kurze, die jeweils eine Aussage tragen. Einer zeigt, was sich bewährt hat, und kommt auf die Website und in Angebote. Einer zeigt die Leute und kommt in die Stellenanzeigen. Einer zeigt das Neue und läuft auf LinkedIn. Wie lang die einzelnen Fassungen sein dürfen, steht im Artikel Wie lang darf unser Film sein?

Der Film gehört vor das Fest, nicht zum Fest

Ein Fehler, der sich durch fast alle Jubiläen zieht, ist der Zeitplan. Der Film wird auf den Festabend hin produziert und dort zum ersten Mal gezeigt. Liegt die Feier im Herbst, ist das Jubiläumsjahr zu drei Vierteln vorbei, bevor irgendjemand außerhalb des Saals etwas davon sieht.

Umgekehrt ist es sinnvoller. Gedreht wird einige Monate vor Beginn des Jubiläumsjahres, die ersten kurzen Clips laufen im Januar, und das ganze Jahr hindurch gibt es einen Anlass, sich zu melden: bei Kunden, bei der Lokalzeitung, in der Branche. Die lange Fassung für die Feier entsteht aus demselben Material. Wie viel Vorlauf eine Produktion braucht, steht im Artikel Wie lange dauert es, bis der Film fertig ist?

Alte Fotos: Was vorher geklärt sein muss

Jeder Jubiläumsfilm will ins Archiv greifen, und hier lauert eine Falle, an die kaum jemand denkt. Dass ein Foto im eigenen Ordner liegt, heißt nicht, dass man es verwenden darf.

Auch einfache Fotos ohne künstlerischen Anspruch sind nach Paragraf 72 des Urheberrechtsgesetzes 50 Jahre lang geschützt. Aufnahmen, die als Lichtbildwerk gelten, sind nach Paragraf 64 sogar bis 70 Jahre nach dem Tod des Fotografen geschützt. Wer 1999 einen Fotografen für die Firmenbroschüre beauftragt hat, besitzt oft nur das Recht, die Bilder in genau dieser Broschüre zu verwenden. Für einen Film, der online läuft, reicht das womöglich nicht.

Dazu kommen die Menschen auf den Bildern. Ehemalige Mitarbeiter, Kunden, Nachbarn. Für die Verbreitung ihrer Bildnisse gilt grundsätzlich das Kunsturhebergesetz, das eine Einwilligung verlangt. Es gibt Ausnahmen, etwa für Versammlungen oder Bilder der Zeitgeschichte, aber darauf sollte man sich bei einer Werbeverwendung nicht verlassen. Die Faustregel für die Praxis: Die Bildrechte klären, bevor der Schnitt beginnt, nicht wenn der Film fertig ist und ein einzelnes Foto dann eine ganze Sequenz kippt. Dasselbe gilt für die Musik, dazu mehr unter Musik in Firmenvideos.

Die Zeitzeugen und die Sache mit dem Ton

Das Herzstück vieler Jubiläumsfilme ist ein Gespräch mit dem Gründer oder der Seniorchefin. Diese Aufnahmen sind unwiederbringlich, und genau deshalb lohnt es sich, bei ihnen am wenigsten zu sparen.

Der häufigste Fehler dabei ist nicht das Bild. Es ist der Ton. Ältere Menschen sprechen oft leiser, erzählen gern im Stehen in der Werkhalle, und im Hintergrund läuft der Kompressor. Das sieht authentisch aus und ist später kaum zu verstehen. Ein unscharfes Bild verzeiht der Zuschauer, eine Stimme, die er nicht versteht, nicht. Für diese Gespräche gehört ein ruhiger Raum, ein Ansteckmikrofon und jemand, der während der Aufnahme zuhört, ob der Ton sauber ist. Die Halle kann danach als Bild dazukommen.

Ein zweiter Rat, der nichts kostet: Die Gespräche länger führen, als der Film braucht. Was der Gründer nach vierzig Minuten erzählt, wenn er die Kamera vergessen hat, ist fast immer besser als die vorbereiteten Sätze vom Anfang. Und dieses Material ist in zehn Jahren, beim nächsten Jubiläum, möglicherweise nicht mehr zu bekommen.

Wann sich ein Jubiläumsfilm nicht lohnt

Wenn der einzige Plan der Festabend ist. Dann ist ein guter Fotograf für die Feier und eine schöne Präsentation mit Archivbildern die ehrlichere Lösung, und sie kostet einen Bruchteil.

Ein Film lohnt sich, wenn vorher feststeht, wo er danach laufen wird: auf welcher Seite der Website, in welcher Angebotsmail, in welcher Stellenanzeige. Wer das nicht in einem Satz beantworten kann, produziert ein Erinnerungsstück. Das darf man wollen, man sollte es nur nicht mit Marketing verwechseln.

Und wer ohnehin einen veralteten Imagefilm auf der Website hat, kann das Jubiläum als Anlass nehmen, ihn zu ersetzen. Wann sich das Überarbeiten lohnt und wann ein Neudreh, steht im Artikel Unser Film ist vier Jahre alt.

Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos pro Monat: kurze Formate für Social Media, längere für die Website, Clips, die in Angeboten und Kundengesprächen funktionieren. Schnitt, Untertitel und alle Formatvarianten sind dabei.

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Quellen: IfM Bonn, Überlebensrate von Unternehmen (Gründungskohorte 2017, Daten des Statistischen Bundesamts) · Desai, Kalra, Murthi: When Old Is Gold: The Role of Business Longevity in Risky Situations, Journal of Marketing 72 (1), 2008, S. 95 bis 107 · Kim, Srivastava: The Achilles Heel of Established Brands: The Effect of Brand Age on Consumers' Brand Choice, Journal of Marketing Research, 2024; Zusammenfassung Temple University, 16.10.2024 · Stihl, Pressemitteilung 100 Years, 12.01.2026 · Forstpraxis, 100 Jahre Stihl: Das Familienunternehmen erzählt seine Geschichte, 13.01.2026 · Urheberrechtsgesetz §§ 64, 72; Kunsturhebergesetz §§ 22, 23