Ratgeber · Anlass Ausbildungsmesse

Ausbildungsmesse: Stand gestalten, damit Schüler stehen bleiben und sich bewerben

Die Bundesagentur für Arbeit gibt Schülern vor dem Messebesuch einen einfachen Rat: Sie sollen sich „am besten einen Tagesplan mit Uhrzeiten und Standorten“ machen, vorab auf der Homepage der Messe nachsehen, welche Aussteller es gibt, und sich überlegen, zu welchen sie gehen wollen. Das heißt: Wer mit diesem Tagesplan in die Halle kommt, hat Ihren Stand entweder darauf stehen oder läuft vorbei. Ein Aufsteller mit Logo und ein Korb mit Kugelschreibern ändern daran nichts. Was ihn ändert, ist ein Grund, auf dem Weg zum nächsten Punkt auf der Liste zu bremsen, und ein Mensch, der nicht aussieht wie ein Verkäufer.

Für Sie als Inhaber oder Ausbildungsleiter geht es um genau eine Zahl: wie viele Schüler nach der Messe mit Namen auf Ihrer Liste stehen und sich später bewerben. Ein Stand, an dem viele vorbeigehen, kostet Standgebühr, Personal und einen Arbeitstag, ohne dass ein einziger Lehrling dabei herauskommt. Dieser Beitrag zeigt, was Sie an der Gestaltung, am Standpersonal und im Vorfeld ändern können, ohne dass die Messe teurer wird.

Kurz beantwortet

Wie gestaltet man einen Stand auf der Ausbildungsmesse, damit Schüler stehen bleiben?

Mit Menschen und Material statt Prospekten: ein Azubi als Ansprechpartner, der erst ein, zwei Jahre weiter ist als die Schüler, eine Aufgabe zum Selbermachen und ein Satz auf dem Aufsteller, der sagt, was man bei Ihnen am ersten Tag tut. Die Bundesagentur für Arbeit rät Schülern, sich vorab einen Tagesplan mit Uhrzeiten und Standorten zu machen. Ihr Stand muss deshalb entweder auf diesem Plan stehen oder einen Grund liefern, ihn zu verlassen.

Welche Mitmach-Elemente funktionieren am Stand?

Alles, was in unter fünf Minuten ein Ergebnis zum Mitnehmen liefert: ein kleines Werkstück, ein Test an einem echten Werkzeug oder eine Aufgabe aus dem Berufsalltag. Das ist unsere Einschätzung aus der Logik des Standes und keine Studienzahl. Wichtig ist, dass der Azubi dabei erzählt, was er tut, und am Ende nach dem Namen fragt, damit das Nachfassen möglich wird.

Soll am Stand ein Video laufen?

Ja, als Schleife ohne Ton und mit Untertiteln, denn in der Messehalle hört niemand zu. Zeigen Sie darin einen Arbeitstag aus Sicht eines Azubis, nicht den Imagefilm. Ein kurzer Ausschnitt aus demselben Material eignet sich für Instagram und TikTok. Nach einer Studie von IW und Bertelsmann Stiftung suchen etwa 30 Prozent der Jugendlichen auf TikTok nach Ausbildungsstellen, aber nur 3,6 Prozent der Unternehmen waren dort vertreten.

Was passiert nach der Ausbildungsmesse mit den Kontakten?

Hier entscheidet sich, ob die Messe sich lohnt. In den Azubi Recruiting Trends 2025 berichten 60 Prozent der jungen Bewerber, auf eine Bewerbung nie eine Rückmeldung erhalten zu haben. Wer innerhalb weniger Tage persönlich antwortet, hebt sich schon dadurch ab. Notieren Sie am Stand Name, Schule und Interesse, und bieten Sie ein konkretes nächstes Angebot an, etwa einen Schnuppertag.

Schüler kommen mit einem Plan, nicht zum Bummeln

Auf der Seite der Bundesagentur steht noch mehr, und es lohnt sich, die Anleitung einmal mit den Augen Ihres Standes zu lesen. Schüler sollen Bewerbungsunterlagen gedruckt und digital dabeihaben, am Stand um einen Bewerbungsunterlagen-Check bitten und sich Antworten auf Fragen wie „Warum wollen Sie bei uns arbeiten?“ zurechtlegen. Am Ende des Gesprächs sollen sie um eine Visitenkarte bitten, um die Bewerbung direkt an die richtige Person zu schicken.

Das ist ein anderes Bild als der Schüler, der gelangweilt durch die Halle läuft. Es zeigt einen Jugendlichen, der ein bisschen nervös ist, nicht weiß, was er fragen soll, und ein Gespräch mit Erwachsenen in Hemd und Poloshirt für eine Prüfung hält. Das ist eine Einschätzung und keine Messung. Aber sie erklärt, warum Stände mit einem Tisch davor und einem Erwachsenen dahinter so wenig Zulauf haben: Wer nicht weiß, wie man ein Gespräch beginnt, wählt den Stand, an dem er nicht anfangen muss.

Dazu passt ein Befund aus den Azubi Recruiting Trends 2025 von u-form Testsysteme, wissenschaftlich begleitet von Prof. Christoph Beck von der Hochschule Koblenz. In der Befragung von 7.082 Teilnehmern, davon 5.482 Schüler und Auszubildende und 1.621 Ausbildungsverantwortliche, taucht „fehlendes Berufswissen“ mit 65,4 Prozent als Absagegrund auf. Wer die Berufe nicht kennt, kann auch keine gute Frage dazu stellen. Ihr Stand muss das Fragen deshalb abnehmen: Er sagt von sich aus, was man bei Ihnen macht.

Der Aufsteller sagt, was man tut, nicht wer Sie sind

Die meisten Messestände beginnen mit dem Firmennamen und dem Gründungsjahr. Für einen Neuntklässler ist „Seit 1987 Ihr Partner für Haustechnik“ eine Information über Sie, keine über ihn. Besser sind drei Dinge, die er auf einen Blick lesen kann: der Berufsname mit einem Satz dazu, was man tut (bei Anlagenmechanikern etwa: Heizungen bauen, die am nächsten Tag in einem Haus laufen), die Zahl der freien Plätze und die Antwort auf die Frage, was man am ersten Tag macht. Die Ansprache auf dem Aufsteller richtet sich an Schüler und darf so klingen, wie diese sprechen.

Dazu gehört ein Foto, das ein Mensch bei der Arbeit zeigt, möglichst ein Azubi im echten Betrieb. Das ist kein Stockfoto-Lächeln, sondern ein Beleg: So sieht es aus, so sind die Leute. Schreiben Sie nichts auf den Aufsteller, was Sie am Stand nicht beantworten können. Und halten Sie den Tisch niedrig oder lassen Sie ihn weg. Ein Tisch ist eine Grenze, und Jugendliche stehen davor wie vor einem Schalter.

Das Gesicht am Stand sollte ein Azubi sein

Die wirksamste Entscheidung, die Sie treffen können, kostet nichts: Stellen Sie nicht den Chef an den Stand, sondern den Lehrling aus dem zweiten oder dritten Lehrjahr. Er spricht die Sprache der Schüler, er hat die Bewerbung noch im Kopf, und er kann glaubhaft sagen, was am ersten Tag schiefgelaufen ist. Das ist ebenfalls eine Einschätzung aus dem Prinzip, dass Gleichaltrige glaubwürdiger wirken als Erwachsene, und kein Studienergebnis. Bei Ihrer eigenen Messe lässt es sich leicht prüfen: Zählen Sie, wie viele Schüler mit dem Azubi sprechen und wie viele mit Ihnen.

Damit der Azubi das gern tut, braucht er drei Dinge. Erstens eine Aufgabe, die er kennt: Er erzählt von seinem Beruf, er muss nichts verkaufen. Zweitens einen Erwachsenen im Hintergrund, der übernimmt, wenn es um Bezahlung, Arbeitszeiten oder Eltern geht. Drittens Pausen, denn drei Stunden Stehen vor Fremden sind für einen Sechzehnjährigen anstrengender als ein Werkstatttag. Wie Sie Mitarbeiter und Azubis dazu bekommen, vor einer Kamera oder einem Publikum zu stehen, steht im Beitrag Niemand will vor die Kamera, und die Grundsätze gelten am Stand genauso.

Mitmachen schlägt Zuhören

Wer an einem Stand etwas in der Hand hält, bleibt stehen. Das ist unsere Beobachtung, keine Studienzahl: Wer etwas tut, muss nicht gleichzeitig ein Gespräch beginnen, und das Gespräch ergibt sich beim Tun. Für einen Handwerksbetrieb heißt das: ein Werkstück, das fünf Minuten dauert und das man mitnehmen darf, ein Werkzeug, das man ausprobieren darf, oder eine kleine Prüfaufgabe aus dem Alltag, etwa ein Maß zu schätzen und dann nachzumessen. Im Büro oder in der Produktion gilt dasselbe in anderer Form, zum Beispiel ein Bauteil, das man zusammensteckt, oder eine Aufgabe am Tablet.

Drei Regeln, die sich aus dem Ziel ergeben und nicht aus einer Studie:

Verschenken Sie lieber ein Ding, das mit dem Beruf zu tun hat, als Gummibärchen. Die Süßigkeit ist nach zehn Minuten weg, das Werkstück liegt zu Hause auf dem Schreibtisch und zeigt den Eltern, wo das Kind war.

Video: eine Schleife ohne Ton und ein Clip für danach

Video hilft an diesem Stand an zwei Stellen und sonst nirgends. Erstens als Schleife auf einem Bildschirm: ein Arbeitstag eines Azubis in 60 bis 90 Sekunden, aus seiner Sicht, ohne Sprechertext. In einer Messehalle ist es laut, und wer in eine Halle voller Aussteller kommt, hört keinem Lautsprecher zu. Der Film läuft deshalb ohne Ton und mit Untertiteln, die das Wichtigste sagen: wer er ist, was er tut, was er daran mag. Warum der Ton in den meisten Fällen aus bleibt, lesen Sie im Beitrag Firmenvideos mit Untertiteln: Warum der Ton oft aus ist.

Zweitens als kurzer Clip für Instagram und TikTok, den Sie vor und nach der Messe zeigen. Warum dort? Die JIM-Studie 2025 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest nennt für Zwölf- bis Neunzehnjährige eine durchschnittliche Smartphone-Bildschirmzeit von knapp vier Stunden am Tag. Und eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft und der Bertelsmann Stiftung („Vom Mismatch zum Match“) beziffert die Lücke so: Bei TikTok, der für Jugendliche wichtigsten Plattform, waren 3,6 Prozent der Unternehmen vertreten, während etwa 30 Prozent der Jugendlichen angaben, dort nach Ausbildungsstellen zu suchen. So zitiert es die IHK Ulm. Wer dort einen Clip hat, in dem ein Azubi zeigt, was er morgens als Erstes macht, kann auf der Messe darauf verweisen, mit den Hinweis auf den eigenen Kanal, wo man sieht, wie der Arbeitstag wirklich aussieht.

Beides entsteht am besten vor der Messe aus einem Drehtag im Betrieb, mit Azubis, die sich zeigen wollen. Eine Übersicht, welche Kanäle für Azubi-Suche überhaupt infrage kommen, finden Sie im Beitrag Azubis finden mit Video im Handwerk. Hier gilt nur: Das Video ersetzt nicht den Menschen am Stand. Es macht ihn auffindbar.

Die Eltern stehen daneben, ob Sie sie ansprechen oder nicht

Auf vielen Ausbildungsmessen kommen Jugendliche mit Mutter oder Vater, jedenfalls kennen Sie das vermutlich von Elternabenden und Tagen der offenen Tür. Eine belastbare Zahl dazu haben wir für diesen Beitrag nicht gefunden, die folgende Überlegung ist deshalb eine Einschätzung: Eltern fragen bei einem Betrieb, den sie nicht kennen, zuerst nach Sicherheit, Bezahlung und Übernahme, auch wenn sie es nicht laut aussprechen. Wer ihnen darauf eine ehrliche Antwort gibt, hat für das Kind schon einen Vertrauensvorschuss geschaffen.

Praktisch heißt das: Legen Sie ein einseitiges Blatt für Eltern bereit, mit Ausbildungsvergütung nach Lehrjahr, Arbeitszeiten, Übernahmechancen und einer Telefonnummer für Rückfragen. Ihr Azubi spricht mit dem Jugendlichen, ein Ausbilder mit den Eltern. So gehen beide mit dem Gefühl weg, dass jemand für sie Zeit hatte.

Nach der Ausbildungsmesse fängt die Bewerbung erst an

Die Azubi Recruiting Trends 2025 melden: 60 Prozent der jungen Bewerber berichten, auf eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz nie eine Rückmeldung erhalten zu haben. Gleichzeitig hatten nur noch 41,7 Prozent der Bewerber mehrere Ausbildungsangebote, 2019 waren es 73 Prozent. Beides zusammen heißt: Bewerber sind knapper geworden, und trotzdem wird die Mehrheit nicht beantwortet. Wer Schüler nach der Messe innerhalb von drei, vier Tagen persönlich anschreibt, ist für sie schon deshalb ungewöhnlich.

Schreiben Sie nicht „Vielen Dank für Ihren Besuch“. Schreiben Sie dem Schüler, was er am Stand gemacht hat, etwa welches Werkstück er gebaut hat, und bieten Sie genau eine Sache an: einen Schnuppertag an einem festen Termin. Bei Minderjährigen gehört eine Kopie der Terminbestätigung an die Eltern, wenn diese Kontaktdaten freiwillig angegeben wurden. Fragen Sie Name, Schule und Kontaktweg nur mit Einwilligung ab, die auf dem Zettel steht, und klären Sie im Zweifel vorab mit Ihrem Datenschutzbeauftragten, was Sie speichern dürfen.

Wie man Kontakte von einer Messe bearbeitet, ohne Serienmails zu verschicken, steht im Beitrag Messekontakte nachfassen. Und wenn die Schüler zwar zusagen, aber zum Gespräch nicht erscheinen, hilft Bewerber kommen nicht zum Vorstellungsgespräch.

Eine Checkliste, bevor Sie den Stand buchen

  1. Vier Wochen vorher: Ziel mit Zahl festlegen, etwa zehn Namen von Schülern, die zu einem Schnuppertag zusagen. Azubis fragen, wer mitkommen will, und ihnen den Tag freigeben.
  2. Drei Wochen vorher: Aufsteller mit Berufen, Plätzen und einem Azubi-Foto. Mitmachaufgabe bauen und von einem Azubi ausprobieren lassen. Elternblatt schreiben.
  3. Zwei Wochen vorher: Schleife für den Bildschirm und Kurzclip für Instagram und TikTok drehen oder schneiden, mit Untertiteln. Stand auf den Kanälen der Messe und der Schule ankündigen, damit er auf dem Tagesplan der Schüler steht.
  4. Am Messetag: Zettel für Name, Schule, Interesse und Einwilligung. Azubi vorne, Ausbilder im Hintergrund, Pausen einplanen.
  5. Binnen drei bis vier Tagen danach: Persönliche Nachricht an jeden Namen auf dem Zettel mit genau einem Angebot und einem Termin.
  6. Zwei Wochen danach: Zählen: wie viele Namen, wie viele Schnuppertage, wie viele Bewerbungen. Daraus folgt, ob Sie nächstes Jahr wieder einen Stand mieten.

Die kürzeste Fassung

Schüler kommen mit einem Tagesplan und fürchten das erste Wort. Ein Stand, der sie zum Bremsen bringt, hat einen Azubi als Gesicht, etwas zum Mitmachen und einen Aufsteller, der sagt, was man bei Ihnen tut. Ein Video läuft ohne Ton und mit Untertiteln als Schleife und dient als Clip für Instagram und TikTok, wo Jugendliche tatsächlich nach Stellen suchen. Eltern bekommen ein Blatt und einen Ansprechpartner. Und die Messe lohnt sich erst, wenn Sie in der Woche danach jedem Namen antworten.

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Quellen: Bundesagentur für Arbeit, „Inspiration auf Ausbildungs- und Berufsmessen erhalten“ (arbeitsagentur.de, abgerufen am 07.10.2026) · u-form Testsysteme, Azubi Recruiting Trends 2025, wissenschaftlich begleitet von Prof. Christoph Beck, Hochschule Koblenz (zitiert nach marktplatzarbeit.com, abgerufen am 07.10.2026) · Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, JIM-Studie 2025 (mpfs.de, abgerufen am 07.10.2026) · Institut der deutschen Wirtschaft und Bertelsmann Stiftung, „Vom Mismatch zum Match“ (zitiert nach IHK Ulm, ihk.de/ulm, abgerufen am 07.10.2026)