Vertrieb · Oktober 2026 · Lesezeit 12 Minuten
Im Frühjahr 2022 verhandelte das Bundessozialgericht über eine Frau, die sich als Arbeitslose bei einem Unternehmen bewarb. Sie absolvierte einen unbezahlten Kennenlerntag: Gespräche, eine Betriebsführung, ein Austausch mit der IT, zum Schluss das Hochregallager. Dort stürzte sie und brach sich den rechten Oberarm. Die Berufsgenossenschaft lehnte einen Arbeitsunfall ab, zwei Instanzen wiesen die Klage ab. Das Bundessozialgericht sah es anders: Wer einen Betrieb besichtigt, ist nach der Satzung mancher Berufsgenossenschaften versichert, auch wenn er sich eigentlich bewerben will. Besucher im Betrieb sind also Alltag, selbst bei Bewerbungen, und wer sie durch die Halle führt, sollte wissen, was vorher geregelt sein muss. Hier steht, was eine Werksführung im Vertrieb und bei der Mitarbeitersuche belegt bringt, wie Sie sie organisieren und wann ein virtueller Rundgang die bessere Wahl ist.
Ja, dafür gibt es eine belastbare Untersuchung. Ein Forscherteam der Hochschule Bielefeld wertete 23 Jahre Verkaufsdaten eines Industriegüterunternehmens aus und fand in den Folgejahren einen deutlichen Anstieg der Umsätze mit Kunden, die an einer Werksführung teilgenommen hatten. Eine Befragung vor und nach der Führung zeigte, dass Vertrauen und Bindung der Kunden die Erklärung sind. Die Studie beruht auf einem einzelnen Unternehmen, ihre Übertragbarkeit auf Ihren Betrieb ist unsere Einschätzung.
Das hängt vom Besucher und von Ihrer Berufsgenossenschaft ab. Das Bundessozialgericht entschied 2022, dass eine Bewerberin, die bei einer Betriebsführung stürzte, als Teilnehmerin einer Betriebsbesichtigung unfallversichert war, weil die Satzung der betroffenen Berufsgenossenschaft Teilnehmer von Betriebsbesichtigungen einschließt. Andere Unfallversicherungsträger regeln das laut Gericht anders. Schüler stehen beim Schulbesuch unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Unabhängig davon trifft Ihr Unternehmen die Verkehrssicherungspflicht für Gäste.
Indem Sie Geheimhaltung nachweisbar organisieren. Das Geschäftsgeheimnisgesetz schützt Informationen nur, wenn sie Gegenstand angemessener Geheimhaltungsmaßnahmen sind. Praktisch heißt das: ein festgelegter Besucherweg, abgedeckte oder ausgeklammerte Bereiche, eine Besucherliste, Fotoregeln und bei Geschäftspartnern eine unterschriebene Vertraulichkeitserklärung.
Für Schulklassen empfiehlt ein Leitfaden des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft Dresden zwei bis drei Stunden. Liebherr in Ehingen führt Gruppen von 10 bis 40 Personen etwa vier Stunden über rund fünf Kilometer. Für Kunden und Bewerber im Mittelstand halten wir 60 bis 90 Minuten für einen guten Rahmen, das ist eine Einschätzung ohne Studie dahinter.
Wenn Besucher nicht oder nicht ohne Weiteres hineinkönnen: im Reinraum, im Lebensmittelbetrieb mit strengen Besucherregeln, in Sicherheitsbereichen, bei Kunden aus dem Ausland und auf Messen. Eine 360-Grad-Tour kostet laut Anbieterangaben ab rund 550 Euro bei 100 Quadratmetern, für Fertigungshallen ab 2.000 Quadratmetern ab rund 3.490 Euro. Ein gefilmter Rundgang ersetzt die Tour nicht, passt aber auf jede Website und jedes Tablet.
Die meisten Betriebe führen Besucher durch die Halle, weil es sich gehört oder weil jemand fragt. Dass es sich rechnet, galt lange als Bauchgefühl. 2025 erschien in der Fachzeitschrift Industrial Marketing Management eine Untersuchung der Hochschule Bielefeld (Prof. Dr. Tobias Schäfers und Koautoren), die das erstmals mit Zahlen unterlegt. Sie nutzt Verkaufsdaten aus 23 Jahren, die ein Industriegüterunternehmen zur Verfügung stellte. Ergebnis: Nach der Teilnahme an einer Werksführung stiegen die Umsätze mit den betreffenden Kunden in den Folgejahren deutlich. Eine zweite Studie befragte Kunden vor und nach der Führung. Sie bestätigt den Effekt und liefert die Erklärung: Vertrauen und Bindung wachsen. Wer sieht, wie eine Baugruppe entsteht und wer sie prüft, muss weniger glauben. Das ist die ganze Magie.
Wie hoch der Anstieg ausfiel, nennt die Mitteilung der Hochschule nicht, und die Daten stammen von einem einzigen Unternehmen. Ob ein Zulieferer mit 60 Leuten denselben Effekt sieht, wissen wir nicht. Wir halten es für plausibel, weil der Mechanismus (ich sehe, wie gearbeitet wird, und vertraue deshalb eher) nicht von der Größe abhängt. Das ist unsere Einschätzung, kein Beleg.
Dass Betriebe Besichtigungen als Marketing betreiben, ist kein Randphänomen. Die Autostadt in Wolfsburg zählte nach eigenen Angaben in 25 Jahren mehr als 48 Millionen Besucher. Liebherr in Ehingen bietet einmal im Monat eine kostenlose Werksführung für Privatpersonen an und eigene Termine für Geschäftspartner, Schulen und Hochschulen. Eine Fallstudie zum BMW-Werk Leipzig (Evelyn Kästner, 2021) beschreibt die Besichtigung als Kommunikation zum Anfassen, die Markenwerte vermitteln kann. Voraussetzung: Alles rund um die Produktion passt zur Marke, vom Empfang bis zu dem, was man hört und anfassen darf. Ein Mittelständler braucht keine Besucherwelt, sondern einen Weg durch den Betrieb, auf dem man sieht, was ihn von anderen unterscheidet.
Bewerber kaufen kein Produkt, sie entscheiden, ob sie dort acht Stunden am Tag sein wollen. Das lässt sich in einer Stellenanzeige schlecht zeigen und in einer halben Stunde Rundgang gut. Der Fall vom Anfang zeigt es: Beim Kennenlerntag der Bewerberin gehörte die Betriebsführung selbstverständlich dazu.
Für Jugendliche gilt ähnliches. In einer Untersuchung von Neuenschwander und Schaffner (2010) nannten Jugendliche ihre Praktika das wichtigste Instrument bei der Berufswahl. Ob das auf Deutschland übertragbar ist, wissen wir nicht, und über eine einzelne Führung sagt es nichts. Eine Besichtigung ist aber die kleinere Hürde als ein Praktikum: Sie dauert Stunden statt Wochen, der Aufwand für Ihre Leute ist überschaubar, und eine ganze Klasse sieht Ihren Betrieb auf einmal. Wie das Praktikum selbst läuft, steht in Schülerpraktikum anbieten.
Das Fest für alle, mit Hüpfburg und Würstchen, ist ein anderes Format, zu dem die Öffentlichkeit eingeladen wird. Dafür gibt es Wir machen einen Tag der offenen Tür. Wie kommen Leute, und was bleibt danach? Und für Fachkunden mit Einladung gibt es Hausmesse planen. Hier geht es um die gezielte Führung kleiner Gruppen, die Sie jederzeit anbieten können.
Ein Beispiel liefert Liebherr auf der Seite zur Werksführung in Ehingen: festes, geschlossenes Schuhwerk mit fester Sohle ist Pflicht, Personen mit offenen Schuhen können aus Sicherheitsgründen nicht teilnehmen, elektronische Geräte bleiben im Bus oder Pkw, die Gruppe umfasst 10 bis 40 Personen, die Tour ist nicht barrierefrei. Im Kern genügen ein fester Weg, klare Vorgaben zur Ausrüstung, eine Begleitperson pro Gruppe und eine kurze Einweisung vor dem Betreten der Halle. Der Dresdner Leitfaden für Betriebserkundungen führt dafür die Belehrung zu Sicherheitsvorschriften und Unfallgefahren als festen Teil der Vorbereitung auf. Vermeiden Sie Kreuzungen mit Staplerwegen. Wo sie unvermeidlich sind, hält eine Person den Verkehr an.
Zurück zum Hochregallager. Das Bundessozialgericht (Az. B 2 U 13/20 R, Entscheidung vom 31. März 2022) stellte fest: Teilnehmer einer Unternehmensbesichtigung sind nach der Satzung der beklagten Berufsgenossenschaft unfallversichert, und zwar im Unterschied zu den Satzungen anderer Unfallversicherungsträger. Das eigene Interesse der Klägerin am Kennenlernen ihres möglichen Arbeitgebers stand dem nicht entgegen. Unternehmer sollten durch die Regelung von Haftungsrisiken bei Besuchen entlastet werden. Für Sie heißt das: Ob ein Kunde oder Bewerber bei einem Unfall über die gesetzliche Unfallversicherung läuft, steht in der Satzung Ihrer Berufsgenossenschaft. Schauen Sie dort nach, bevor die erste Gruppe kommt.
Schulklassen sind der leichteste Fall: Der Besuch der Schule steht nach den Angaben der DGUV unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Bei Schülerpraktikanten ist die Lage ähnlich.
Unabhängig von der Unfallversicherung bleibt die Verkehrssicherungspflicht. Sie bedeutet, die notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, damit Dritte in Ihrem Betrieb nicht zu Schaden kommen. Im Außenverhältnis trifft sie zunächst die GmbH, intern ist die Geschäftsführung dafür zuständig. Die Beispiele aus der Rechtsprechung, die Lexware nennt, sind banal: ein nicht gestreuter Parkplatz, eine nicht gekennzeichnete Glastür. In einer Werkhalle kommen Stolperkanten, Kranbahnen und Fahrwege dazu. Prüfen Sie außerdem mit Ihrem Versicherungsmakler, ob Besuchergruppen in der Betriebshaftpflicht berücksichtigt sind. Ob das der Fall ist, hängt vom Vertrag ab.
Das Geschäftsgeheimnisgesetz schützt eine Information nur dann, wenn sie unter anderem Gegenstand von den Umständen nach angemessenen Geheimhaltungsmaßnahmen ist (§ 2 Nr. 1 b GeschGehG). Wer sein Verfahren jedem Besucher offen zeigt, hat es schwer, sich später darauf zu berufen. Daraus folgt eine kurze Liste: Legen Sie fest, was nicht gezeigt wird, etwa Prototypen, Kundenteile, Rezepturen oder Maschineneinstellungen. Decken Sie sie ab oder führen Sie den Weg daran vorbei. Führen Sie eine Besucherliste. Bitten Sie Geschäftspartner vorab um eine Vertraulichkeitserklärung. Vorlagen dafür bieten zum Beispiel die Industrie- und Handelskammern an. Eine Rechtsberatung ersetzt das nicht.
Zwei Gruppen von Menschen können auf Fotos landen: Ihre Beschäftigten und Ihre Besucher. Für die Beschäftigten ist die Lage klar. Das Bundesarbeitsgericht entschied 2015 (8 AZR 1011/13), dass die Veröffentlichung von Videoaufnahmen eine schriftliche Einwilligung braucht. Wenn Besucher fotografieren, geht es weniger um Datenschutz als um Ihr Hausrecht und die Geheimhaltung: Sie können das Fotografieren untersagen oder auf bestimmte Bereiche beschränken. Liebherr lässt Geräte gleich draußen. Wenn Sie selbst eine Führung filmen, hängen Sie vorher einen Hinweis auf und fragen Sie vor Nahaufnahmen. Die Einzelheiten stehen in Video-Content und DSGVO 2026.
Es gibt keine Norm für eine gute Führung, das Folgende ist unsere Einschätzung. Gut belegt ist nur der Rahmen: Der Dresdner Leitfaden teilt eine Erkundung in Einführung, Durchführung und Abschluss, und der Hinweis dort lautet, dass zu kurze Besuche selten tiefe Einblicke erlauben, zu lange überfordern.
Manche Besucher können nicht in den Betrieb, andere sollen nicht. Dann ist ein virtueller Rundgang keine Notlösung, sondern die richtige Antwort. Die typischen Fälle:
Ein virtueller Rundgang ersetzt den persönlichen Besuch nicht. Die Produktionsfirma Waldfilm nennt ihn einen effizienten Filter davor: Er spart Reisen und einen Vor-Ort-Termin, wenn der Außendienst Interessenten vorab eine Tour schickt. Auch das ist die Sicht eines Anbieters, aber sie leuchtet ein.
Unter dem Wort virtuelle Werksführung werden zwei verschiedene Dinge verkauft. Die 360-Grad-Tour ist interaktiv: Besucher klicken sich selbst durch die Halle, sehen Infopunkte und wählen ihren Weg. Der gefilmte Rundgang ist erzählt: Jemand führt durch, mit Ton, Schnitt und Untertiteln, aber ohne eigene Steuerung. Die Tour eignet sich für eine Website oder ein Kundenportal, der Film für Social Media, Bewerbungsseiten und Messen. Beides hat seinen Platz.
Für die Tour nennen Anbieter folgende Preise (alle Angaben stammen von deren Webseiten, die Preise sind netto, soweit nicht anders genannt):
Die Spanne ist groß, weil die Technik unter demselben Namen verschieden ist. Vergleichen Sie Angebote deshalb nur nach Standpunkten, Infopunkten, Sprachen, Hosting und Laufzeit.
Für den gefilmten Rundgang gibt es weniger öffentliche Preise. Die genannte Marktübersicht nennt als Einstieg für einen Drehtag rund 3.000 Euro netto, das ist eine Größenordnung und kein Listenpreis. Bei Starkefilme ist der Rundgang einer von acht bis zehn Clips, die an einem Drehtag entstehen, und Teil des Pakets zu 499 Euro im Monat. Die interaktive 360-Grad-Tour bieten wir nicht an, dafür sind die genannten Panorama-Anbieter die richtige Adresse. Mehr zu unserem Angebot steht auf der Seite Imagefilm.
Erstens: Rufen Sie bei Ihrer Berufsgenossenschaft an oder lesen Sie deren Satzung, und fragen Sie, ob Teilnehmer von Betriebsbesichtigungen versichert sind.
Zweitens: Zeichnen Sie auf einem Hallenplan einen Besucherweg ein, mit drei Stationen, den Stellen, die tabu sind, und den Kreuzungen mit Fahrwegen.
Drittens: Schreiben Sie eine halbe Seite Besucherregeln: Schuhwerk, Fotos, Handys, Treffpunkt. Mehr braucht es nicht.
Viertens: Entscheiden Sie, welche Besucher Sie persönlich empfangen und welche Sie besser virtuell erreichen. Wenn die Antwort für Reinraum, Ausland oder Messe virtuell lautet, fangen Sie dort mit einem Film an.
Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos, darunter ein Rundgang durch Ihren Betrieb für Kunden, Bewerber und Messe, mit Untertiteln und in allen Formatvarianten. Schnitt und Technik sind dabei.
499 Euro pro Monat. Kein Drehtag ohne Vorbereitung, keine Vertragslaufzeit, kein Setup-Aufwand.
Unverbindlich kennenlernen →Quellen: Hochschule Bielefeld (HSBI), Pressemitteilung "Werksbesichtigung für Industriekunden? Hereinspaziert!" zu Schäfers et al., "Come and visit us!: The effects of factory tour participation on customers", Industrial Marketing Management, 2025 (doi.org/10.1016/j.indmarman.2025.01.004); Bundessozialgericht, Pressemitteilung Nr. 8/2022 vom 22.03.2022 und Urteil vom 31.03.2022, B 2 U 13/20 R, dargestellt bei Haufe Arbeitsschutz vom 08.04.2022 und Handwerksblatt vom 05.04.2022; Autostadt Wolfsburg, "25 Jahre Autostadt" (medienportal.autostadt.de); Liebherr-Werk Ehingen, Seite Werksführungen (liebherr.com, abgerufen am 15.10.2026); Evelyn Kästner, "Markenadäquate Umsetzung von Werksbesichtigungen", in: Multisensorik im stationären Handel, Springer 2021; Neuenschwander und Schaffner (2010), zitiert nach Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 2021; Landratsamt Pirna und Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Dresden, "Betriebserkundungen", Ausgabe 2020; DGUV, Seite Schülerinnen und Schüler (dguv.de); Lexware, "Verkehrssicherungspflicht: Haftungsrisiko für GmbH und Geschäftsführer", aktualisiert am 22.06.2026; Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen, § 2 (gesetze-im-internet.de); Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.02.2015, 8 AZR 1011/13; omnia360, "Was kostet ein virtueller Rundgang?" vom 06.02.2026; WALDFILM, "360° Werksführung" (waldfilm.at); KI Video Manufaktur, "Virtueller Rundgang und Werksführung: Kosten 2026", Stand 31.07.2026; VISTRAX, "IFS Food und das Besuchermanagement" (helpdesk.vistrax.com). Preisangaben sind Anbieterangaben und keine Angebote. Dies ist keine Rechtsberatung.