Recruiting · Oktober 2026 · Lesezeit 11 Minuten
Am 29. April 2026 meldete die Handwerkskammer Düsseldorf Malcolm Mahn als „Azubi des Monats“. Er ist Dachdecker im zweiten Lehrjahr bei einem Betrieb mit 15 Mitarbeitern. Gefunden hat er ihn über ein Werbebanner an einem Außenlager, auf dem ein Hinweis auf einen Instagram-Account für Bewerber stand. „Dort war sehr offensiv ausgebreitet, was mir das Unternehmen bieten kann“, sagt er. Er sprach vor, arbeitete drei Wochen auf Probe, und die Betriebsleitung war sich einig: „Wenn der die Hand hebt, den würden wir nehmen.“ Kein Stellenportal, keine Anzeige. Dieser Artikel zeigt, wie ein Azubi-Account aufgebaut wird, den Ihre Lehrlinge mit Leben füllen, welche Spielregeln Sie vorher festlegen und was er Sie an Zeit kostet.
Er erreicht die Jugendlichen dort, wo sie sind, und kostet vor allem Zeit statt Geld. Nach der JIM-Studie 2025 nutzen 63 Prozent der 12- bis 19-Jährigen Instagram regelmäßig, bei den 18- bis 19-Jährigen sind es 85 Prozent. Dass ein Account Bewerbungen bringt, belegen die Kammern in ihren Meldungen nicht mit Zahlen. Der Dachdeckerbetrieb Leinung aus Düsseldorf hat aber einen Azubi über den Instagram-Hinweis auf einem Banner gewonnen.
Instagram zuerst. In der Befragung von IW und Bertelsmann Stiftung (2024) nennen Hauptschüler 51,7, Realschüler 55,5 und Abiturienten 61,5 Prozent Instagram als Kanal der Ausbildungssuche. TikTok nutzen 30,4 Prozent der Jugendlichen dafür, aber nur 3,6 Prozent der Unternehmen. Facebook spielt bei Jugendlichen kaum eine Rolle, kann aber die Eltern erreichen.
Jede Person im Bild muss einwilligen, und bei Azubis muss die Einwilligung freiwillig sein. Nach § 22 KUG dürfen Bildnisse nur mit Einwilligung verbreitet werden, nach § 26 Abs. 2 BDSG zählt im Arbeitsverhältnis die Abhängigkeit der Person. Bei Minderjährigen lassen Sie zusätzlich die Eltern unterschreiben. Das ist unsere Empfehlung, keine Rechtsberatung. Kunden, Hausnummern und Sicherheitsverstöße gehören nicht ins Bild.
Bei zwei Beiträgen pro Woche etwa eine Stunde, davon rund 30 Minuten beim Ausbilder für Freigabe und Antworten. Das ist unsere Schätzung, keine Studienzahl. Für Jugendliche unter 18 gilt, dass Dreh und Schnitt zur Arbeitszeit zählen und acht Stunden am Tag und 40 in der Woche nicht überschritten werden dürfen (§ 8 JArbSchG).
Er bleibt, weil er dem Betrieb gehört und nicht dem Azubi. Die Zugangsdaten liegen beim Ausbilder, und mindestens zwei Azubis sind gleichzeitig beteiligt. Beiträge mit dem Ausgeschiedenen löschen Sie, wenn er die Einwilligung widerruft. Ein Betrieb, der den Account erst beim Weggang des einzigen Azubis zu übergeben versucht, steht sonst vor einem leeren Profil.
Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest hat für die JIM-Studie 2025 zwischen dem 2. Juni und dem 12. Juli 2025 genau 1.200 Jugendliche von 12 bis 19 Jahren befragt. Das Ergebnis für Instagram: 63 Prozent nutzen es mindestens mehrmals pro Woche, im Vorjahr waren es 62 Prozent. Wichtiger als der Durchschnitt ist der Altersverlauf. Bei den 12- bis 13-Jährigen sind es 25 Prozent, bei den 14- bis 15-Jährigen 63, bei den 16- bis 17-Jährigen 77 und bei den 18- bis 19-Jährigen 85 Prozent. Die Jahrgänge, die eine Lehrstelle suchen, sitzen also auf Instagram. 36 Prozent der Jugendlichen schauen dort mindestens einmal täglich Reels.
TikTok erreicht 53 Prozent und hat seinen Höhepunkt bei den 16- bis 17-Jährigen (64 Prozent). Snapchat liegt mit 56 Prozent erstmals seit 2020 wieder vor TikTok. Und Facebook, auf dem viele Betriebe ihre Ausbildungsplätze ausschreiben, nutzen noch neun Prozent der Jugendlichen regelmäßig, 2023 waren es 22 Prozent.
Wer das für eine Feststellung über „die Jugend“ hält, sollte sich ansehen, was Jugendliche tatsächlich bei der Lehrstellensuche tun. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) beim Institut der deutschen Wirtschaft hat dazu im Januar 2025 die Daten einer Befragung der Bertelsmann Stiftung ausgewertet: 1.729 Personen zwischen 14 und 25, befragt vom 23. Februar bis 24. März 2024, dazu Personalverantwortliche aus dem IW-Personalpanel. 61,9 Prozent der Jugendlichen suchen demnach „oft“ oder „manchmal“ über Social-Media-Kanäle nach einer Ausbildung, bei den Unternehmen sind es 63,5 Prozent. Beim Kanal selbst liegt die Lücke:
Das KOFA schreibt dazu, dass kleine und mittlere Betriebe sowie das Verarbeitende Gewerbe weniger Formate und weniger Kanäle nutzen als Großunternehmen und deshalb „besonders viel Nachsteuerungsbedarf“ haben. Facebook muss deshalb nicht abgeschaltet werden: Das KOFA hält es für sinnvoll, um die Eltern zu erreichen, die für die Berufsorientierung eine entscheidende Rolle spielen.
Zwei Zahlen gehören noch dazu. 25,7 Prozent der Jugendlichen suchen über Empfehlungen von Influencern oder „Corporate Influencern“, also Mitarbeitern, die für ihren Arbeitgeber auftreten. Bei den Unternehmen setzen 21,9 Prozent darauf. Kein Massenphänomen, aber eines der wenigen Formate, bei denen beide Seiten fast gleichauf liegen. Wie das mit erfahrenen Kollegen auf LinkedIn funktioniert, steht in Corporate Influencer: Wie Mitarbeiter auf LinkedIn Ihren Mittelstandsbetrieb vertreten. Für Lehrstellen ist der Azubi auf Instagram die passendere Variante.
Eine Stellenanzeige beschreibt, was der Betrieb sucht. Ein 17-Jähriger will wissen, was ihn erwartet, und glaubt dabei am ehesten jemandem, der vor einem Jahr noch dieselbe Frage hatte. Das ist unsere Einschätzung, keine Studie, aber die Kammern handeln danach. Warum das Video mit dem Azubi aus dem zweiten Lehrjahr in der Werkstatt mehr erreicht als der Chef im Anzug, haben wir in Azubis finden: warum Ihre Stellenanzeige niemanden erreicht beschrieben. Hier geht es um die Frage, wie daraus ein dauerhafter Account wird.
Handwerkskammer und IHK Halle: „team.azubi“. Beide Kammern betreiben gemeinsam den Instagram-Account „team.azubi“, den 14 Azubibotschafter aus dem Kammerbezirk mit eigenen Bildern und Videos aus ihrem Ausbildungsalltag füllen. Projektstart war Mitte Juli 2020, die Kammer berichtete im April 2021 darüber. Die Kammer sorgte für die Ideen und gelegentlich die Umsetzung, der jeweilige Betriebsinhaber musste der Bildproduktion zustimmen. Jens Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer: „Wir animieren die Lehrlinge, uns Bilder und Videos aus ihrem Alltag zu schicken.“ Der Zeitaufwand pro Azubi bleibe niedrig, weil viele mitmachen. Für Ihren Betrieb ist das der Kernpunkt: Ein Account lebt nicht von einem Azubi, der jeden Tag liefert, sondern von mehreren, die gelegentlich etwas schicken.
Handwerkskammer Hamburg: Ausbildungsbotschafter. Hamburg schult junge Handwerker zu Ausbildungsbotschaftern, die ihr Gewerk vor Schulklassen oder in sozialen Medien wie Instagram vorstellen. Die Kammer koordiniert Schulen und Social Media. Als Nutzen für die Betriebe nennt sie mehr Bekanntheit, geübte Kundengespräche und Nachwuchsgewinnung im eigenen Gewerk.
Handwerkskammer Dortmund: „Stabile Zukunft“. Im August 2022 startete die Kammer mit der IHK, der Agentur für Arbeit und weiteren Partnern eine Kampagne mit vier Azubis (Dachdeckerin, Glaserin, Kaufmann im Gesundheitswesen, Medienkauffrau). Sie waren auf vier Bussen und zwei Stadtbahnen in Dortmund zu sehen, dazu auf einer Website mit persönlichen Videos. Anders als Halle ist das ein Kampagnenmodell, kein laufender Account. Es zeigt aber dieselbe Beobachtung: Man stellt Lehrlinge nach vorn, nicht die Firma.
Zur Wirkung: Keine dieser Quellen nennt Bewerberzahlen. Was sie belegen, ist, dass Kammern diesen Weg gehen. Der einzige Fall mit einem Ergebnis ist der Düsseldorfer Dachdecker vom Anfang, und dort wissen wir nur, dass ein Instagram-Account für Bewerber ein Baustein war.
Dem Betrieb. Legen Sie ihn mit einer Firmen-Mailadresse an, nicht mit der privaten des Azubis, und behalten Sie die Zugangsdaten. Der Azubi bekommt Zugriff, aber nicht allein. Das klingt misstrauisch, ist aber die einzige Möglichkeit, den Account über den Weggang eines Azubis zu retten.
Wenn ein Lehrling auf dem Betriebsgelände filmt, schneidet oder Kommentare beantwortet, ist das Arbeit. Es gehört in die Arbeitszeit, nicht in den Feierabend. Für Jugendliche unter 18 begrenzt § 8 Jugendarbeitsschutzgesetz die Arbeit auf acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich. Außerdem dürfen Azubis nach § 14 Abs. 3 Berufsbildungsgesetz nur Aufgaben bekommen, die dem Ausbildungszweck dienen. Den Arbeitsalltag zu dokumentieren und zu erklären, was man gerade lernt, passt dazu. Ein Azubi, der drei Tage in der Woche den Account betreut und dafür auf der Baustelle fehlt, passt nicht dazu. Das ist unsere Einschätzung der Grenze, im Zweifel fragen Sie Ihre Kammer. Stellen Sie ein Diensthandy, damit niemand sein privates Telefon und seinen Datenplan einsetzen muss.
Der Azubi dreht, der Ausbilder oder ein Kollege sieht den Beitrag vor der Veröffentlichung an. Das dauert fünf Minuten und fängt das meiste ab. Legen Sie eine Frist fest, zum Beispiel einen Werktag, sonst staut sich alles an einer Stelle und der Account schläft ein.
Wer antwortet, wenn ein Schüler fragt, ob er ein Praktikum machen kann? Nicht der Azubi allein. Legen Sie fest, dass Anfragen beim Ausbilder landen. Ein Praktikumsangebot ist eine der besten Reaktionen, die ein Account auslösen kann; wie Sie das aufsetzen, steht in Schülerpraktikum anbieten.
Nach § 22 Kunsturhebergesetz dürfen Bildnisse nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Das gilt für Ihre Azubis, aber auch für jeden Kollegen, der im Hintergrund durchs Bild läuft. Im Arbeitsverhältnis kommt § 26 Abs. 2 Bundesdatenschutzgesetz dazu: Für die Freiwilligkeit einer Einwilligung ist die Abhängigkeit der beschäftigten Person zu berücksichtigen, und die Einwilligung soll schriftlich oder elektronisch erfolgen. Ein Lehrling, dem der Meister sagt „Du machst morgen den Account“, hat nicht freiwillig zugestimmt. Fragen Sie, und lassen Sie ihn Nein sagen können.
Bei Azubis unter 18 empfehlen wir, zusätzlich die Eltern unterschreiben zu lassen. Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, die sich nicht aus einem einzelnen Paragrafen herleiten lässt, aber sie vermeidet den Streit, wer in welchem Alter allein entscheiden durfte. In die Einwilligung gehören: welche Kanäle, welcher Zweck, wie lange, und der Hinweis, dass sie jederzeit widerrufen werden kann und aus einem Nein keine Nachteile entstehen. Die ausführliche Fassung mit Widerruf, Löschung und Urteilen finden Sie in Video-Content und DSGVO 2026. Das ist keine Rechtsberatung.
Eine Schätzung, keine Studienzahl: Zwei Beiträge pro Woche brauchen bei einem geübten Azubi etwa 15 Minuten Dreh und 10 Minuten Schnitt pro Beitrag. Dazu kommen 5 Minuten Freigabe beim Ausbilder und etwas Zeit für Antworten. Das ist insgesamt rund eine Stunde in der Woche, davon etwa eine halbe beim Ausbilder für Freigabe und Antworten. Wie oft ein kleiner Betrieb posten sollte, ist in Wie oft sollte ein kleines Unternehmen posten? beantwortet, und welche Länge Reels haben sollten, in Reel-Länge auf Instagram, Facebook und TikTok. Die Grundlagen für Handwerker, vom Profil bis zur Bildsprache, stehen in Instagram für Handwerker 2026.
Eine Ausschreibung auf einem Jobportal ist eine einmalige Ausgabe und erreicht Jugendliche, die schon suchen. Der Account erreicht auch die, die noch nicht suchen. Das KOFA nennt als Vorteil, dass Betriebe auf Social Media auch Jugendliche erreichen, die die Plattform aus anderen Gründen nutzen, und deren Interesse früh wecken können.
Den Alltag können Ihre Lehrlinge selbst drehen: ein Werkstück entsteht, ein Werkzeug wird erklärt, ein Fehler passiert und wird behoben, ein erster eigener Auftrag. Ein Smartphone mit ruhiger Hand reicht, Untertitel sind Pflicht, weil viele Videos ohne Ton laufen. Ein wackliger Clip, in dem ein Azubi sagt, was ihn an der Kälte im Dachstuhl nervt, ist glaubwürdiger als jedes polierte Video.
Eine Sache gelingt mit dem Smartphone selten: ein Beitrag, der den Betrieb in zwei Minuten erklärt. Wer ist hier, was lernt man, wie sieht ein Tag aus, warum bleiben die Leute. Das ist der Clip, den ein Schüler anschaut, wenn er auf Ihrem Profil landet und wissen will, ob er sich bewerben soll. Dafür lohnt sich ein professionell gedrehter Beitrag mit gutem Ton, denn gerade der Ton entscheidet, ob jemand dem Azubi seinen Satz abnimmt. Pinnen Sie ihn oben ans Profil. Die selbst gedrehten Beiträge zeigen dann, dass der Betrieb auch im Alltag so aussieht. Wie ein solcher Dreh im Betrieb abläuft, steht in Drehtag im Betrieb: Ablauf.
Das wird passieren, früher oder später, und manchmal früh. Die Vertragslösungsquote lag 2024 im Handwerk bei 36,7 Prozent (Berufsbildungsbericht 2026, zitiert in Azubi bricht ab: Warum es passiert und was hilft). Ein Account, der von einem einzigen Lehrling abhängt, steht damit auf wackligen Beinen. Vier Regeln helfen:
Erstens: Fragen Sie Ihre Azubis, ob sie mitmachen wollen, und lassen Sie sie Nein sagen. Wer zögert, kann Zuschauer bleiben.
Zweitens: Legen Sie den Account mit einer Firmen-Mailadresse an und schreiben Sie auf einer Seite die Regeln auf: wer freigibt, was nicht gezeigt wird, wer antwortet, wem der Account gehört.
Drittens: Holen Sie die Einwilligungen ein, bei Minderjährigen mit den Eltern.
Viertens: Entscheiden Sie, wer den Ankerclip drehen soll, den Beitrag oben im Profil, und wie Ihr Ton dort klingen soll.
Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos, darunter der Ankerclip für Ihren Azubi-Account und Porträts Ihrer Lehrlinge, mit gutem Ton, Untertiteln und in allen Formatvarianten. Schnitt und Technik sind dabei.
499 Euro pro Monat. Kein Drehtag ohne Vorbereitung, keine Vertragslaufzeit, kein Setup-Aufwand.
Unverbindlich kennenlernen →Quellen: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, "JIM-Studie 2025", 1.200 Befragte von 12 bis 19 Jahren, Erhebung 2.6. bis 12.7.2025, veröffentlicht November 2025 (mpfs.de/studie/jim-studie-2025); KOFA/Institut der deutschen Wirtschaft, "Auszubildende über Social Media finden", KOFA kompakt 01/2025 (Arndt/Herzer/Risius), Auswertung der Bertelsmann-Jugendbefragung "Ausbildungsperspektiven 2024" (n = 1.729, 14 bis 25 Jahre, 23.2. bis 24.3.2024) und des IW-Personalpanels 2024 (iwkoeln.de); Handwerkskammer Düsseldorf, "Malcolm Mahn als Azubi des Monats April ausgezeichnet", 29.4.2026 (hwk-duesseldorf.de); Handwerkskammer Halle, "Auf Instagram für Ausbildung werben", 20.4.2021 (hwkhalle.de); Handwerkskammer Hamburg, "Beste Ausbildungsbotschafter*innen: Ihre Azubis!" (hwk-hamburg.de); Handwerkskammer Dortmund, "Neue Azubi-Kampagne macht Lust auf Ausbildung", 8.9.2022 (hwk-do.de); Kunsturhebergesetz § 22, Bundesdatenschutzgesetz § 26, Jugendarbeitsschutzgesetz § 8, Berufsbildungsgesetz § 14 (gesetze-im-internet.de). Zeitangaben zum Aufwand sind eigene Schätzungen. Dies ist keine Rechtsberatung.