Ratgeber · Anlass Gewerbeschau
Am 12. und 13. September 2026 hat sich in Meitingen bei Augsburg ein Zelt auf der Schlosswiese gefüllt. Laut Augsburger Allgemeine stellten sich 65 Betriebe vor, die Wirtschaftsgemeinschaft nennt auf ihrer Ausstellerseite für die Messe „mindestens 12.000 Besucher“. Am Samstag um 10 Uhr gab es den Fassanstich, dann Tanzgruppen, Livemusik und Bierkistenklettern, am Sonntag eine Oldtimerschau, die myheimat.de mit rund 120 Fahrzeugen ankündigte. Mittendrin: Ihr Stand. Die meisten Besucher kamen wegen der Oldtimer und des Biergartens, nicht wegen Ihnen. Das ist kein Vorwurf an die Besucher. Aber es entscheidet, was ein Stand dort leisten muss und was nicht.
Eine Gewerbeschau, in manchen Orten Gewerbeausstellung, Leistungsschau oder Wirtschaftsschau genannt, ist keine Fachmesse. Sie zeigt Bürgern, was die Betriebe vor Ort können. Wer als Aussteller zusagt, kauft deshalb weniger Fachpublikum als Sichtbarkeit in der eigenen Region, bei möglichen Kunden und bei möglichen Bewerbern. Ob sich das lohnt, lässt sich vorher ausrechnen. Dieser Beitrag legt die Zahlen aus öffentlichen Ausstellerunterlagen auf den Tisch.
Das schwankt stark. In den öffentlichen Ausstellerunterlagen 2026 stehen in Löhne 89 Euro netto je Quadratmeter im Zelt (Reihenstand), in Stuhr 60 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, in Obergünzburg ein Pauschalpreis, der für neue Aussteller 200 Euro beträgt, ab 40 Quadratmetern 300 Euro. Dazu kommen Strom, Material und vor allem Ihre Arbeitszeit am Stand. Bei vielen Schauen, etwa in Meitingen, werden die Preise erst im Anmeldeformular genannt.
Meist Betriebe aus dem Ort und den Nachbargemeinden, organisiert vom örtlichen Gewerbeverein, der Stadt oder einem beauftragten Veranstalter. In Meitingen sind laut Ausstellungsbedingungen alle Gewerbetreibenden aus Meitingen und den Nachbargemeinden zugelassen, politische Interessenvertretungen nicht. Vereinsmitglieder zahlen teils weniger, in Stuhr 50 statt 60 Euro je Quadratmeter.
Nur mit einem Ziel, das Sie vorher festlegen. Das Publikum besteht überwiegend aus Familien und Laufkundschaft, nicht aus Menschen mit akutem Bedarf. Es lohnt sich, wenn Sie Kontakte mit Rückrufgrund einsammeln, Bewerber ansprechen und die Kosten gegen einen realistischen Auftragswert rechnen. Das ist eine Einschätzung auf Grundlage der Ausstellerunterlagen, keine Studie.
An zwei Stellen: als kurze Schleife am Stand, die ohne Ton mit Untertiteln auskommt, weil es in Zelt und Halle laut ist, und als kurzer Clip vor der Schau auf Social Media und im Google-Profil, der zum Standbesuch einlädt. Das Gespräch am Stand ersetzt Video nicht.
Hinter den Schauen stehen drei Sorten von Veranstaltern. In Meitingen ist es die Wirtschaftsgemeinschaft Markt Meitingen e.V., ein Verein, der nach eigener Darstellung die Interessen angeschlossener Unternehmer vertritt. Die Messe gibt es laut Verein seit September 2000, sie findet alle zwei Jahre statt, die Organisation liegt bei dem externen Veranstaltungsbüro LaiZa Veranstaltungen aus Ehingen. In Obergünzburg im Allgäu lädt die Interessengemeinschaft Gewerbetreibender zum Günztal-Marktfest, einer „bunten Mischung aus Gewerbeschau und Familienfest“ mit nach eigener Angabe bis zu 10.000 Besuchern. In Löhne in Ostwestfalen ist die Gewerbeschau Teil des städtischen Oktoberfests, hier tritt die Stadt selbst als Veranstalter auf, und Löhner Betriebe bekommen 20 Prozent Rabatt.
Das hat Folgen für Sie. Wer Mitglied im Gewerbeverein ist, zahlt häufig weniger: In Stuhr bei Bremen kostet der Quadratmeter im Zelt für Mitglieder der beteiligten Interessengemeinschaften 50 statt 60 Euro. Und wer nicht zum Ort gehört, kommt womöglich gar nicht hinein: Die Ausstellungsbedingungen der Meitinger Gewerbeausstellung 2026 lassen „alle Gewerbetreibende aus Meitingen und Nachbargemeinden“ zu, über die Zulassung und den Standplatz entscheidet die Ausstellungsleitung. Fragen Sie den Gewerbeverein Ihres Ortes deshalb früh, nicht erst, wenn das Plakat hängt. Für überregionale Fachmessen mit Fachpublikum gelten andere Regeln, die wir im Beitrag Video auf der Messe beschreiben.
Die Zahlen stammen aus den öffentlichen Ausstellerseiten der Veranstalter, Stand Oktober 2026. Vergleichbar sind sie nur bedingt, weil jede Schau andere Leistungen in den Preis packt.
Ein Rechenbeispiel, kein Praxisfall: Ein Stand von 3 mal 3 Metern, also 9 Quadratmetern, kostet in Löhne als Reihenstand 801 Euro netto, mit dem Stromanschluss 936 Euro. In Stuhr sind es 540 Euro netto, bei Mitgliedern 450 Euro. In Obergünzburg 200 oder 300 Euro. Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Beispiel liegt ungefähr der Faktor drei bis fünf, und das liegt weniger am Ort als an dem, was im Preis steckt: ein beheiztes Zelt mit Nachtwache gegen einen Platz auf der Straße.
Der größere Posten ist Ihre Zeit. Die Meitinger Ausstellungsbedingungen verlangen, dass jeder Aussteller den Stand „während der gesamten Öffnungszeiten“ besetzt, sonst droht eine Vertragsstrafe von 500 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Die Messe ist an zwei Tagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das sind 16 Stunden, und wer zu zweit am Stand steht, kommt auf 32 Arbeitsstunden. Dazu kommen der Aufbau am Freitag zwischen 8 und 20 Uhr und der Abbau am Sonntagabend und Montagvormittag. Setzen Sie hier Ihren eigenen Stundensatz ein, bevor Sie die Standmiete bewerten.
Wichtig ist auch der Ausstieg. In Meitingen werden bei einem Rücktritt bis acht Wochen vor Messebeginn 50 Prozent der Standmiete fällig, danach die volle Miete. Die Entscheidung fällt also lange vor dem Termin, und sie fällt auf Grundlage der Rechnung, die Sie jetzt machen.
Die Veranstalter sind ehrlich, wenn man ihre Texte liest. Meitingen beschreibt die Besucher als Menschen, die sich bei Bauen, Wohnen und Sanieren, Sport, Spiel und Freizeit oder Gesundheit informieren, und verspricht ihnen Riesenspiele, Hüpfburgen und eine Oldtimerschau. Obergünzburg schreibt den Ausstellern, die Besucher kämen „aufgeschlossen“ und seien „in Bestlaune“. Das ist ein gutes Publikum, aber ein anderes als bei einer Hausmesse, zu der Sie Ihre Kunden persönlich einladen (Hausmesse planen), und ein anderes als beim Tag der offenen Tür im eigenen Betrieb (Tag der offenen Tür). Unsere Einschätzung: Die meisten Besucher haben heute keinen Bedarf. Sie werden sich aber erinnern, wenn in zwei Jahren die Heizung ausfällt oder das Dach undicht wird.
Das ändert das Ziel. Sie verkaufen am Stand selten etwas, Sie werden vorgemerkt. Dazu gehören zwei Gruppen, die in den Ausstellerunterlagen immer wieder auftauchen: Kunden von morgen und Bewerber. Die Wirtschaftsgemeinschaft Meitingen schreibt, das Thema Mitarbeiterwerbung werde „Jahr für Jahr präsenter“. Obergünzburg ruft die Aussteller auf: „Präsentieren Sie sich als Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb! Jeder Besucher ist ein potentieller Mitarbeiter!“ Beides sind Veranstalteraussagen, keine Auswertungen, aber sie passen zu dem, was ein Familienpublikum mitbringt: Eltern mit Jugendlichen, die sich ansehen, wie ein Betrieb wirkt. Wie Sie das gezielt angehen, steht in unserem Beitrag zur Ausbildungsmesse, die ein eigenes Format ist.
Die Veranstalter nennen, wenn man sie fragt, dieselben Dinge. Obergünzburg empfiehlt Neuigkeiten und Sonderaktionen, „kleine Events“ am Stand wie ein Gewinn- oder Ratespiel. Meitingen weist darauf hin, dass bei der Messe spezielle Vorführungen einzelner Aussteller zum Programm gehören. Das deckt sich mit dem, was wir aus anderen Messeformaten kennen: Wer etwas zeigt, das man anfassen oder ausprobieren kann, bekommt Gespräche. Wer Prospekte auslegt, bekommt Nicken.
Drei Dinge helfen, und alle drei sind unsere Erfahrungswerte, keine Studienergebnisse. Erstens ein Stand, der aus fünf Metern Entfernung verrät, was Sie tun, mit einem Satz in großer Schrift. Zweitens etwas zum Mitmachen oder Mitnehmen, das mit Ihrem Geschäft zu tun hat, nicht der x-te Kugelschreiber. Drittens ein Mensch, der Besucher anspricht, statt hinter dem Tisch zu warten. Ein Handwerksbetrieb, der eine Sache live vorführt, schlägt jedes Roll-up.
Das Gewinnspiel ist der klassische Weg, Adressen zu sammeln. Es hat nur dann Wert, wenn die Teilnahmekarte zwei Dinge klärt. Wofür dürfen Sie die Daten nutzen, und wie erreichen Sie den Besucher tatsächlich? Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb regelt es so: Werbung per elektronischer Post braucht nach § 7 Absatz 2 Nummer 2 die vorherige ausdrückliche Einwilligung, und die Ausnahme in Absatz 3 setzt voraus, dass die Adresse im Zusammenhang mit einem Verkauf erhoben wurde. Ein Zettel im Lostopf ist kein Verkauf. Nach unserer Lesart brauchen Sie auf der Karte also ein Feld mit der Einwilligung, am besten mit dem Satz, was Sie schicken und wie oft. Im Zweifel fragen Sie einen Anwalt.
Praktisch heißt das: eine Karte mit Name, Telefon oder Mail, einem Kreuz bei „Wofür interessieren Sie sich?“ und einem Einwilligungstext. Bei Bewerbern funktioniert oft besser, kein Formular auszufüllen, sondern direkt im Gespräch einen Termin für ein Kennenlernen im Betrieb zu vereinbaren. Und wer eine Karte hat, wird innerhalb weniger Tage angerufen oder angeschrieben, solange die Schau noch Gesprächsthema ist. Wie das Nachfassen geht, haben wir im Beitrag Messekontakte nachfassen beschrieben.
Auf einer Gewerbeschau gibt es zwei Stellen, an denen ein Clip etwas leistet.
Am Stand als Schleife. Ein Monitor mit 30 bis 60 Sekunden aus dem echten Arbeitsalltag zeigt, was Sie tun, auch wenn gerade kein Gespräch läuft. Der Ton ist dabei die Schwachstelle. Wo wie bei der Meitinger Schau Tanzgruppen und Livemusik auf dem Programm stehen und ein Biergarten dazugehört, wird kaum jemand ein Video hören. Das ist unsere Einschätzung, gemessen haben wir den Pegel nicht. Planen Sie den Clip ohne Ton, mit Untertiteln, die man aus zwei Metern liest. Wie das aussieht, steht im Beitrag Firmenvideos werden stumm geschaut. Die Schleife sollte mit einem Bild beginnen, das auch ohne Erklärung funktioniert: die Hände bei der Arbeit, das fertige Ergebnis.
Vorab auf Social Media. Zwei Wochen vor der Schau reicht ein kurzer Clip, 20 bis 30 Sekunden, in dem jemand aus dem Betrieb sagt, wo Ihr Stand zu finden ist und was man dort ausprobieren kann. Er gehört in Instagram und Facebook, in das Google-Unternehmensprofil und, wenn der Veranstalter Ausstellerbeiträge teilt, auch dorthin. Ob er das tut, müssen Sie fragen. Die Löhner Preisliste führt Werbung über „Plakate, Flyer, social media“ als Preisbestandteil auf, wie intensiv sie die Aussteller einbindet, steht dort nicht.
Was Video nicht ersetzt, ist das Gespräch am Stand. Ein Film, der ohne Menschen davor läuft, zieht nicht mehr als ein Roll-up.
Schreiben Sie vor der Anmeldung drei Zahlen auf. Ein Rechenbeispiel, kein Fall aus der Praxis: Sie wollen 40 Kontaktkarten, davon 10 mit Terminwunsch, und zwei Gespräche mit Bewerbern. Die Kosten setzen sich zusammen aus Standmiete, Strom, Material und den Arbeitsstunden, bei zwei Personen etwa 32 Stunden plus Auf- und Abbau. Teilen Sie diese Summe durch den Deckungsbeitrag eines durchschnittlichen Auftrags, und Sie wissen, wie viele Aufträge der Stand bringen muss. Ist das eine Zahl, die Sie sich vorstellen können, melden Sie sich an. Ist sie es nicht, sparen Sie das Geld oder besuchen die Schau als Gast.
Eine Gewerbeschau wirkt oft verzögert: Wer heute Ihren Namen hört, ruft vielleicht erst in einem Jahr an. Bewerten Sie den Stand deshalb nicht nach dem Gefühl am Sonntagabend, sondern nach den Karten, den Terminen und den Bewerbungen der folgenden Wochen, und fragen Sie Neukunden in den nächsten Monaten, woher sie Sie kennen. Zur Präsenz vor Ort gehört auch die Förderung eines Vereins, die wir im Beitrag Wir sponsern den Sportverein betrachten.
Alle Zeitangaben sind Erfahrungswerte und keine Studienzahlen. Passen Sie sie an Ihre Schau an.
Eine Gewerbeschau bringt Sichtbarkeit vor Ort, keine Fachkunden. Prüfen Sie, wer ausstellen darf und was der Stand mit Arbeitszeit wirklich kostet, und entscheiden Sie vor der Rücktrittsfrist. Legen Sie ein Ziel mit Zahlen fest: Kontakte, Termine, Bewerber. Sammeln Sie Kontakte mit Einwilligung. Setzen Sie Video dort ein, wo es nützt: als stumme Schleife mit Untertiteln am Stand und als kurzer Clip vorab, der zum Standbesuch einlädt.
Starkefilme kommt einmal pro Quartal für einen Drehtag in deinen Betrieb, egal wo in Deutschland du bist. Aus einem Drehtag entstehen acht bis zehn fertige Videos pro Monat: kurze Formate für Social Media, längere für die Website, Clips für genau die Anlässe, die in diesem Artikel vorkommen. Schnitt, Untertitel und alle Formatvarianten sind dabei.
499 Euro pro Monat. Keine Vertragslaufzeit, kein Setup-Aufwand.
Unverbindlich kennenlernen →Quellen: Wirtschaftsgemeinschaft Markt Meitingen e.V., Seiten „MEGA Aussteller“ und „MEGA Besucher“ sowie Ausstellungsbedingungen 2026 (wg-meitingen.de, abgerufen am 10.10.2026) · Augsburger Allgemeine, „Alle Infos zur Gewerbeschau Mega in Meitingen vom 12. bis 13. September 2026“ (augsburger-allgemeine.de, 09.09.2026) · myheimat.de, „mega 2026: Der Countdown für die Meitinger Gewerbeschau hat begonnen“ (18.08.2026) · Stadt Löhne, Seite „Gewerbeschau“ beim Löhner Oktoberfest 2026 (loehne.de, abgerufen am 10.10.2026) · Stuhrer Frühjahrs- und Gewerbemarkt, „Aussteller Anmeldeinformationen“ (stuhrer-gewerbemarkt.de, abgerufen am 10.10.2026) · Interessengemeinschaft Gewerbetreibender Obergünzburg e.V., „Ausstellerinformationen“ Günztal-Marktfest (igo-oberguenzburg.de, abgerufen am 10.10.2026) · Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb § 7 (gesetze-im-internet.de, abgerufen am 10.10.2026)